26. Oktober 2021 / News aus der Welt

Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Für Kinder unter zwölf Jahren ist in europäischen und vielen anderen Ländern bislang kein Corona-Impfstoff zugelassen. In den USA könnte sich das nun ändern. Und in Deutschland?

In den USA diskutiert ein Beratergremium der Arzneimittelbehörde FDA über eine mögliche Notfallzulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern.
Veröffentlicht am 26. Oktober 2021 um 15:40 Uhr von dpa

Corona-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren könnten in den USA Anfang November beginnen - in Deutschland müssen sich impfwillige Eltern voraussichtlich auf einen deutlich späteren Start einstellen.

Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, rechnet mit einer Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA frühestens Mitte November. «Wir werden dann auf die Stiko-Empfehlung warten.» Für Deutschland sei die Frage der Bewertung des Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige noch offen, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens.

In den USA sollte (zwischen 14.30 und 23.00 Uhr MESZ) ein Beratergremium der Arzneimittelbehörde FDA über eine mögliche Notfallzulassung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer bei Kindern diskutieren. Es geht um eine geringere Dosis als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Die endgültige FDA-Entscheidung könnte innerhalb von Stunden oder Tagen nach der Empfehlung der Berater folgen. Im Anschluss muss sich formell auch noch die Gesundheitsbehörde CDC damit befassen.

Eine klinische Studie zeigte nach Angaben von Biontech/Pfizer, dass der Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe «gut verträglich» sei und eine «starke Immunantwort» einen Monat nach der zweiten Dosis hervorrufe. An der Studie nahmen 2268 Kinder der Altersgruppe teil.

«Wir haben noch keine Datengrundlage für unsere Bewertung und Empfehlung», sagte Mertens. Erst einmal sei die Zulassung durch die EMA wichtig. «Die Stiko hat die Daten aus der Zulassungsstudie zur Sicherheit und Wirksamkeit noch nicht gesehen und bewertet.» Klar sei aber, dass eine solche Studie mit weniger als 3000 Probanden das Risiko seltener Nebenwirkungen nicht erfassen könne.

Für das Gremium stelle sich das gleiche Problem wie vor der Impfempfehlung für die 12- bis 17-Jährigen, sagte Mertens. «Kinder haben eine sehr geringe Krankheitslast durch Sars-CoV-2. Es gilt deshalb, erwartbare positive Effekte und denkbare unerwünschte Wirkungen durch die Impfung sehr genau gegeneinander abzuwägen.» Die Stiko werde wieder eine eigene Datenanalyse durchführen.

Die Ausgangslage in den USA ist für Mertens nicht mit der hiesigen vergleichbar. «Kinder dort erkranken offenbar deutlich häufiger schwer an Covid-19. Möglicherweise liegt das an dem dortigen Gesundheitssystem und dem höheren Anteil von Kindern mit Risikofaktoren wie zum Beispiel metabolischem Syndrom oder schlecht eingestelltem Diabetes.»

Kinderärzte-Sprecher Maske rechnet wie bei den 12- bis 17-Jährigen zunächst mit einer Stiko-Empfehlung für chronisch kranke Kinder und eventuell mit einer «Kann-Regelung», die auch Impfungen aller anderen Kinder ermöglicht. «Die Schwierigkeit ist, dass bisher Erfahrungswerte anderer Länder fehlen.» Bestimmte Vorerkrankungen gelten als Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Es gebe großen Druck von einem Teil der Eltern, die ihre Kinder möglichst bald impfen lassen wollen, berichtete Maske. Es gebe Ärzte, die gezielt Impfungen im sogenannten Off-Label-Use anbieten, also auch ohne Zulassung für die Altersgruppe. Dies sei nicht illegal, aber letztlich eine Frage der Sicherheit. Insgesamt geht Maske davon aus, dass die Anzahl der auf diesem Weg Geimpften sehr gering ist.

Es sei für den Erfolg der Impfkampagne bei Kindern zu hoffen, dass die Politik nicht erneut öffentlich Druck auf die Stiko ausübe, sagte Maske. «Bei den 12- bis 17-Jährigen hat das viel Verwirrung gestiftet und uns Kinderärzte viel Überzeugungsarbeit gekostet.»

Sars-CoV-2 wird in Deutschland derzeit insbesondere bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei 5- bis 14-Jährigen gab das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag mit 207,4 an, Tendenz steigend. Über alle Altersgruppen hinweg sprach das RKI von 113 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, vor einer Woche waren es 75,1.


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Leuchtender Himmel - Polarlichter über Deutschland zu sehen
News aus der Welt

Ein Sonnensturm sorgt für Polarlichter über Deutschland. Er ist so stark, dass das Lichtspektakel vom Norden bis zu den Alpen zu sehen ist.

weiterlesen...
Glatteis-Gefahr verlagert sich in den Osten Deutschlands
News aus der Welt

Was der Westen hinter sich hat, steht dem Osten noch bevor. Vor allem im Nordosten und Südosten kann es spiegelglatt werden. Brandenburg hat die Präsenzpflicht an Schulen für Dienstag aufgehoben.

weiterlesen...
Karneval 2026 in Ostwestfalen-Lippe: Umzüge, Sitzungen und Kinderkarneval
Veranstaltung

Die besten Locations und Parties um Karneval zu feiern

weiterlesen...

Neueste Artikel

Geständnis im Rulantica-Prozess: «Ich bereue es sehr»
News aus der Welt

Ein Mädchen verschwindet aus dem Freizeitbad Rulantica – Stunden später taucht es hilflos wieder auf. Aber auch nach dem Geständnis eines angeklagten Mannes ist unklar, was genau damals geschehen ist.

weiterlesen...
Bericht: Ohne Naturschutz riskieren Unternehmen ihre Zukunft
News aus der Welt

Unternehmen bedrohen die Natur - deren Probleme wiederum schlagen immer stärker auf die Wirtschaft zurück, warnt ein Bericht. Er nennt zentrale Maßnahmen für einen Weg zu beiderseitigem Nutzen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Geständnis im Rulantica-Prozess: «Ich bereue es sehr»
News aus der Welt

Ein Mädchen verschwindet aus dem Freizeitbad Rulantica – Stunden später taucht es hilflos wieder auf. Aber auch nach dem Geständnis eines angeklagten Mannes ist unklar, was genau damals geschehen ist.

weiterlesen...
Bericht: Ohne Naturschutz riskieren Unternehmen ihre Zukunft
News aus der Welt

Unternehmen bedrohen die Natur - deren Probleme wiederum schlagen immer stärker auf die Wirtschaft zurück, warnt ein Bericht. Er nennt zentrale Maßnahmen für einen Weg zu beiderseitigem Nutzen.

weiterlesen...