16. September 2022 / News aus der Welt

Klimawandel spielt Rolle bei Katastrophe in Pakistan

Pakistan hat verheerende Überschwemmungen erlebt. Was hat der Klimawandel damit zu tun? Deutschland habe eine moralische Verpflichtung zu helfen, sagt ein Experte.

Vom Monsunregen zu heftigen Überschwemmungen: Pakistan kämpft mit Wassermassen.
Veröffentlicht am 16. September 2022 um 04:04 Uhr von dpa

Die Klimaerwärmung dürfte nach einer Schnellanalyse von Expertinnen und Experten zu den verheerenden Regenfällen in Pakistan beigetragen haben.

Für die besonders betroffenen Provinzen Sindh und Baluchistan zeigten einige Modellrechnungen, dass die Regenmenge über einen besonders schlimmen Fünf-Tage-Zeitraum bis zu 50 Prozent höher war, als es ohne Klimawandel der Fall gewesen wäre. Das berichtete das Netzwerk World Weather Attribution (WWA-Netzwerk; etwa: Zuordnung Weltwetter) um die deutsche Klimawissenschaftlerin Friederike Otto vom Imperial College in London.

Monsunregen in Pakistan seit Juni

Seit Mitte Juni hat Pakistan ungewöhnlich starken Monsunregen erlebt. Ein Drittel des Landes steht unter Wasser, 33 Millionen Menschen sind betroffen, mehr als 1480 Menschen sind nach offiziellen Angaben umgekommen.

Isabel Bogorinsky von der Welthungerhilfe warnt, dass Pakistan noch lange mit den Folgen kämpfen wird. Das Wasser habe viele landwirtschaftlichen Flächen weggespült. Unter den Betroffenen herrsche oftmals Hoffnungslosigkeit. «Es fehlt an Zelten, es fehlt an Nahrungsmitteln, an sauberem Wasser und an sanitärer Versorgung.»

Das WWA-Netzwerk berechnet mit Computermodellen die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen vor der Industrialisierung und vergleicht sie mit heutigen Daten. Die Forscherinnen und Forscher gehen von einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,2 Grad aus, verglichen mit dem Durchschnittswert von 1850 bis 1900. Die Weltwetterorganisation WMO spricht von 1,3 Grad.

Regenfälle in der Region höchst unterschiedlich

Die Wahrscheinlichkeit, dass Überschwemmungen wie dieses Jahr jedes Jahr passieren, liege bei einem Prozent, heißt es in der Studie. Allerdings gebe es erhebliche Unsicherheiten. Weil die Regenfälle in der Region Pakistan von Jahr zu Jahr höchst unterschiedlich seien, sei es schwierig, den Einfluss des Klimawandels genau zu quantifizieren, berichtete das Netzwerk. «Wir können aber mit großer Sicherheit sagen: Die Chance, dass so etwas passiert, wäre ohne Klimawandel geringer gewesen», sagte Otto.

Bei Hitzewellen sei es deutlich einfacher, die Rolle des Klimawandels zu beurteilen als bei extremen Regenfällen. Bei der Hitzewelle, die Pakistan und Indien im März und April diesen Jahres erlebten, war das Netzwerk zu dem Schluss gekommen, dass solche Phänomene durch den Klimawandel rund 30 Mal wahrscheinlicher geworden seien.

Schlechtes Wassermanagement verschlimmert Überschwemmungen

Sozialwissenschaftlerin Ayesha Siddiqi von der Universität Cambridge sagte, schlechtes Wassermanagement, das noch aus Kolonialzeiten stamme, habe die Folgen der Überschwemmungen verschlimmert. Unter anderem hätten die Wassermassen nicht zügig abfließen können. Auch für den Klimawandel seien Vor allem Industrieländer verantwortlich. Bei der Unterstützung Pakistans solle statt von humanitärer Hilfe besser von Reparationszahlungen gesprochen werden. «Pakistan sollte absolut Reparationen verlangen», sagte sie.

Auch Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht westliche Länder in der Pflicht. Pakistan brauche Unterstützung, um sich an den Klimawandel anzupassen. «Allein aus moralischen Gründen trägt Deutschland schon jetzt Mitverantwortung für das, was in Pakistan geschieht, weil wir überdurchschnittlich zur globalen Erwärmung beigetragen haben», sagte Schewe.


Bildnachweis: © Ppi/PPI via ZUMA Press Wire/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Herbstkirmes 2026 in Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk und Krammarkt
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Vom 2. bis 5. Oktober lockt die Herbstkirmes nach Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk, verkaufsoffener Sonntag und Krammarkt.

weiterlesen...
Klingelbrink wird zur Partymeile: Soleil Society bringt Wiedenbrück zum Pulsieren
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Summer Closing am Klingelbrink: volle Straße, mehr als 250.000 Videoaufrufe und eine Debatte über Innenstadtleben. Unser Rückblick mit Bildergalerie.

weiterlesen...
70 Jahre Uhrmeister: Jubiläumsabend am 9. Oktober in Wiedenbrück
Veranstaltungstipp

Discokugeln am Klingelbrink: Unser Video zeigt den Aufbau für 70 Jahre Uhrmeister. Am 9. Oktober ab 17:00 Uhr wird in Wiedenbrück gefeiert.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zahl der Ebola-Fälle in Kenia steigt auf sieben
News aus der Welt

Anfang Oktober reiste ein mit Ebola infizierter Mann aus dem Ostkongo über Uganda nach Kenia. Jetzt haben sich bereits sechs Menschen bei ihm angesteckt.

weiterlesen...
Mehr als 158 Jahre Haft für Mord an drei Surfern in Mexiko
News aus der Welt

Die Surfer aus Australien und den USA waren im Urlaub an der mexikanischen Pazifikküste. Sie wurden von Kriminellen beim Zelten überrascht und getötet. Jetzt steht ein Urteil fest.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zahl der Ebola-Fälle in Kenia steigt auf sieben
News aus der Welt

Anfang Oktober reiste ein mit Ebola infizierter Mann aus dem Ostkongo über Uganda nach Kenia. Jetzt haben sich bereits sechs Menschen bei ihm angesteckt.

weiterlesen...
Mehr als 158 Jahre Haft für Mord an drei Surfern in Mexiko
News aus der Welt

Die Surfer aus Australien und den USA waren im Urlaub an der mexikanischen Pazifikküste. Sie wurden von Kriminellen beim Zelten überrascht und getötet. Jetzt steht ein Urteil fest.

weiterlesen...