25. März 2022 / News aus der Welt

So groß wie Rom: Eisberg in östlicher Antarktis abgebrochen

Der Osten der Antarktis gilt eigentlich als trocken, windig und stabil. Nun hat sich dort ein Eisberg gelöst, der einst etwa so groß war wie die Stadt Rom. Das überrascht selbst Experten.

Satellitenbild des Eisbergs C-38 (M). Im Osten der Antarktis ist der rund 1200 Quadratkilometer Koloss vom Festland abgebrochen.
Veröffentlicht am 25. März 2022 um 16:45 Uhr von dpa

Im Osten der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen. Der rund 1200 Quadratkilometer - etwa der Größe der Stadt Rom entsprechende - Koloss soll Mitte März seine Verbindung zum Festland verloren haben, wie der «Guardian» unter Berufung auf Polarforscher berichtete.

Zuvor hatte bereits das Nationale Eiszentrum der USA bestätigt, der bisher als Conger-Eisschelf bekannte Eisberg habe sich abgelöst. Als Eisschelf oder Schelfeis werden große Eisplatten bezeichnet, die auf dem Meer schwimmen, aber mit dem Festland verbunden sind.

Bedeutsamster Abbruch seit Langem

Die Nasa-Expertin Catherine Colello Walker beschrieb das Ereignis im «Guardian» als «einen der bedeutsamsten Abbrüche in der Antarktis seit den frühen 2000er Jahren». Zwar rechnet die Forscherin nicht mit größeren Auswirkungen, warnte jedoch: «Es ist ein Anzeichen für das, was kommen mag.»

Das Conger-Eisschelf sei bereits seit Mitte des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende geschrumpft, aber nur sehr allmählich - erst Anfang 2020 habe sich das Tempo deutlich erhöht, sagte Walker. Am 4. März dieses Jahres sei die Oberfläche des Eisbergs dann nur noch halb so groß gewesen wie noch im Januar. Satellitendaten zufolge soll der Koloss kurz danach angefangen haben, sich in Bewegung zu setzen.

Kein Anstieg des Meeresspiegel befürchtet

Der Experte Matt King, der in Australien ein antarktisches Forschungszentrum leitet, geht nicht davon aus, dass der Abbruch des Eisschelfs zu einem starken Anstieg des Meeresspiegels führen wird, da der Gletscher dahinter klein sei. Aber: «Wir werden angesichts der Erderwärmung mehr Schelfeis abbrechen sehen», sagte King dem «Guardian». «Wir werden riesige Eisberge, viel größer als diesen, abbrechen sehen, die bislang große Eismassen zurückhalten - genug, um den weltweiten Meeresspiegel deutlich ansteigen zu lassen.»

Im Osten der Antarktis ist nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) zur Zeit eine «außergewöhnliche und beispiellose Hitze» zu beobachten. Am 18. März seien an der Forschungsstation Concordia minus 12,2 Grad gemessen worden, hieß es in dieser Woche. Das sei 40 Grad wärmer als für diese Region im Schnitt um diese Jahreszeit üblich, und 20 Grad mehr als der vorherige Rekord im März.

Die ganze Region gilt eigentlich als trockenste, windigste und kälteste Region der Welt. Grund für die beispiellosen Temperaturen sei ein «atmosphärischer Fluss», erklärten Meteorologen. Als atmosphärischer Fluss wird ein Band mit feuchtigkeitsgesättigter Luft ein paar Kilometer über der Erdoberfläche bezeichnet, der Wärme und Feuchtigkeit transportiert. Es sei nun weitere Forschung notwendig, betonten viele Experten - auch um einen möglichen Zusammenhang mit dem Abbruch des Eises zu klären.


Bildnachweis: © Copernicus Sentinel data 2022/dpa
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