3. Januar 2025 / News aus der Welt

Unfallforscherin: «Verkehrstote gehen uns alle an»

Aggression, Übermut und schlechte Sicht: Tödliche Unfälle können viele Ursachen haben. Doch Sicherheit auf deutschen Straßen ist nicht nur Sache der Verkehrsteilnehmenden, sagt eine Expertin.

Deutschlands Straßen fordern zu viele Todesopfer. (Archivbild)
Veröffentlicht am 3. Januar 2025 um 05:45 Uhr von dpa

Unfallforscher rechnen nicht damit, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland in den nächsten Jahren deutlich sinkt. «Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt keine wirkliche Verbesserung», sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV). 

So wird die Zahl der Verkehrstoten in diesem Jahr nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes auf dem Vorjahresniveau bleiben. 2023 gab es 2.839 Todesopfer auf deutschen Straßen - das sind durchschnittlich acht Menschen pro Tag. 

Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 vor dem Hintergrund der «Vision Zero» die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent zu reduzieren. Doch davon sei man noch weit entfernt, sagt die Unfallforscherin.

Steigende Aggressionen im Straßenverkehr

Nach ihrer Einschätzung hängt es oft von den Verkehrsteilnehmern selbst ab, ob sie sicher ans Ziel kommen. «Das eigene Können wird überschätzt - Gefahren wiederum unterschätzt», sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. 

Auch das Aggressionspotenzial auf deutschen Straßen habe zugenommen. So zeige eine Befragung der Unfallforschung der Versicherer von 2023: «Jeder Zweite gibt an, seine Aggressionen im Straßenverkehr sofort wieder abzubauen» - etwa durch Regelverstöße, dichtes Auffahren oder riskantes Überholen, zitiert die Unfallforscherin.

Punkte statt Bußgelder für mehr Sicherheit

Die Bereitschaft, Regeln im Straßenverkehr zu brechen, wird demnach auch durch das Gefühl des «Nicht-Erwischt-Werdens» gestärkt. «Viele Verkehrsteilnehmende halten es für unwahrscheinlich, bei Verstößen erwischt zu werden», betont sie. 

Die Unfallforscherin fordert daher mehr Kontrollen und härtere, aber faire Strafen: «Punkte in Flensburg sind für viele Delikte ein besseres Strafmaß als Bußgelder.» Unabhängig von der Größe des Geldbeutels erhöhe sich so die Gefahr, den Führerschein zu verlieren, wenn man sich weiter nicht an Verkehrsregeln halte.

Doch die Verantwortung für mehr Sicherheit im Verkehr liegt nicht allein bei den Verkehrsteilnehmern. «Verkehrstote gehen uns alle an», sagt Zeidler und verweist etwa auf Städte- und Verkehrsplaner und Fahrzeughersteller.

Viele Landstraßen noch immer gefährlich

So seien Landstraßen ein besonders kritischer Bereich. «Hier passieren die meisten tödlichen Unfälle», erklärt Zeidler. Ob kurvige Straßen, Bäume am Straßenrand, zu schnelles Fahren oder gefährliche Überholmanöver: «Eine gut durchdachte Infrastruktur ist auf ländlichen Straßen das A und O.» 

Zwar seien bereits Maßnahmen wie Leitplanken und punktuelle Tempolimits eingeführt worden, aber längst nicht an allen kritischen Stellen, kritisiert sie. «Viele Landstraßen sind immer noch zu gefährlich.» 

Keine freie Sicht in Städten

Städte wiederum seien vor allem für jene «Unfall-Hotspots», die zu Fuß oder per Rad unterwegs sind. Der Grund: immer dichter werdender Verkehr und keine freie Sicht, sagt Zeidler. «Zugeparkte Kreuzungen und Zufahrten sind ein Problem.» Hier brauche es mehr Angebote, um sicher über die Straßen zu kommen, gut ausgebaute Radwege oder getrennte Ampelphasen. 

In der Fahrzeugtechnik habe sich viel für die Verkehrssicherheit getan, etwa durch die Einführung von Sicherheitsgurten, Airbags oder die seit jüngstem verpflichtenden Assistenzsysteme. Bis sich die Auswirkungen der Fahrassistenten vollständig zeigten, dauere es aber noch Jahre, sagt Zeidler. «Gerade im Privat-Pkw-Bestand werden viele ältere Fahrzeuge noch lange unterwegs sein.»


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
News aus der Welt

Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?

weiterlesen...
Auto rast durch Fußgängerzone - Minister spricht von Unfall
News aus der Welt

Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.

weiterlesen...

Neueste Artikel

König Harald an letzte Ruhestätte gebracht
News aus der Welt

Das Königreich Norwegen nimmt Abschied von seinem langjährigen Staatsoberhaupt. Seine letzte Ruhe findet der Monarch im selben Mausoleum wie seine Vorfahren.

weiterlesen...
Zug in Polen erfasst Laster und entgleist
News aus der Welt

Sechs entgleiste Waggons und viele Verletzte, darunter der Lkw-Fahrer und der Lokführer: Was bisher zum Zugunglück in Polen bekannt ist.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

König Harald an letzte Ruhestätte gebracht
News aus der Welt

Das Königreich Norwegen nimmt Abschied von seinem langjährigen Staatsoberhaupt. Seine letzte Ruhe findet der Monarch im selben Mausoleum wie seine Vorfahren.

weiterlesen...
Zug in Polen erfasst Laster und entgleist
News aus der Welt

Sechs entgleiste Waggons und viele Verletzte, darunter der Lkw-Fahrer und der Lokführer: Was bisher zum Zugunglück in Polen bekannt ist.

weiterlesen...