16. März 2022 / News aus der Welt

Forscher warnen: Genetische Vielfalt bei Rotwild sehr gering

Forscher machen sich Gedanken um Rothirsche in Deutschland: Die genetische Vielfalt im Bestand sei gering. Zumindest für einige Vorkommen gäbe es eine mögliche Lösung.

Forscher warnen vor einer geringen genetischen Vielfalt beim Rotwild in Deutschland.
Veröffentlicht am 16. März 2022 um 08:54 Uhr von dpa

Die genetische Vielfalt des Rotwilds in Deutschland ist einer Studie zufolge vielerorts sehr gering.

Viele der Tiere leben demnach isoliert in zu kleinen Gruppen. Bundesweit erreichen nur zwei der 34 untersuchten Vorkommen eine ausreichende Größe, die langfristig vor Inzucht schützt, wie Wissenschaftler der Universität Göttingen berichten.

Für die Tiere kann der geringe genetische Austausch gesundheitliche Folgen wie Fehlbildungen haben, sagte Mitautor Niko Balkenhol von der Abteilung Wildtierwissenschaften der Uni. Im schlimmsten Fall könne das zum Aussterben eines Vorkommens führen. Zudem verlören die Tiere bei einem zu kleinen Genpool an Potenzial dafür, sich an Veränderungen wie den Klimawandel anzupassen.

Von sehr isolierten Rotwild-Vorkommen in Schleswig-Holstein und Hessen seien beispielsweise bereits Unterkiefer-Verkürzungen bekannt, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) mit, der die Studie gefördert hat. Balkenhol zufolge ist dies ein Indiz dafür, dass das Problem bereits seit vielen Jahren besteht.

Der Rotwild-Bestand ist den Wissenschaftlern zufolge in Deutschland historisch stets vergleichsweise klein gewesen, er sei daher stärker von Isolierung und deren negativen Folgen betroffen als die Bestände vieler anderer Tierarten.

Inzucht in kleinen Populationen teils unausweichlich

Für die Studie waren 34 Rotwild-Vorkommen untersucht worden. Nur zwei Bestände kommen demnach auf eine als ausreichend groß eingestufte Population von 500 oder mehr Tieren. «Bei dieser Menge an Tieren ist langfristig die genetische Vielfalt sichergestellt», sagte Balkenhol. Bei den weiteren Beständen sind die Zahlen so gering, dass Inzucht zwischen den Tieren trotz eines Vermeidungstriebs teilweise unausweichlich ist.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass lediglich zwölf Vorkommen ausreichend mit anderen Vorkommen vernetzt sind. «Es ist nicht schlimm, wenn einzelne Vorkommen aus weniger als 500 Tieren bestehen. Auch durch Vernetzung kann die Population effektiv auf über 500 Tiere steigen», erklärte der Forscher. In Deutschland sind die Rotwild-Vorkommen jedoch laut der Studie vor allem im Süden und Westen nicht miteinander vernetzt - isoliert werden sie etwa durch Straßen und Siedlungen.

Der DJV fordert, das bereits bestehende Bundesförderprogramm Wiedervernetzung mit einem Budget von jährlich 50 Millionen Euro auszustatten, damit jährlich mindestens zehn Wildtierbrücken oder ähnliche Bauten errichten werden könnten. Davon profitierten auch andere Tierarten.


Bildnachweis: © Boris Roessler/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
News aus der Welt

Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?

weiterlesen...
Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen - Acht Tote
News aus der Welt

Wie konnte es zu dem Fährunglück mit mehreren Toten kommen? Auf Zypern wird der Kapitän des Schiffes festgenommen - viele Menschen werden noch vermisst.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Forscher: Wasserdefizit in Deutschland verschlimmert sich
News aus der Welt

In Deutschland nehmen die Wasserreserven immer weiter ab. Nun machen Forscher deutlich, dass nicht fehlender Regen, sondern die steigenden Temperaturen dafür maßgeblich sind.

weiterlesen...
Mehr als 1.000 Fälle von West-Nil-Virus in Europa
News aus der Welt

In Europa steigen die Infektionen mit dem West-Nil-Virus: Inzwischen sind 15 Länder betroffen – auch Deutschland gehört dazu.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Forscher: Wasserdefizit in Deutschland verschlimmert sich
News aus der Welt

In Deutschland nehmen die Wasserreserven immer weiter ab. Nun machen Forscher deutlich, dass nicht fehlender Regen, sondern die steigenden Temperaturen dafür maßgeblich sind.

weiterlesen...
Mehr als 1.000 Fälle von West-Nil-Virus in Europa
News aus der Welt

In Europa steigen die Infektionen mit dem West-Nil-Virus: Inzwischen sind 15 Länder betroffen – auch Deutschland gehört dazu.

weiterlesen...