In Spanien flogen wieder die Tomaten. Rund 22.000 Menschen nahmen in Buñol im Osten des Landes an der ebenso verrückten wie traditionsreichen Tomaten-Schlacht «La Tomatina» teil. Eine Stunde lang bewarfen sich die Teilnehmer gegenseitig mit den überreifen und matschigen Früchten. Als Munition wurden rund 120 Tonnen Tomaten benutzt, die nach Beteuerung der Organisatoren eigens für das Fest angebaut wurden und für den menschlichen Verzehr ungeeignet waren. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde handelt es sich um die größte Lebensmittelschlacht der Welt. An der 78. Ausgabe der ungewöhnlichen Party nahmen viele der rund 10.000 Bewohner von Buñol teil, vor allem aber Tausende Touristen, die eigens aus dem In- und Ausland in die Ortschaft der Region Valencia gereist waren. Der staatliche spanische TV-Sender RTVE berichtete von begeisterte Besuchern unter anderem aus China und Indien. Die Zeitung «El País» sah unter anderem «unzählige Engländer, Japaner und Australier.» Die «Krieger» waren teils mit Tauchermasken ausgestattet. Einige trugen aus Solidarität mit den leidenden Menschen im Gazastreifen Palästina-Fahnen. Schon kurz nach Beginn der «Schlacht» um 12.00 Uhr wurden der Hauptplatz und die Straßen Buñols rund 40 Kilometer westlich der Metropole Valencia von einer matschig-roten Brühe überzogen. Dieses Jahr wurde die «Tomatina» ausnahmsweise auch in «Tomaterapia» umgetauft. Zu Deutsch so etwas wie «Tomatherapie». Nach den verheerenden Unwettern Ende Oktober 2024 mit großen Sachschäden und 228 Todesopfern allein in Valencia sollte das Fest diesmal den Bürgern der Region dabei helfen, die Erlebnisse zu verarbeiten, die seelischen Wunden zu heilen und Kraft und Zuversicht zu tanken. «Tomaten gegen die Tristesse», titelte die regionale Digitalzeitung «Actualidad Valencia». «La Tomatina» findet seit 1945 immer am letzten Mittwoch im August statt. Im Laufe der letzten 20 Jahre wurde das Fest vor allem bei Ausländern so beliebt, dass die Teilnehmerzahl - die teilweise auf über 50.000 angestiegen war - 2013 erstmals auf 22.000 begrenzt wurde. Seit 2013 müssen zudem alle, die nicht in der Gemeinde gemeldet sind, Eintritt zahlen. Die billigste Karte kostet inzwischen 15 Euro. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Hollywoodstar Blake Lively machte für den Kinofilm «All I See Is You» 2015 beim Fest mit.Verrücktes Volksfest als Seelenmassagen nach Naturkatastrophe
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«Tomaten-Krieg» als Therapie für Tausende in Spanien
120 Tonnen Tomaten, Tauchermasken und auch Palästina-Fahnen: Im Osten Spaniens dient die größte Lebensmittel-Schlacht der Welt dieses Jahr auch als Seelenmassage nach einer Katastrophe.
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