Die klassische Geselligkeit verliert nach einer neuen repräsentativen Umfrage für viele Menschen in Deutschland an Bedeutung. Freunde zu treffen, sei zwar weiterhin die wichtigste soziale Freizeitaktivität, jedoch sei ihr Wert gesunken, erklärt die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen auf Grundlage ihres neuen «Freizeit-Monitors». Nur noch 19 Prozent der 3.000 im Juli befragten Menschen gaben an, sie seien regelmäßig mit Freunden unterwegs. Vor 40 Jahren, bei der Befragung für den ersten «Freitzeit-Monitor» der Stiftung, hatten noch 37 Prozent so geantwortet. «Die klassische Geselligkeit verliert damit an Reichweite, während soziale Kontakte stärker in individuell planbare und digitale Formen übergehen», sagt der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Der Alltag werde dominiert von der Nutzung des Internets, dem Fernsehen, Musikhören und dem Handy. Orts- und zeitunabhängig nutzbare Angebote verzeichneten besonders große Zuwächse. 2016 gaben 52 Prozent der Befragten an, wenigstens einmal pro Woche Musik zu hören, jetzt sagten dies 82 Prozent. Videospiele steigerten sich in der Beliebtheit von 9 auf 33 Prozent, Social Media von 48 auf 71 Prozent. Künstliche Intelligenz werde inzwischen von 42 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche genutzt, bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 62 Prozent. KI-Nutzung bedeute nicht bloße Informationsbeschaffung, sondern Lösung von Aufgaben. Für junge Leute sei sie Ratgeber, Quelle der Bestätigung und Freundeersatz, sagte der Professor. Die Frage wurde in diesem Jahr erstmals gestellt. Dennoch sei Freizeit mehr als bloße Medienzeit, erklärt er. Die knapp vier Stunden, die den Deutschen an einem Werktag zur freien Verfügung stünden, nutzten sie der Befragung zufolge auch, um ihren Gedanken nachzugehen, Gespräche über wichtige Dinge zu führen und Zeit mit dem Partner zu verbringen. Zum festen Wochenrhythmus gehöre auch das Faulenzen. Im Vergleich zu 2016 nahm das Nichtstun oder Chillen um 15 Prozentpunkte auf 62 Prozent zu. Die Deutschen liegen heutzutage allerdings nicht häufiger auf dem Sofa als vor 40 Jahren, ganz im Gegenteil. Der Sport hat deutlich an Bedeutung gewonnen. 1986 habe nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) ein Mal pro Woche Sport getrieben, heute seien mehr als die Hälfte der Bevölkerung (53 Prozent) sportlich aktiv, erklärt die Stiftung. Beliebter als noch vor zehn Jahren sind Besuche in Freizeit- oder Vergnügungsparks sowie in Museen und Kunstausstellungen. Auch Tierparks, Konzerte und Festivals haben an Attraktivität zugelegt. In der Umfrage gewinnen sie jeweils 13 bis 15 Prozentpunkte hinzu. Diskotheken büßen dagegen 11 Punkte an Anziehungskraft ein, Volksfeste 5 Punkte. Die Ausgehkultur habe sich verändert. «Gesucht werden vor allem Freizeitformen, die eine lockere, spontane und eher kurzfristige Nutzung ermöglichen, anstatt an feste Anlässe, längere Abende und gemeinschaftliche Geselligkeit gebunden zu sein», sagt Reinhardt. Gleichwohl haben die Vereinskultur und das Ehrenamt nicht an Beliebtheit verloren. In Sport-, Gesangs- und anderen Vereinen sind 18 Prozent der Befragten einmal pro Woche aktiv, genauso viele wie vor zehn Jahren. Ein Ehrenamt üben der Studie zufolge 12 Prozent regelmäßig aus. Vor zehn Jahren hatten 10 Prozent diese Angabe gemacht, vor 40 Jahren nur 6 Prozent.KI als Freundeersatz
Deutsche treiben mehr Sport
Vereinskultur hält sich
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Studie: Die klassische Geselligkeit verliert an Bedeutung
Ersetzen Social Media und KI wirkliche Freunde? Der neue «Freizeit-Monitor» der Stiftung für Zukunftsfragen legt das nahe. Eine traditionelle Form der Freizeitbeschäftigung besteht jedoch fort.
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