23. August 2026 / News aus der Welt

Trauer, Trauma, Stigma - Ebola-Waisen im Kongo

Mehr als 2.500 Menschen sind im Kongo beim aktuellen Ausbruch an Ebola gestorben - zurück bleiben in vielen Fällen verwaiste Kinder. Doch auch unter den Toten sind viele Kinder.

Kinder sind durch das gefährliche Ebola-Fieber besonders hart betroffen. (Archivbild)
Veröffentlicht am 23. August 2026 um 05:00 Uhr von dpa

Kinder leben gefährlich im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Unsicherheit und Gewalt, Flucht und Vertreibung, Zwangsrekrutierung durch bewaffnete Gruppen prägen ihren Alltag schon lange - nun leiden sie auch in besonderem Maß unter dem Ebola-Ausbruch im zweitgrößten afrikanischen Land. 

Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hat darauf verwiesen, dass der Anteil der Kinder beim tödlichen Verlauf der Krankheit besonders hoch ist - bei zwei Dritteln der infizierten Kinder unter einem Jahr führt Ebola zum Tod, bei den Ein- bis Vierjährigen beträgt die Letalität 58,5 Prozent. Insgesamt liegt sie in der Bevölkerung bei 47,5 Prozent.

Der Anteil der Kinder von 0 bis 17 Jahren unter den bestätigten Infektionen beträgt laut Unicef etwa ein Fünftel.

Mindestens 180 Vollwaisen durch Ebola 

Nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children sind seit der Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs vor gut 100 Tagen mindestens 180 Kinder zu Vollwaisen geworden. Zu Trauer und Trauma kommt in vielen Fällen auch Stigmatisierung. 

«Viele betroffene Kinder erfahren Ausgrenzung und Stigmatisierung, insbesondere dort, wo Ebola als reale Bedrohung wahrgenommen wird», sagt Katharina von Schroeder, die im Kongo für Save the Children arbeitet. «Wenn Kinder nach dem Tod ihrer Eltern von Verwandten wie Tanten, Onkeln oder Großeltern aufgenommen werden, kommt es teilweise vor, dass sie von anderen Kindern getrennt werden oder nicht gemeinsam mit anderen zusammen essen dürfen.» Das passiert selbst nach einer Isolationszeit.

Enorme emotionale und psychologische Belastung

Dabei erleben Kinder, die ihre Eltern durch Ebola verloren haben, ohnehin eine enorme emotionale und psychologische Belastung. «Sie verlieren die Menschen, die für ihre Versorgung, ihre Sicherheit und ihren Schutz verantwortlich waren», verdeutlicht von Schroeder. «Auch wenn viele Angehörige Mitgefühl zeigen und versuchen zu helfen, berichten Familien gleichzeitig, dass ihnen häufig die Mittel fehlen, um die Kinder angemessen zu versorgen», sagt sie. «Gleichzeitig erleben wir aber auch viel Solidarität innerhalb der Familien und Gemeinden.»

Hinzu kommt, dass Kinder, die engen Kontakt zu Infizierten hatten, während der 21-tägigen Inkubationszeit medizinisch beobachtet werden müssen, um eine mögliche Infektion auszuschließen. Diese Zeit ist für viele Kinder besonders belastend, da sie gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Angehörigen und der Unsicherheit über ihre eigene Gesundheit umgehen müssen, sagt von Schroeder.

Spezielle Betreuungszentren sollen Stabilität und Geborgenheit vermitteln

Save the Children richtet deshalb spezielle Beobachtungs- und Betreuungszentren ein, in denen auch Kinder, die aufgrund einer Isolation von ihren an Ebola erkrankten Eltern getrennt werden oder deren Eltern während dieser Zeit versterben, medizinische Betreuung, psychosoziale Unterstützung und Schutz in einer sicheren Umgebung erhalten. «Ziel ist es, die Kinder in dieser schwierigen Situation nicht nur gesundheitlich zu begleiten, sondern ihnen auch Stabilität, Geborgenheit und ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln», so von Schroeder.

Bei der Bekämpfung von Ebola ist die Verfolgung der Kontakte infizierter Patientinnen und Patienten besonders wichtig - doch in Gebieten, in denen Ebola geleugnet oder stark angezweifelt wird, ist dies besonders schwierig. «Auch wenn das Verständnis für die Krankheit durch Aufklärungsarbeit meist wächst, zögern viele Familien weiterhin, Verdachtsfälle zu melden. Sie haben Angst, dass Angehörige, insbesondere Kinder, von ihren Familien getrennt oder in Isolationszentren gebracht werden», sagt von Schroeder. Dabei gilt, gerade auch mit Blick auf die höhere Sterblichkeit bei Kindern: Eine frühe Erkennung mit anschließender Behandlung kann entscheidend dazu beitragen, Kinder besser zu schützen und ihre Überlebenschancen zu verbessern.


Bildnachweis: © Dieudonne Dirole/AP/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
News aus der Welt

Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?

weiterlesen...
Auto rast durch Fußgängerzone - Minister spricht von Unfall
News aus der Welt

Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Störung verursacht Chaos an Flughäfen in Großbritannien
News aus der Welt

Viele Maschinen müssen wegen einer Störung in Großbritannien vorerst am Boden bleiben. Die Auswirkungen sind auch in Deutschland zu spüren.

weiterlesen...
Amazon-Frachtjet-Unfall: Alle Todesopfer saßen in Fahrzeug
News aus der Welt

Ein Flugzeug des Onlinehändlers Amazon schießt in Miami über die Landebahn hinaus. Die Ermittler suchen nach der Unglücksursache, jetzt gibt Details zu den Todesopfern.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Störung verursacht Chaos an Flughäfen in Großbritannien
News aus der Welt

Viele Maschinen müssen wegen einer Störung in Großbritannien vorerst am Boden bleiben. Die Auswirkungen sind auch in Deutschland zu spüren.

weiterlesen...
Amazon-Frachtjet-Unfall: Alle Todesopfer saßen in Fahrzeug
News aus der Welt

Ein Flugzeug des Onlinehändlers Amazon schießt in Miami über die Landebahn hinaus. Die Ermittler suchen nach der Unglücksursache, jetzt gibt Details zu den Todesopfern.

weiterlesen...