16. Oktober 2024 / News aus der Welt

Schmeißfliege könnte Verbrechensaufklärung erschweren

Tote Tiere stecken voller Leben: Im Kadaver eines Wisents weisen Forscher ein Insekt nach, das nicht unbedingt zu erwarten war. Für forensische Insektenkundler eine neue Herausforderung.

Diese Schmeißfliege könnte die Verbrechensbekämpfung erschweren.
Veröffentlicht am 16. Oktober 2024 um 13:37 Uhr von dpa

Eine klimabedingt nun auch in Mitteleuropa vorkommende Schmeißfliege (Chrysomya albiceps) könnte die Verbrechensaufklärung erschweren. Sie fresse andere Maden auf Kadavern oder beeinflusse die Entwicklungszeit von Insektenlarven, erklärte Kadaver-Ökologe Christian von Hoermann von der Universität Würzburg. Ihre Anwesenheit erschwere Forensikern die Arbeit, da sie schwerer einschätzen könnten, wie lange ein Kadaver schon liege.

«Ihr aggressives larvales Fressverhalten könnte die postmortale Insektenuhr zurückdrehen, indem alle früheren Ankömmlinge beseitigt werden», erklärt von Hoermann. «Für Forensiker ist es wichtig zu wissen, wo diese Schmeißfliege vorkommt.» 

Insekten als Ermittlerhilfe

Insekten auf Leichen können eine wichtige Hilfe bei Mordermittlungen sein. Hunderte von Insektenarten bevölkern dann den toten Körper - und liefern Experten eine Vielzahl an Spuren. 

Besonders bedeutend sind dabei die Larven von bestimmten Fliegen und Käfern. Experten können anhand des Insektenbefalls feststellen, wie lange Leichen schon an einem bestimmten Ort gelegen haben - oder ob sie zuvor schon an einem anderen Ort mit anderen Merkmalen und dann auch anderen Insektenarten gewesen sind.

Viele Aasbesucher auf totem Wisent 

Von Hoermann hatte für ein Forschungsprojekt zusammen mit dem Tiergarten Nürnberg, dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem tschechischen Nationalpark Šumava Ende Juli einen toten Wisentbullen (Bison bonasus) im Šumava-Nationalpark ausgelegt - unweit zur Landesgrenze Bayerns. Nach Angaben des Tiergartens war dies die erste Auslegung eines Wisentkadavers unter gezielter wissenschaftlicher Beprobung und Beobachtung in Mitteleuropa.

Mehr als zwei Monate beobachteten die Wissenschaftler, wie das Tier zerfiel. Dabei sei erstmals die Schmeißfliege Chrysomya albiceps in dem Nationalpark entdeckt worden. Bisher waren Funde nur aus wärmeren Gebieten in Südeuropa, den orientalischen und tropischen Regionen bekannt.

Von Hoermann und seine Kollegen werteten für das Projekt Aufnahmen von Kamerafallen aus, sammelten Insekten mithilfe von im Boden vergrabenen Becherfallen und erfassten Pilze und Bakterien mit Mundschleimhautabstrichen. «Die große tote tierische Biomasse erlaubt eine sehr hohe Individuenzahl an Aasbesuchern, was sich wiederum positiv auf die 
erfasste Zahl der Arten und somit auf den Erhalt und die Förderung der 
Biodiversität auswirkt», erklärte der Forscher.

Wisentkadaver kam aus Nürnberg

Der Kadaver stammte aus dem Tiergarten Nürnberg. Wisentkadaver seien von hohem wissenschaftlichen Interesse, da die Art seit mindestens 200 Jahren in der Region ausgestorben und die Rolle ihrer Kadaver im Ökosystem daher nicht bekannt sei, hieß es. Außerdem wiesen sie die höchste Biomasse aller Landsäugetiere in Europa auf.

«Eine spannende Begebenheit aus dem Šumava-Nationalpark mit hoher Relevanz nicht nur für die ganzheitliche Erfassung der Biodiversität, sondern auch für die Aufklärung von Verbrechen», sagte von Hoermann.


Bildnachweis: © Krzysztof Szpila/Universität Toruń/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
News aus der Welt

Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?

weiterlesen...
Großbrand in Sprendlingen gelöscht - Evakuierung aufgehoben
News aus der Welt

Stundenlang ist die Feuerwehr in Rheinhessen mit einem Großaufgebot im Einsatz und kann Schlimmeres verhindern: Bewohner dürfen zurück, die Bahnstrecke ist wieder frei.

weiterlesen...

Neueste Artikel

LeseSnacks im Kloster Wiedenbrück: Fallobst im Fokus
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Am 17.09.2026 ab 19:30 Uhr präsentieren die LeseSnacks Geschichten über Fallobst im Kloster Wiedenbrück.

weiterlesen...
Mutter wollte Söhne anzünden - Entlassung aus Klinik
News aus der Welt

Spiritus, Feuerzeuge und plötzlich Panik im Supermarkt: Eine Mutter hat versucht, ihre beiden Söhne zu ermorden. Daran hat das Gericht keine Zweifel - und entscheidet doch zugunsten der Angeklagten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mutter wollte Söhne anzünden - Entlassung aus Klinik
News aus der Welt

Spiritus, Feuerzeuge und plötzlich Panik im Supermarkt: Eine Mutter hat versucht, ihre beiden Söhne zu ermorden. Daran hat das Gericht keine Zweifel - und entscheidet doch zugunsten der Angeklagten.

weiterlesen...
Meta sperrt in Australien mehr als 750.000 Jugend-Accounts
News aus der Welt

Seit Dezember dürfen unter 16-Jährige in Australien keine Konten bei vielen sozialen Netzwerken mehr haben. Meta zieht nun Bilanz: 750.000 Konten wurden gesperrt – doch die Umsetzung bleibt schwierig.

weiterlesen...