4. Mai 2024 / News aus der Welt

Getötete Ukrainer: Angreifer lehnten Behördenhilfe ab

Nach dem mutmaßlichen Doppelmord an zwei Ukrainern in Oberhausen wird klar: Die 14- und 15-jährigen Tatverdächtigen waren längst im Fokus der Behörden. Doch Hilfsangebote verfehlten ihr Ziel.

Vor dem tödlichen Messerangriff auf zwei Ukrainer in Oberhausen im Februar gab es für die jugendlichen Tatverdächtigen Hilfsangebote vom Staat.
Veröffentlicht am 4. Mai 2024 um 14:11 Uhr von dpa

Vor dem tödlichen Messerangriff auf zwei Ukrainer in Oberhausen im Februar hat es für die jugendlichen Tatverdächtigen bereits Hilfsangebote vom Staat gegeben. Zwei der zum Tatzeitpunkt 14- bis 15-jährigen mutmaßlichen Täter hätten im vergangenen Jahr ein Angebot der Landes-Initiative «Kurve kriegen» erhalten, schrieb NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion. Das Programm richtet sich an bereits straffällige Minderjährige und soll verhindern, dass sie komplett in die Kriminalität abrutschen.

«Die Teilnahme ist aber freiwillig und auf die aktive Mitwirkung der Betroffenen ausgelegt», betonte Limbach. Im Fall der beiden Oberhausener Tatverdächtigen «lehnten die Betroffenen bzw. deren Sorgeberechtigte eine Teilnahme ausdrücklich ab».

Ukrainische Nachwuchs-Basketballer starben bei Angriff

Die Tat vom 10. Februar hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Die beiden 17 und 18 Jahre alten angehenden Profi-Basketballer aus der Ukraine waren am 10. Februar am Oberhausener Hauptbahnhof angegriffen und durch Messerstiche so schwer verletzt worden, dass sie starben. Vier Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren kamen wegen mutmaßlichen zweifachen Mordes in Untersuchungshaft. Einen rassistischen Hintergrund hatte die Tat laut Polizei nicht. 

Als Haupttäter gilt ein 15-jähriger Deutsch-Türke aus Gelsenkirchen. Er sei erst wenige Tage vor dem Angriff auf die beiden Ukrainer wegen einer anderen Straftat zu einem «Zuchtmittel» verurteilt worden, schrieb Limbach. Dieses Urteil sei zum Zweitpunkt der Tat in Oberhausen aber nicht rechtskräftig gewesen und habe deshalb noch nicht greifen können. Als Zuchtmittel sieht das Jugendstrafrecht etwa einen Jugendarrest vor.

Junge Tatverdächtige mit erheblicher krimineller Karriere

Schon zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass einige der Tatverdächtigen bereits «erheblich kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten» seien.  Es gebe Anhaltspunkte, dass die Gruppe «in der Art und Weise» nicht zum ersten Mal vorgegangen sei - etwa bei Körperverletzungen und Raubüberfällen. Den Angriff auf die beiden jungen Ukrainer sollen die Verdächtigen im Vorfeld abgesprochen und «arbeitsteilig begangen» haben.

Mit einer solchen Vorgeschichte wären die Jugendlichen typische Teilnehmer für das Programm «Kurve kriegen» gewesen. Dessen Erfolg ist wissenschaftlich bestätigt, auch im Ausland wurde der Ansatz aus NRW übernommen. Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche ab acht Jahren, die meist schon mehrmals kriminell geworden sind und zu Intensivtätern werden könnten. Pädagogische Fachkräfte und Kriminalbeamte gehen gemeinsam auf die Jugendlichen und ihre Eltern zu.

Die Opfer der Tat am Oberhausener Hauptbahnhof waren vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet und spielten in Düsseldorf bei den ART Giants in der U19-Bundesliga. Der Verein hatte mit großer öffentlicher Anteilnahme um die Mannschaftskameraden getrauert.


Bildnachweis: © Christoph Reichwein/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Geiselnahme in Berlin: Was wir wissen und was nicht
News aus der Welt

Ein Mann hält eine Frau in einem Supermarkt in Berlin fest. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg - bis die Polizei den Mann überwältigt. Was bislang bekannt ist und welche Fragen noch offen sind.

weiterlesen...
Mindestens 27 Tote bei Brandkatastrophe in Bangkok
News aus der Welt

Gegen Mitternacht bricht in einem Bierlokal in der Nähe eines beliebten Marktes ein verheerendes Feuer aus. Die Feuerwehr hat es bald unter Kontrolle - für viele aber zu spät.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Polizei sucht nach tödlichen Schüssen in Berlin nach Zeugen
News aus der Welt

Streit, Schüsse, ein Toter: Am Berliner Bahnhof Zoo ist ein 30-Jähriger in der Nacht erschossen worden. Die Mordkommission fahndet nach einer Tatperson. Noch sind viele Fragen offen.

weiterlesen...
Risiko E-Scooter? – Jugendtrend mit Folgen
News aus der Welt

Viele Jugendliche düsen gerne auf dem E-Scooter durch die Stadt. Zurzeit ist kein Gefährt angesagter. Doch die Unfallgefahr ist hoch.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Polizei sucht nach tödlichen Schüssen in Berlin nach Zeugen
News aus der Welt

Streit, Schüsse, ein Toter: Am Berliner Bahnhof Zoo ist ein 30-Jähriger in der Nacht erschossen worden. Die Mordkommission fahndet nach einer Tatperson. Noch sind viele Fragen offen.

weiterlesen...
Risiko E-Scooter? – Jugendtrend mit Folgen
News aus der Welt

Viele Jugendliche düsen gerne auf dem E-Scooter durch die Stadt. Zurzeit ist kein Gefährt angesagter. Doch die Unfallgefahr ist hoch.

weiterlesen...