Vier Hufe klappern über den Flur des Pflegeheims. Andrea Tigges-Angelidis klopft an eine Zimmertür, an dem Halfter führt sie ein braunes Shetland-Pony. «Hallo, wollen Sie Besuch? Die Ponys sind heute wieder im Haus», ruft sie laut. In einem der Zimmer liegt Dieter Fröbe in seinem Bett. Der alte Mann ist sichtlich bewegt beim Anblick des kleinen Pferds. «Ich bin ganz überrascht. Das ist ja toll», sagt er leise. «Das ist Paulinchen», erklärt Tigges-Angelidis. Das Tier macht einen kleinen Schritt nach vorne und geht in den direkten Kontakt mit dem 89-Jährigen. Vorsichtig streichelt er das weiche braune Fell. «Na mein Schatz», ruft Herr Fröbe. An diesem winterlichen Nachmittag hat Tigges-Angelidis zwei Ponys in ihrem Anhänger verladen und ist mit ihnen in das Pflegeheim im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen gefahren. Etwa einmal im Monat macht sie hier ihre Visite. Dann wechselt sie zwischen verschiedenen Stationen und zieht mit den Tieren von Zimmer zu Zimmer. «Diese Mini-Shetties schenken einfach Glücksgefühle, schöne Momente und positive Augenblicke», sagt die 56-Jährige, die hauptberuflich als Erzieherin arbeitet. «Ich habe teilweise Bewohner, die vor Glück weinen, wenn wir kommen.» Und auch Heim-Mitarbeiterin Sarah Rogage sagt: «Für viele ist der Besuch der Ponys immer wieder ein echtes Highlight.» Schließlich erlebten die Bewohnerinnen und Bewohner sonst immer den gleichen Tagesablauf. Klar, nicht alle hätten einen Draht zu den Pferden, «aber viele freuen sich, weil sie selbst früher Tiere gehabt haben und diese nicht mit ins Heim nehmen konnten». Auf der Bank vor den Aufzügen sitzt derweil Heimbewohnerin Christine Müller, vor ihr steht Toffee, das zweite Shetland-Pony. Die 77-Jährige lacht, schlingt ihre Arme um das genügsame Tier und vergräbt ihre weißen Haare tief in der Mähne. Frau Müller hat keinerlei Berührungsängste. Die Ostdeutsche lebt schon seit ein paar Jahren in dem Pflegeheim und erzählt von einem Pferdehof bei Gotha, auf dem sie früher aktiv war. «Auf die Frau Müller muss ich immer aufpassen, weil sie auch schon zwei Mal mit einem Pony in ihrem Zimmer verschwunden ist», sagt Tigges-Angelidis. «Nicht jedes Pony ist für solch eine Arbeit geeignet und die Ausbildung von einem Tier dauert mindestens ein Jahr», erklärt die Expertin. Mit ihren Therapietieren - neben den Mini-Shetties gehören dazu auch Eulen und Greifvögel - fährt sie auch in Kitas oder begleitet Schwerbehinderte. Worauf kommt es also an bei den Tieren? «Die Ponys müssen unheimlich freundlich und geduldig sein.» Und sie lernten, sich an Ungewöhnliches zu gewöhnen: enge Aufzüge oder klappernde Geschirrwägen zum Beispiel. Und auch an das ständige Anfassen und Umarmen müssten sie erst einmal herangeführt werden. Auch Hunde werden immer wieder für solche oder ähnliche Einsätze eingesetzt. Einen Schritt weiter geht etwa der Verein Tröstende Pfoten aus Flörsheim (Main-Taunus-Kreis). Er unterstützt und organisiert die Ausbildung von Therapiehunden in ganz Deutschland, die dann in Heimen oder bei Privatpersonen in der Palliativarbeit eingesetzt werden. Die Tiere hätten ein besonderes Gespür für Menschen und oftmals eine beruhigende Wirkung, sagte Palliativschwester Ivana Seger, die den Verein vor sechs Jahren gegründet hat. Und: «In den oftmals schwierigen und traurigen Situationen, wenn vielen Angehörigen die Worte fehlen, können die Hunde alleine durch ihre Anwesenheit Unglaubliches bewirken.»Ponys sind willkommene Abwechslung im Alltag
Tiere müssen ausgebildet werden
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Ein Pony bringt Glücksgefühle ins Pflegeheim
Der Alltag im Pflegeheim kann oftmals eintönig sein. Besuch bringt Abwechslung für die Bewohnerinnen und Bewohner - vor allem, wenn plötzlich ein Pony im Zimmer steht.
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