8. September 2021 / News aus der Welt

Spektakulärer Besuch: Walross ruht sich auf Baltrum aus

Ungewöhnlicher Besuch: Ein Walross wurde an der Küste von Baltrum gesichtet. Nun ist es wieder verschwunden. Forscher hoffen, dass es den sicheren Weg zurück zum Nordpol findet.

Ein Walross liegt auf der Nordsee-Insel Baltrum. Das überraschend aufgetauchte Tier hat die Insel offenbar schnell wieder verlassen.
Veröffentlicht am 8. September 2021 um 14:37 Uhr von Christina Sticht, dpa

Erstmals seit mehr als 20 Jahren ist im deutschen Wattenmeer wieder ein Walross aufgetaucht. Das braune, massige Tier mit Schnurrbart und Stoßzähnen ruhte sich stundenlang auf der Nordsee-Insel Baltrum aus. Es schlief auf einer Buhne - also einer Küstenschutzanlage - im Westen der Insel.

Vermutlich hatte es mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt, denn Walrosse leben eigentlich rund um den Nordpol. Im Vergleich zu den heimischen Seehunden und Kegelrobben sind sie deutlich größer und schwerer.

«Walrosse können weite Strecken zurücklegen und sind auch innerhalb des arktischen Lebensraumes recht mobil», sagt Ursula Siebert, Expertin für Meeressäuger an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho). Zuletzt war 1998 ein Walross in der südlichen Nordsee - nämlich auf Juist und auf Sylt - gesichtet worden. «Meist sind das abenteuerlustige jüngere Tiere, die auch eine Weile bleiben, wenn sie sich wohlfühlen», sagt die Wissenschaftlerin.

Heinz Ideus ist Dünen- und Vogelwart auf der kleinsten ostfriesischen Insel Baltrum. Bei der Stippvisite des Walrosses am Dienstag sorgte er dafür, dass sich niemand dem seltenen Gast näherte. Das Tier, das von weitem wie ein riesiger Kartoffelsack aussah, zog sofort Dutzende Schaulustige an.

Walross brauchte Ruhe

Die massige Walross-Dame hatte zwar Hautabschürfungen an den Vorderflossen, wirkte aber sonst gesund. Sie soll sich sogar einem Angler neugierig genähert haben. «Als ein Hund bellte, hat das Walross aufmerksam den Kopf gehoben», berichtet die Leiterin des Nationalparkhauses auf Baltrum, Karen Kammer. «Leider meinte dann auch noch ein Boot, es müsse sich nähern.» Das Tier habe aber seine Ruhe gebraucht.

«Um 12.30 Uhr hatten wir Hochwasser. So gegen 13.30 bis 14.00 Uhr ist das Walross wieder weggeschwommen», erzählt Dünenwart Ideus. «Es wäre wünschenswert, dass es den Weg nach Hause findet oder zumindest Kameraden.» Das sieht Inselbürgermeister Harm Olchers ähnlich: «Es war zwar ein Publikumsmagnet, aber es gehört nicht hierher.»

An der Atlantikküste macht seit einigen Monaten ebenfalls ein Walross Schlagzeilen. Das Männchen wurde unter anderem in Wales und Irland gesichtet und inzwischen Wally getauft. Es gibt sogar ein Video, in dem offenbar dieses Walross versucht, in ein Boot zu klettern. Das Weibchen von Baltrum soll vorher in Dänemark gesehen worden sein.

Klimawandel könnte Wanderungen erzwingen

Vereinzelte Arktis-Bewohner, die sich nach Süden verirren, gab es schon immer. Der Klimawandel könnte jedoch zu größeren, erzwungenen Wanderbewegungen führen. So dringen Eisbären in Russland und Kanada auf der Suche nach Nahrung vermehrt in Dörfer ein. Walrosse haben nicht mehr ausreichend Ruheplätze, liegen gedrängt auf Felsen und kommen bei durch Störungen verursachten Massenpaniken zu Tode. Auch die verstärkte Schifffahrt und Ölförderung in der Arktis ist laut der Organisation WWF ein Problem für die gefährdeten Tiere.

«Der Eisbär ist schon gut untersucht, aber es ist erstaunlich, wie wenig wir über das Walross wissen», sagt Tiho-Professorin Siebert. Deshalb sei an der Tiho Hannover unter anderem ein Projekt zur Erforschung der Meeressäuger in Kooperation mit Russland in Planung. Eisschollen sind eigentlich typische Ruheplätze für Walrosse, jedoch fehlen sie zunehmend aufgrund der Erwärmung der arktischen Gewässer. «Es ist ganz traurig, dass den Tieren quasi der Lebensraum unter dem Körper wegschmilzt.»


Bildnachweis: © Karen Kammer/Nationalpark-Haus Baltrum/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Herbstkirmes 2026 in Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk und Krammarkt
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Vom 2. bis 5. Oktober lockt die Herbstkirmes nach Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk, verkaufsoffener Sonntag und Krammarkt.

weiterlesen...
Klingelbrink wird zur Partymeile: Soleil Society bringt Wiedenbrück zum Pulsieren
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Summer Closing am Klingelbrink: volle Straße, mehr als 250.000 Videoaufrufe und eine Debatte über Innenstadtleben. Unser Rückblick mit Bildergalerie.

weiterlesen...
Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
News aus der Welt

Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
News aus der Welt

Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.

weiterlesen...
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
News aus der Welt

Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
News aus der Welt

Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.

weiterlesen...
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
News aus der Welt

Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.

weiterlesen...