10. November 2025 / Partner News

Positive Veränderungen bei Selbst&wirksam Ergo Rheda-Wiedenbrück

Interview mit Christiane Gees

Veröffentlicht am 10. November 2025 um 14:08 Uhr von ER

Sie haben Ihre Praxis Selbst&wirksam Ergo kürzlich räumlich und personell erweitert – was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Da die Nachfrage nach einer ressourcen – und lösungsorientierte Ergotherapie wächst, wollte ich diesen Bedarfen gerecht werden. Außerdem möchte ich mehr Raum für Entwicklung schaffen – nicht nur für meine Klient:innen, sondern auch für mein Team. Und das in der gemütlichen, persönlichen Atmosphäre, die meine kleine Praxis ausmacht.

Welche neuen Möglichkeiten oder Angebote ergeben sich dadurch für Ihre Klientinnen und Klienten?

Durch die großartige Unterstützung zweier toller Ergotherapeutinnen können wir mehr Klienten begleiten. So ist Silvana Stracke mit ihrem vierbeinigen Kollegen Balu als Erweiterung für den psychisch-funktionellen Bereich da. Durch ihre empathische und herzliche Art ist sie eine wunderbare Wegbegleiterin für unsere Klienten. Ihr Steckenpferd gilt besonders der Stressbewältigung.

Ella Henrichfreise ist unsere Spezialistin für das neuropsychologisches Training und der Geriatrie. Sie ist sehr direkt und lebendig. Eine super Kombination, die sie als Möglichmacherin einzigartig macht. Sie vergrößert so die Vielfalt der Praxis. Mit den Beiden – bzw Dreien - wird selbst&wirksam Ergo lebendiger, herzlicher und fachlich noch breiter aufgestellt.

Ihr Ansatz „Stärke Dich und Deine Selbstwirksamkeit“ zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Konzept – was bedeutet Selbstwirksamkeit für Sie persönlich?

Selbstwirksamkeit ist für mich persönlich der Kern jeder Entwicklung und mein persönlicher Halt. Es ist die Überzeugung: Ich kann meine Ziele, Vorhaben erreichen, die nötigen Schritte organisieren und ausführen. Es geht besonders darum zu spüren „Ich kann Einfluss nehmen. Ich bin handlungsfähig. Ich kann gestalten.“ In meiner Arbeit sehe ich, wie sehr Menschen unter dem Gefühl leiden, ausgeliefert zu sein – den Umständen, der Erkrankung, der Vergangenheit. Ihr therapeutisches Ziel ist dann, zu erkennen, dass sie selbst diese Gestaltungskraft besitzen, um ihre Gedanken und evtl. auch ihr Leben zu verändern. Dabei übernehmen sie wieder Verantwortung – und zwar im Denken, Fühlen und Handeln.

In der Ergotherapie sehe ich hier als Wegbegleiterin in diesem Prozess, jemand, der in der kleinen Praxis Räume schafft, in denen sich Klienten selbst wieder spüren und ihre Kraft erkennen. Und wenn dann ein Klient erzählt und erkennt, was sie können und das auch aktiv in ihrem Alltag umsetzen, macht mich das sehr glücklich.

Sie bieten sowohl Einzel- als auch Gruppentherapie sowie Seminare an. Wie ergänzen sich diese Formate in Ihrer Arbeit?

Für mich persönlich greifen alle Bereiche zusammen – wie Zahnräder. In den Einzeltherapien geht es darum, unseren Klienten Raum für persönliche Arbeit zu schaffen. Hier ist dann der Ort, wo Veränderungen in einer vertrauensvollen und besonders empathischen Atmosphäre beginnen kann. Bei den Gruppentherapien – die noch in der Vorbereitung sind- geht es besonders um eine soziale Selbstwirksamkeit, aber auch um eine Möglichkeit, eine Zugehörigkeit zu erfahren. Hier gibt es die Möglichkeit, gemeinsam an verschiedene Themen rund um Stressbewältigung, Selbstbewusstsein und auch Selbstvertrauen zu arbeiten.

Die Seminare sind neben den anderen Beiden auch mein Herzensthema: Hier geht es um die Integration zwischen Selbsterfahrung und Wissensvermittlung. Themen sind besonders alles rund um Kommunikation, psychologische Facts und die Integration in den Alltag. Gerade schreibe ich an ein Ausbildungsformat für Ergo- und Physiotherapeuten für den Bereich des therapeutischen Coachings. Allerdings unterstütze ich auch Selbsthilfevereine mit Seminaren rund um die Themen Kommunikation und Handlungsstrategien. Alle drei Formate sind für mich wie ein Kreislauf: Erkennen – Erleben – Integrieren. Wenn das nicht die gelebte Selbstwirksamkeit ist.

In welchen Lebensbereichen erleben Sie besonders häufig, dass Menschen Unterstützung in ihrer Selbstständigkeit oder Alltagsbewältigung suchen?

In meiner Praxis kommen die Klienten oft mit dem Gefühl: „Ich krieg mein Leben eigentlich hin – aber gerade nicht.“ Und genau da setze ich an. Mir geht es nicht darum, jemandem zu erklären, wie „man“ den Alltag organisiert, sondern zu schauen: Wie lebst DU, was brauchst DU, was überfordert DICH – und was würde es leichter machen? Viele verlieren zuerst die Struktur: morgens nicht in die Gänge kommen, alles dauert zu lange, Termine rutschen weg, der Haushalt wächst ihnen über den Kopf. Das hat oft mit Erschöpfung, Depression, Ängsten zu tun. Wenn die Gedanken ständig drehen, ist Alltagsbewältigung Hochleistung.

Dann gibt es die persönlichen Dinge, über die viele ungern sprechen: einkaufen, kochen, regelmäßig essen, Körperpflege, Medikamente nehmen. Das sind intime Themen – deshalb ist mir die Atmosphäre so wichtig. Bei uns darf man sagen: „Ich schaffe es gerade nicht, zu duschen.“ Punkt. Dann schauen wir: Was geht heute? Was kannst du delegieren? Was braucht dein Nervensystem?

Der dritte Bereich: raus in die Welt. Kontakte halten, telefonieren, mit Ämtern sprechen, wieder arbeiten gehen oder Schule schaffen. In der Therapie üben wir das praktisch: Gespräche vorbereiten, Grenzen formulieren, Sicherheit aufbauen. Mein persönliches Steckenpferd: Kommunikation. Ganz viele Klienten kommen, weil sie wissen, was sie brauchen – es aber nicht sagen können. Kommunikation ist oft der Punkt, an dem der Alltag dann endgültig kippt: der Partner versteht es nicht, der Arbeitgeber drückt, die Kinder fordern, Eltern mischen sich ein – und die Person sitzt dazwischen und denkt: „Ich kann es Ihnen nicht recht machen.“

Deshalb arbeite ich viel mit Kommunikationstools, wie gewaltfreie Kommunikation, gesund Grenzen setzen und Bedürfnisse kommunizieren. Gerade bei psychischen Themen ist die Scham sehr groß - und genau das macht die Belastung noch höher. Bei allen Bereichen geht es darum: wieder das Gefühl zu bekommen, in ihre Selbstwirksamkeit zu kommen. Sich selbst regulieren können, statt sofort im Stress zu versinken. Sich nicht mehr nur als „Störung“ erleben, sondern als Mensch mit Fähigkeiten. Unsere Haltung ist: Du bist unser Gast, nicht Fall. Wir begleiten dich ein Stück weit – du entscheidest das Tempo und was du brauchst.

Gibt es bestimmte Themen oder Krankheitsbilder, auf die Sie sich in Ihrer Praxis besonders spezialisiert haben?

Wir arbeiten viel mit Klient:innen, die erschöpft sind oder in einer depressiven Verstimmung stecken. Sehr häufig kommen auch Angstthemen: soziale Ängste, Panik, Versagensangst, Angst vor Bewertung. Das sind oft sehr reflektierte Menschen, die genau wissen, dass die Angst überzieht, aber der Körper macht trotzdem zu – da geht es dann um Nervensystem, Selbstregulation und konkrete Alltagsschritte, nicht um kluge Ratschläge.

Ein weiterer Bereich ist ADHS bzw. neurodivergente Klient:innen - Jugendliche und Erwachsene, die ihren Alltag nicht in die Form der „Normwelt“ gepresst kriegen und deshalb glauben, sie seien falsch. Mit ihnen arbeiten wir sehr praktisch: Alltagsstruktur, Reizmanagement und Psychoedukation. Dazu kommen Überlastungsreaktionen – vor allem Frauen, Mütter, pflegende Angehörige oder Menschen in sozialen Berufen, die immer stark waren und jetzt merken: so geht es nicht mehr. Häufig steckt auch eine aktuelle Belastung dahinter, z.B. Krankheit in der Familie oder ein Kind mit chronischem Thema – hier erarbeiten wir eine gesunde und bedürfnisorientierte Alltagsstruktur. Oft stecken darunter Selbstwertthemen. Genau da setze ich da an, wie Selbstwirksamkeit wieder im Alltag integriert werden kann.

Und zu guter Letzt haben wir noch den Bereich, den viele vergessen: das neuropsychologische Hirnleistungstraining und Geriatrie. Wir arbeiten auch mit älteren Menschen, z.B. nach Schlaganfällen, bei nachlassender Merkfähigkeit und beginnender Demenz. Ein wichtiger Bereich wo es besonders um Orientierung, Sicherheit und Selbstständigkeit so lange wie möglich geht. Dabei sind die Angehörigen auch ein wichtiger Part, da sie mit betroffen sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Praxis – und worauf dürfen sich Ihre Klientinnen und Klienten freuen?

Ich persönlich wünsche mir für meine kleine Praxis, dass sie ein Ort der Begegnung wird. Mit regem Austausch und vielen schönen, inspirierenden Stunden. Ein Ort, wo die eine oder andere Geschichte geschrieben wird. Unsere Klienten dürfen sich auf eine Therapie auf Augenhöhe freuen, fachlich kompetent, mit Humor und Herz. Mehr – barrierefreien - Raum, mehr Kompetenz, mehr Wir-Gefühl – damit unsere Klient:innen spürbare Fortschritte erleben und wieder Zutrauen in ihre Selbstwirksamkeit gewinnt. Ein Raum, wo auch gelacht und sich ausgetauscht wird. Ein Ort der Begegnung. Und das mit meinen großartigen Kolleginnen, die herzlich, empathisch, fachlich kompetent und kongruent sind.

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