30. September 2021 / News aus der Welt

Windrad bricht kurz vor der Einweihung zusammen

Einen Tag vor der offiziellen Einweihung ist im Ruhrgebiet ein großes Windrad zusammengebrochen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Nun beginnt die Ursachensuche.

Abgebrochen: Vom Windrad blieb nur ein etwa 40 Meter hoher Stumpf aus Betonteilen.
von dpa

Eines der bundesweit größten Windräder an Land ist in einem Wald im Ruhrgebiet aus noch ungeklärter Ursache eingestürzt. Laut Polizeiangaben vom Donnerstag gibt es keinen Hinweis auf eine Straftat. Verletzt wurde bei dem Zusammenbruch am Mittwochabend in einem Wald bei Haltern am See niemand.

Die rund fünf Millionen Euro teure Windkraftanlage hatte eine Nabenhöhe von 164 Metern, die Rotorblätter erreichten eine Höhe von bis zu 239 Metern. Das Windrad war zusammen mit einem baugleichen Rad in der Nähe erst Mitte März in Betrieb genommen worden. Hersteller ist die Hamburger Firma Nordex. Hinter der Betreibergesellschaft der beiden Windräder stehen der Bergbauflächen-Entwickler RAG Montan Immobilien (RAG MI) und die Stadtwerke Haltern.

Das Windrad wurde durch den Einsturz komplett zerstört, wie ein Sprecher der RAG MI mitteilte. Stehen blieb lediglich ein etwa 40 Meter hoher Stumpf aus Betonteilen. Die Einsturzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Die RAG geht davon aus, dass von den Trümmerteilen keine Gefahr für die Umwelt ausgeht.

Zwillingsanlage außer Betrieb gesetzt

Bis zum Zusammenbruch sei das Windrad einwandfrei gelaufen, so der Sprecher weiter. Die rund 450 Meter entfernte Zwillingsanlage sei sofort nach Bekanntwerden des Einsturzes aus Sicherheitsgründen außer Betrieb gesetzt worden. «Es wird nicht wieder in Betrieb genommen bis zur Klärung der Ursache der Havarie.» Das Windrad befand sich nach Angaben der Stadtwerke am Netz, als es einstürzte. Sehr windig war es laut Feuerwehr Haltern nicht.

Der Anlagen-Hersteller Nordex stoppte am Donnerstagmorgen aus Sicherheitsgründen den Betrieb von insgesamt 17 Anlagen sowie die Inbetriebnahme von zwei Anlagen der gleichen Konfiguration wie in Haltern. Nach Angaben von Nordex-Sprecher Felix Losada befinden sich diese Anlagen alle in Deutschland. Weitere drei Anlagen befänden sich noch in der Errichtung. In dieser Konfiguration würden mittlerweile keine Anlagen mehr gebaut. Der Einsturz sei die erste Havarie dieses Tubinenmodells, sagte Losada weiter. Weltweit seien davon insgesamt 1222 Anlagen verkauft worden.

Wegen der Corona-Pandemie hatte es bislang keine offizielle Einweihung des Windparks «Haltern AV9» gegeben. Sie sollte am Donnerstag (30.9.) gefeiert werden. Der aus den beiden Anlagen bestehende Park wurde in der Nähe des früheren Schachtes 9 des Steinkohlebergwerks Auguste Viktoria («AV») errichtet.

Laut RAG MI hatte ein Förster am Mittwoch gegen 18.30 Uhr Polizei und Feuerwehr verständigt. Ob er auch den Einsturz selber beobachtet hatte, wurde zunächst nicht bekannt. Später suchte ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera das Areal ab, um eventuell verletzte Personen ausfindig zu machen.

Suche nach der Ursache

Gutachter sollen jetzt die Einsturzursache ermitteln - sie werden am Freitag erwartet. Nach Angaben des RAG MI-Sprechers haben sowohl der Hersteller Nordex als auch die Betreibergesellschaft Gutachter beauftragt.

Im März hatte die RAG mitgeteilt, dass die beiden Anlagen zu den größten Windrädern an Land in Deutschland gehören. In den Bau wurden damals insgesamt 10,8 Millionen Euro investiert. Jede Anlage hat eine Nennleistung von 4,5 Megawatt. Sie sollten zusammen pro Jahr im Schnitt eine Strommenge erzeugen, die dem Verbrauch von rund 6600 Drei-Personen-Haushalten entspricht.

Wie oft Windräder komplett einstürzen, ist nicht bekannt, da keine offizielle Statistik geführt wird. Dem Bundesverband Windenergie sind sechs solcher Fälle seit 2005 bekannt, wie ein Sprecher sagte. Der Verband der TÜV-Organisationen hatte nach früheren Zwischenfällen mit Windrädern von der Bundesregierung gefordert, diese Anlagen in den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung aufzunehmen. Die Sicherheit von Windrädern werde derzeit zu selten geprüft.


Bildnachweis: © Guido Bludau/Foto Bludau/dpa
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