23. Januar 2022 / Wusstest du das?

Iversheim – ein Dorf steht zusammen

Die letzte Dorfgaststätte soll gerettet werden

Anfang Januar waren Mitgleider des Alle unter einem Dach e. V. für einen Neujahrsbesuch in Iversheim. Sie erzählen von ihren Erfahrungen:

Pressemitteilung der Alle unter einem Dach e.V.:

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen Anfang Januar. Der Neujahrsbesuch der Besucher aus Rheda-Wiedenbrück in Iversheim startet mit einer Ortsbegehung. Die beiden Stadträte, Martin Finder und Wilfried Schumacher, und der Vorsitzende des Karnevalsvereins, Peter Kolvenbach, haben sich eigens dafür Zeit genommen. Bei dieser Begehung werden uns die Iversheimer wieder einmal mit ihrem Ideenreichtum und Gemeinschaftssinn überraschen. 

Wir starten unsere Runde am Dorfsaal und spazieren Richtung des Flüsschens Erft. Viel Aufbauarbeit ist geleistet worden in den Monaten seit der verheerenden Flutnacht, das kann man an jeder Ecke sehen. Die Schuttberge sind weitestgehend von den Straßen und Grundstücken verschwunden. Auch an und in den Häusern ist an vielen Stellen ein deutlicher Fortschritt erzielt. Aber Wilfried Schumacher sagt: »Nachts ist der Ort dunkel, denn es fehlen die Bewohner in vielen Häuser, da sie noch immer in anderen Unterkünften bleiben müssen, weil ihre eigenen vier Wände noch längst nicht wieder beziehbar sind. Dann kommt man sich manchmal vor wie in einer Geisterstadt.« 

Es folgt ein kurzer Stopp bei einem älteren Ehepaar, das auch an diesem Sonntag die Ärmel hochkrempelt und alles im Haus für die Estrichleger vorbereitet. »Endlich kommen sie morgen, wir haben solange darauf gewartet. Danach können wir dann nicht mehr bis in den Keller runterschauen.« 

An der Erft angekommen, sehen wir den leeren Platz, auf dem Häuser standen, die so stark zerstört worden waren, dass man sie nur noch als Ruinen bezeichnen konnte. Jetzt ist alles weggeräumt und auch Bodenbefestigungsarbeiten sind gemacht worden. Aber die Lücke hinterlässt einen schalen Geschmack beim Besucher und man kann nur ahnen, was bei den Iversheimern immer wieder hochgespült wird, wenn sie die Ortseinfahrt über die Erft passieren müssen. 

Wir drehen weiter unsere Runde, halten hier und dort, um einen Blick auf zu renovierende Häuser oder den völlig zerstörten Spielplatz zu werfen Dabei werden immer wieder ein paar Wort mit Anwohnern gewechselt, nicht beiläufig, sondern herzlich und anteilnehmend. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ist hier im Dorf fast eine Selbstverständlichkeit. Für unsere Gruppe fast ein Muss, denn alle kennen Stadtrat Wilfried Schumacher, der sich seit der Flutnacht, wie so einige seiner Mitstreiter, quasi 24/7/365 für das Dorf einsetzt. Ein freundliches »Hallo, wie geht’s?«, auch, wenn es nur im Vorübergehen ist, zeigt uns, dass hier Dorfgemeinschaft keine leere Floskel ist. 

Und dann kommen wir – fast am Ende der Ortsbegehung zum absoluten Herzensprojekt der Iversheimer. In der Flutnacht wurde die letzte Gaststätte in Iversheim, sehr stark beschädigt. Nun soll der Eifeler Hof nach Flut und Corona nicht mehr öffnen. Aber die Dorfgemeinschaft in Iversheim will das nicht akzeptieren und die durch die Flut noch gestärkte Solidarität für den Heimatort lässt das kreative Denken der Iversheimer zu ungeahnten Höhenflügen aufsteigen. Sie wollen die letzte Dorfgaststätte erhalten und wollen eine Genossenschaft zum Erhalt des Eifeler Hofs gründen. Die Idee dafür wurde tatsächlich beim Besuch von Alle unter einem Dach e.V. im September bei einem gemeinsamen Austauschtreffen ins Leben gerufen. 

Die Iversheimer haben sich dafür stark gemacht und mittlerweile eine tolle Webseite ins Leben gerufen, auf der man Anteile für die Bürgergenossenschaft Iversheim erwerben kann, die Mindesteinlage ist ein Anteil im Wert von 100 Euro. Bislang sind 1047 Anteile gezeichnet, was einem Wert von 104700 Euro entspricht. Benötigt werden allerdings 450.000 bis 500.000 Euro, um den Kauf und Ausbau des Eifeler Hofes zu finanzieren. 

Die kreativen Planer des Genossenschaftsprojekts haben für Januar zwei Termine angesetzt, an denen sie die Iversheimer über die Möglichkeiten, die so eine Genossenschaft bietet, im Detail informieren. Organisiert werden diese Termine wie ein Markt der Möglichkeiten, wo sich Interessierte an verschiedenen Ständen über die unterschiedlichen Facetten des Genossenschatsprojekts umfassend informieren können. 

»Eveschem – mer stonnfest zesammene« – besser kann man diesen Satz nicht mit Leben füllen. Für uns von Alle unter einem Dach e.V. ist dies ein Projekt, das wirklich das Kriterium Hilfe zur Selbsthilfe in vollem Umfang erfüllt und zeigt, dass sich Menschen auch durch eine so zerstörerische Flutnacht nicht in ihrer Tatkraft und Solidarität bremsen lassen. 
Unter https://eifelerhof-iversheim.de/ können Spendenwillige, Firmen wie Einzelpersonen, Mitglied werden und Anteile zusagen.

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