Überschwemmte Verkehrswege, eingestürzte Häuser und Brücken, Schlammlawinen, reißende Wasserströme. In Südafrikas Küstenregion haben ungewöhnlich heftige Niederschläge Chaos, Verwüstung und Todesfälle verursacht. In einer vorläufigen Bilanz sprachen die Behörden am Abend von 45 Toten - das ist eine Zahl, die angesichts zahlreicher Vermisster noch steigen dürfte. Einen genauen Überblick über die Lage gab es bis zum Abend nicht. Die Kommunikation wurde durch den Ausfall hunderter Funkmasten erschwert, zudem waren viele Verkehrsverbindungen unterbrochen. Rund 100 Schulgebäude wurden laut der Regionalregierung beschädigt - in einem saßen Schüler und Lehrer bis zur Evakuierung stundenlang fest. In den sozialen Medien gab es Hilferufe von Menschen, die in ihren Häusern festsaßen. Zur Katastrophenhilfe wurde auch das Militär mobilisiert. «Wir waren alle überrascht von der Heftigkeit dieses Sturms», sagte am Dienstag der Bürgermeister der Ethikwini-Region rund um Hafenstadt Durban, Mxolisi Kaunda. «Es gibt sehr viele Schäden, die Fluten sind überall.» Die Stadt habe Gemeindezentren als Notunterkünfte für die Opfer geöffnet. «Hier herrscht ringsum das nackte Chaos», berichtet Chris Schädle, der deutsche Eigner vom «Siggi's» Restaurant in Salt Rock. Der kleine südafrikanische Küstenort liegt am Indischen Ozean, nicht weit von der mit Bremen partnerschaftlich verbundenen Hafenstadt Durban entfernt. Schädles Personal musste im Restaurant übernachten, da eine weggeschwemmte Brücke eine Verbindungsstraße blockierte. Rund 200 Millimeter Niederschläge ergossen sich innerhalb von 24 Stunden über der Region, berichtete André de Ruyter vom Stromkonzern Eskom am Dienstag. Das Wetteramt sprach sogar von bis zu 300 Millimetern an einigen Orten. Erschwert wurde die Situation durch Stromausfälle, Erdrutsche, aber auch eine veraltete Infrastruktur, die die enormen Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Die Stromausfälle, so de Ruyter, ließen sich erst beheben, wenn der Dauerregen stoppt. «Da die Überflutungen noch andauern, sind wir mit einer ersten Bestandsaufnahme der Schäden befasst.» Obwohl die noch weitgehend unklar sind, gingen Medien des Landes von mindestens 20 Toten aus. Befürchtet werden zudem Sachschäden in Millionenhöhe. In den sozialen Medien zeigten Anwohner Videos von reißenden Wasserströmen in Häusern und Siedlungen sowie Bilder feststeckender Lastwagen oder Personenwagen, die von den Wassermassen weggerissen wurden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, angesichts anhaltender Niederschläge in den Wohnungen zu bleiben, aber tiefer gelegene Regionen zu verlassen. Schon zu Jahresbeginn hatte es Überschwemmungen gegeben. «Aber so heftig wie jetzt - das gab es hier noch nicht», meinte Schädle. Das Land an der Südspitze Afrikas befindet sich aktuell im Griff einer Extremwetterlage, die in kürzester Zeit unverhältnismäßig viel Feuchtigkeit mit sich bringt. Weitere Niederschläge werden erwartet. Die Provinz KwaZulu-Natal befindet sich am Indischen Ozean und grenzt an Niedersachsens Partnerprovinz, die Ostkap-Provinz. Dort sind auch mehrere deutsche Automobil-Unternehmen und Zulieferfirmen angesiedelt. In den Küstenorten, in denen viele Südafrikaner, aber auch Ausländer Ferienwohnungen haben, schossen am Dienstag aus tiefer gelegenen Apartments rauschende Wasserfontänen über Balkone ins Freie. Die Küstenprovinz KwaZulu-Natal ist eines der wichtigsten Urlaubsziele im Land, die sich schon auf den traditionellen Osteransturm in- und ausländischer Touristen vorbereiteten. Dort leben auch sogenannte Springbock-Deutsche - deutschstämmige Südafrikaner, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts auch in der heutigen Provinz KwaZulu-Natal angesiedelt haben. Auf etwa 15 000 schätzt der Hamburger Schiffsmakler und deutsche Konsul Malte Kersten deren Zahl in Orten wie Braunschweig, Augsburg, New-Germany oder New-Hanover. Das landeinwärts gelegene Hermannsburg wurde einst von Missionaren aus dem gleichnamigen Ort in der Lüneburger Heide begründet, es ist heute Sitz einer Schule und eines Museums. Laut Kersten kommen zu den Springbock-Deutschen rund 5000 in der Provinz lebende Deutsche. Das Militär wurde mobilisiert
Veraltete Infrastruktur
Extremwetterlage hält an
Bildnachweis: © Str/AP/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Südafrikas Küstenprovinzen versinken im Wasser
Südafrikas Küstenregionen bereiteten sich auf den Osteransturm in- und ausländischer Touristen vor. Doch dann kam das Chaos. Ganze Regionen stehen nach heftigem Dauerregen unter Wasser.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 25. September 2026
Herbstkirmes 2026 in Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk und Krammarkt
Vom 2. bis 5. Oktober lockt die Herbstkirmes nach Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk, verkaufsoffener Sonntag und Krammarkt.
- 20. September 2026
Klingelbrink wird zur Partymeile: Soleil Society bringt Wiedenbrück zum Pulsieren
Summer Closing am Klingelbrink: volle Straße, mehr als 250.000 Videoaufrufe und eine Debatte über Innenstadtleben. Unser Rückblick mit Bildergalerie.
- 1. Oktober 2026
70 Jahre Uhrmeister: Jubiläumsabend am 9. Oktober in Wiedenbrück
Discokugeln am Klingelbrink: Unser Video zeigt den Aufbau für 70 Jahre Uhrmeister. Am 9. Oktober ab 17:00 Uhr wird in Wiedenbrück gefeiert.
Neueste Artikel
- 16. Oktober 2026
Fünf Tote bei Gewalttat an Grundschule in Oregon
An einer Grundschule im Westen der USA tötet mutmaßlich ein Teenager drei Kinder und eine Lehrkraft. Auch der Tatverdächtige selbst wird erschossen - noch bevor die Polizei eintrifft.
- 16. Oktober 2026
Gase aus defekten Akkus – drei Schulkinder im Krankenhaus
An einer Grundschule in Schwelm im Ruhrgebiet kommt es zu einem Gasalarm. Eine Lehrkraft und drei Kinder müssen ins Krankenhaus. Feuerwehrleute machen die Ursache in der Brandmeldeanlage aus.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 16. Oktober 2026
Fünf Tote bei Gewalttat an Grundschule in Oregon
An einer Grundschule im Westen der USA tötet mutmaßlich ein Teenager drei Kinder und eine Lehrkraft. Auch der Tatverdächtige selbst wird erschossen - noch bevor die Polizei eintrifft.
- 16. Oktober 2026
Gase aus defekten Akkus – drei Schulkinder im Krankenhaus
An einer Grundschule in Schwelm im Ruhrgebiet kommt es zu einem Gasalarm. Eine Lehrkraft und drei Kinder müssen ins Krankenhaus. Feuerwehrleute machen die Ursache in der Brandmeldeanlage aus.

