29. September 2022 / Für die Karriere

Forum erörtert Entwicklung von Beschäftigungschancen

Arbeitsmarkt im Kreis Gütersloh

Krisen, Chancen, Wandel: Auch im wirtschaftsstarken Kreis Gütersloh stellen die aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt die Gesellschaft vor Herausforderungen. Insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit birgt zunehmende Schwierigkeiten für Arbeit und Leben. Zu einem Forum zu der Frage „Wie entwickeln wir Beschäftigungschancen im Kreis Gütersloh“ hat der gemeinnützige Träger Pro Arbeit zahlreiche Gäste sowie drei in der Region bekannte Referenten in seinem Haus der Ausbildung Am Sandberg 72 begrüßen können.

„Arbeit ist mehr als Geld verdienen!“, betonte Klaus Brandner, Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins, in seiner Begrüßung die Bedeutung der beruflichen und sozialen Teilhabe für die Menschen. Doch während die Beschäftigungsquote in unserer Region fast das Vollbeschäftigungskriterium erreicht hat, konnte die große Gruppe der Langzeitarbeitslosen nicht von den Entwicklungen des Arbeitsmarktes profitieren. „Mehr als 40 Prozent der im Kreis Gütersloh arbeitslos gemeldeten Menschen gehören zu diesem Personenkreis“, verdeutlichte Klaus Brandner – Tendenz steigend. Mit der Ablösung von Hartz IV durch das Bürgergeld im kommenden Jahr sei eine entscheidende Phase in der Arbeitspolitik eingeläutet worden: Höhere Regelsätze und die Belohnung von Weiterbildungen sind nur einige der geplanten Veränderungen. Um langzeitarbeitslosen Menschen mit der passenden Förderung ihren Weg (zurück) in den Beruf zu ebnen, seien jedoch auch gemeinsame Kraftanstrengungen von Stadt, Kreis, Land, Bund und Akteuren wie Pro Arbeit gefordert.

Neben zahlreichen Gästen und Vertretern aus Bildungseinrichtungen, Initiativen, Politik und Verwaltung nahmen zu den Herausforderungen und Perspektiven drei Referenten Stellung: Dr. Georg Robra, Erster Beigeordneter der Stadt Rheda-Wiedenbrück, Nikola Weber, Geschäftsführerin der pro Wirtschaft GT GmbH, sowie Björn Haller, Leiter der Abteilung Arbeit und Steuerung des Jobcenters Kreis Gütersloh, informierten in kurzen Impulsvorträgen und standen im Anschluss für eine angeregte Diskussion zur Verfügung.

„So viel (Aus-) Bildung wie möglich!“, formulierte Dr. Georg Robra einen entscheidenden Lösungsansatz. Selbst in der aktuellen „Vollbeschäftigung“ habe man in Rheda-Wiedenbrück im August 2022 1.217 arbeitslose Menschen verzeichnet: „Jedes einzelne Schicksal ist für uns bedeutsam!“ Als Stadt engagiere man sich etwa dafür, Raum zu schaffen, damit Beschäftigung stattfinden könne: zum Beispiel durch die Sicherstellung der Kinderbetreuung oder die Sprachförderung. Auch die Ermittlung von Anforderungen und Wünschen der Unternehmen, Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, die Möglichkeiten der Förderung durch den Europäischen Sozialfonds, die Integration von Menschen mit Fluchthintergrund oder Behinderungen, das betriebliche Eingliederungsmanagement und die Digitalisierung seien einige Beispiele für das städtische Engagement für mögliche Perspektiven.

Die besondere Bedeutung der beruflichen Integration von Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund sowie ausländischen Staatsangehörigen stellte auch Björn Haller heraus: „Unter den Menschen im SGB II-Bezug, die keinen Schul- beziehungsweise Berufsabschluss vorweisen können, machen diese Personengruppen einen erheblichen Anteil aus.“ Darüber hinaus gelte es, die Angestellten in den in unserer Region überdurchschnittlich stark vertretenen „Helfer-Jobs“ im Auge zu behalten: „Diese Berufe können in besonderem Maße durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung ‚wegrationalisiert‘ werden. Die Menschen, die heute in solchen Berufen arbeiten, müssen langfristig anderweitig in Arbeit gebracht werden.“

Nikola Weber thematisierte unter anderem die schwierige Lage, in der sich Unternehmen in der heutigen Zeit befinden: Wo immer teurer werdende Investitionen, Lieferengpässe, Energie- und Klimakrise, Arbeitskräftemangel, Corona und mehr das Tagesgeschäft bestimmten, sei das Hinterfragen und Anpassen bestehender Abläufe sowie Geschäftsmodelle unvermeidbar. Aus den aktuellen Krisen ergebe sich eine beiderseitige Verpflichtung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern: „Arbeitgeber stehen in der Pflicht, im Sinne der nachhaltigen Wirtschaftlichkeit ihre Strukturen zu optimieren. Die Arbeitnehmer müssen diesen Wandel jedoch ebenso aktiv und flexibel mitgehen und in die eigene Weiterbildung investieren: Die Menschen müssen sich auf Augenhöhe mit dem technologischen Fortschritt weiterentwickeln!“

Einig waren sich Referenten, Gastgeber und Gäste im Hinblick auf die Bedeutung von Angeboten der Bildung und Berufsorientierung vom Kindesalter an sowie eine bessere Herausstellung der Vorteile der dualen Ausbildung: Die berufliche Bildung müsse der akademischen Bildung gleichgestellt werden. Dass eine Berufsausbildung in Sachen Verdienst und Zukunftsperspektiven beispielsweise einem Bachelorabschluss häufig überlegen sei, sei allgemein noch zu wenig bekannt. 

Der Zugang zu erfolgreichen beruflichen Karrieren könne auf diese Weise frühzeitig erleichtert werden. Darüber hinaus seien intensive gemeinsame Anstrengungen notwendig, um langzeitarbeitslosen Menschen mit zielgerichteten Bildungs- und Qualifizierungsangeboten den Weg (zurück) in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Dazu braucht es Menschen, Unternehmen und Institutionen, die es anpacken!“, fasste Klaus Brandner als Pro Arbeit-Aufsichtsratsvorsitzender zusammen. „Erst dann bewegt sich etwas!“

Quelle & Bild: Pro Arbeit

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