Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Mit insgesamt 38.960 Fällen sei im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 0,8 Prozent verzeichnet worden, berichtete das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag. Dabei seien 84.831 Polizistinnen und Polizisten Opfer von gegen sie gerichteten Gewalttaten geworden - vom Flaschenwurf bis zum Mordversuch. Die Zahl der Opfer sei damit um 5,9 Prozent gestiegen, im Jahr 2019 hatte der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr 1,2 Prozent betragen. Als besorgniserregend wird nach BKA-Angaben der «sprunghafte Anstieg» von Polizisten gesehen, die Opfer von versuchten und vollendeten Tötungsdelikten wurden. Insgesamt seien bei 63 Mord- und Totschlagdelikten 114 Polizisten als Opfer gezählt worden. Bis auf einen Mordfall habe es sich allerdings um Versuche gehandelt. Eine deutliche Zunahme gab es auch bei Fällen von gefährlicher und schwerer Körperverletzung, die gegenüber 2019 um 20,6 Prozent zunahmen und auf 2749 Opfer von Körperverletzung stiegen. Die meisten als Gewalt beschriebenen Fälle gab es allerdings wie schon im Jahr zuvor im Zusammenhang mit Widerstand gegen Polizisten. Hier würden mehr als 44.000 Polizistinnen und Polizisten als Opfer gezählt. Nach der Definition müssen Beamte dabei allerdings nicht körperlich verletzt werden, wenn von Gewalt gegen Polizeibeamte die Rede ist. «Ausreichend ist, wenn aus allgemeiner Feindseligkeit gegen den Staat oder aus persönlichen Motiven gegen den Amtsträger oder aus anderen Beweggründen gehandelt wird», heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Lagebild. Auch wenn der prozentuale Anstieg der Gewalt im Vergleich zu 2019 nur gering war: Die Zahl der Gewalttaten gegen Polizisten stieg laut BKA seit 2012 um 20 Prozent und die Anzahl der als Opfer registrierten Beamten sogar um 42 Prozent. Diese Entwicklungen verdeutlichten eine zunehmende Gewaltbereitschaft gegen Einsatzkräfte und eine sinkende Wertschätzung, hieß es. Auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte seien bei Einsätzen Gewalt oder verbalen Angriffen ausgesetzt. Die Opfer von Gewalt gegen Polizisten sind überwiegend männlich (79,6 Prozent) und zwischen 25 und 35 Jahren alt. Auch die Tatverdächtigen seien meistens männlich (84,5 Prozent) und mehrheitlich Deutsche (69,8 Prozent), hieß es. Meist handelten sie alleine, drei Viertel der Tatverdächtigen seien polizeibekannt und etwas mehr als die Hälfte von ihnen (52,4 Prozent) war zur Tatzeit alkoholisiert. Häufig handelten die Verdächtigen den Angaben zufolge im Affekt. In elf Bundesländern wurden mehr Gewalttaten erfasst. Dabei hatte Thüringen mit einer Zunahme um 36,6 Prozent den höchsten prozentualen Anstieg zu verzeichnen. Rückläufige Fallzahlen gab es hingegen in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und dem Saarland. Und die Besonderheiten des Corona-Jahres 2020? Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 wurden laut BKA im Vergleich zu den beiden Vorjahren niedrigere Fallzahlen verzeichnet. Die Anzahl der als Opfer erfassten Polizisten ging ebenso wie die Fallzahlen im März deutlich zurück, lag aber im April und Mai leicht über dem Vorjahresniveau. Dagegen lag die Zahl der Fälle während des zweiten Lockdowns ab Anfang November deutlich über denen der Vorjahre. Allerdings können auf der Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik keine Aussagen zu einem Zusammenhang zwischen den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beziehungsweise Reaktionen der Bevölkerung und der Entwicklung der Fallzahlen getroffen werden, hieß es. Hierzu wären weitergehende Analysen nötig.
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Gewalt gegen Polizisten hat 2020 erneut zugenommen
Bei Demonstrationen, Fußballspielen oder Routineeinsätzen kommt es immer wieder zu Angriffen gegen Polizisten oder Widerstandshandlungen. Die Zahl der Vorfälle ist auch 2020 gestiegen.
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