4. September 2026 / News aus der Welt

Zwei Arbeiter nach neun Tagen aus Tunnel in Nepal gerettet

Nach der Sturzflut im Himalaya sind zwei Männer lebend gefunden worden. Das weckt in Nepal die Hoffnung, es könnten weitere Vermisste aus den verwüsteten Wasserkraftanlagen gerettet werden.

Soldaten bringen einen aus einem Tunnel geretteten Mann in Sicherheit.
Veröffentlicht am 4. September 2026 um 15:19 Uhr von dpa

Neun Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya haben Rettungskräfte in Nepal zwei Menschen lebend aus einem verschütteten Tunnel eines Wasserkraftwerks geborgen. Die beiden Mitarbeiter des Betreibers der Anlage Upper Trishuli 3A seien zu einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Kathmandu geflogen worden, teilte ein Armeesprecher mit. Die Bergung der beiden Überlebenden verstärkte im Land die Hoffnung, weitere Menschen in den Tunnelsystemen der verwüsteten Wasserkraftanlagen finden zu können. Die Zahl der Todesopfer infolge der Katastrophe in Nepal und Tibet stieg derweil auf mehr als 1.300.

Einer der geretteten Männer leide unter einer «leichten Unterkühlung» und habe klar kommunizieren können, sagte ein Armeesprecher. Der Zustand des anderen sei zunächst unklar gewesen. Der eine sei 30 Jahre, der andere 45 Jahre alt. 

Videos nepalesischer Medien zeigten, wie einer der Überlebenden schlammbedeckt aus einem geöffneten Schacht gezogen wird. Er habe im Kontrollraum der Anlage gearbeitet, als die Flutwelle sich genähert habe, zitierte ein Vertreter der nepalesischen Armee einen der beiden Überlebenden, Sanjay Sah. Er habe Dutzende Kollegen vor einem «schweren Dammbruch» gewarnt und ihnen zugerufen, sich sofort in Sicherheit zu bringen. «Doch während ich versuchte, alle zu retten, lief mir die Zeit davon. Ich schaffte es selbst nicht mehr rechtzeitig heraus», wurde Sah zitiert.

«Wir sind hier, Euch zu retten»

Vor der Bergung hätten die Rettungskräfte der Armee und Polizei ihre Aktionen intensiviert, nachdem sie Stimmen gehört hätten, wurde der Abgeordnete Shri Ram Neupane von der Zeitung «The Kathmandu Post» zitiert. Das Rettungsteam habe gerufen: «Keine Panik, wir sind hier, Euch zu retten.» Aus dem Schacht sei ein «Okay» als Antwort gekommen. Neupane, ein Ingenieur, war laut dem Bericht seit der Sturzflut am Mittwoch vergangener Woche an den Suchaktionen im Katastrophengebiet beteiligt.

Nach aktuellen Angaben der Abteilung für Elektrizitätsentwicklung wurden elf in Betrieb oder im Bau befindliche Wasserkraftwerke sowie eine Solaranlage von den Wasser- und Geröllmassen erfasst. Hunderte von Beschäftigten werden noch vermisst. Viele von ihnen werden noch in den Stollen und Schächten der Anlagen vermutet. Spezialistenteams aus Indien, China und Südkorea beteiligten sich in Zusammenarbeit mit der nepalesischen Armee weiter an den Such- und Rettungsarbeiten, teilte das Außenministerium in Kathmandu mit. 

Bei den betroffenen Kraftanlagen handelt es sich um Laufwasserkraftwerke. Die Stollen dienen vor allem dem Transport von Wasser durch bergiges Terrain, um die Höhendifferenzen wirksamer zu nutzen. 

Zahl der Todesopfer steigt weiter an

Als Auslöser der Sturzflut am 26. August gilt ein Abbruch großer Mengen an Gletschereis und Felsgestein im Grenzgebiet des Himalaya zwischen Nepal und Tibet. Experten sprechen auch von einer Eis-Felsgestein-Lawine.

Die Zahl der Todesopfer in Nepal stieg nach aktuellen Angaben der dortigen Polizei bis zum Freitagmorgen (Ortszeit) auf 1.290. Es wurden demnach noch knapp 4.800 Menschen vermisst, einschließlich 601 Ausländer. In Tibet erhöhte sich die Zahl der Toten von 21 auf 31, wie chinesische Staatsmedien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Unklar war, ob es sich um Ausländer oder Chinesen handelt. Es werden noch 531 Menschen vermisst. 

Es wird in Nepal von Schäden in Milliardenhöhe ausgegangen. Die Schadensschätzung sei derzeit noch in Arbeit, sagte der Sprecher Prakash Pokhare von der Katastrophenschutzbehörde National Disaster Risk Reduction and Management Authority in Kathmandu. 

82 Tonnen Hilfsgüter aus EU-Beständen

Die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, teilte mit, Europa unterstütze die Menschen in Nepal. «Wir werden Nepal dabei helfen, diese Tragödie nicht nur zu überstehen, sondern auch wieder aufzubauen. Stärker und niemals allein», erklärte Lahbib.

Am Morgen landete nach Angaben der EU-Kommission ein zusammen mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef organisierter Luftbrückenflug in Nepal, mit 82 Tonnen lebenswichtigen Hilfsgütern aus EU-Beständen. Unabhängig davon senden demnach Deutschland, Luxemburg, Lettland und Norwegen unter anderem Schutzausrüstung, medizinische Hilfsgüter und Notstromausrüstung.


Bildnachweis: © Uncredited/Nepal Army/AP/dpa
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