18. März 2022 / News aus der Welt

Puma im Kleinwagen - Schmuggel von Tieren durch Deutschland

Oft sind es Hundewelpen, doch die Liste der Tiere, die Fahnder aus den Kofferräumen von Schmugglern holen, liest sich wie ein Lexikon der Exoten. In Bayern war diese Woche sogar ein Puma darunter.

Ein Puma liegt im Exotenhaus der Auffangstation für Reptilien München e.V. in einem Gehege. Den ausgewachsenen Puma hat die Polizei bei der Kontrolle eines Autos in der Oberpfalz entdeckt.
Veröffentlicht am 18. März 2022 um 14:23 Uhr von Elke Richter, dpa

Stundenlang rast der Puma hin und her, ein paar Schritte rechts, ein paar Schritte links. Kurz zuvor hatten bayerische Polizisten das Tier in der Nähe der tschechischen Grenze im Kofferraum eines mutmaßlichen Schmugglers entdeckt.

Abgemagert und so voller Stresshormone, dass die Tierpfleger in der Münchner Reptilienauffangstation die Fenster mit Tüchern verhängen, um die Raubkatze abzuschirmen. Der Penelope getaufte Beutegreifer wirft ein Schlaglicht auf den illegalen Handel mit Tieren, die auf dem Weg von den Züchtern zu den Abnehmern oft durch Deutschland transportiert werden.

Rückblende: Am Dienstag überprüfen Polizisten in Neunburg vorm Wald in der Oberpfalz einen Kleinwagen. Im Inneren des Zweitürers nimmt eine Kiste aus Pressspan so viel Platz ein, dass sogar der Beifahrersitz nach vorne umgelegt war. Im Inneren der Kiste: ein ungezähmter Puma.

Widersprüchliche Angaben

Der 30 Jahre alte Fahrer aus Baden-Württemberg macht widersprüchliche Angaben, die Beamten stellen das Tier vorsichtshalber sicher. Für die Beteiligten liegt zumindest der Verdacht nahe, dass es sich um einen weiteren Fall von illegalem Tierschmuggel handeln könnte.

«Achse des Bösen» nennen Fachleute die Route aus Osteuropa über Bayern bis in die Beneluxländer. «Wir sprechen hier von absolut kriminellen Strukturen», betont Andreas Brucker, Experte des bayerischen Landesverbands des Deutschen Tierschutzbundes für derartige Beschlagnahmungen.

Er erinnert sich noch gut an einen aufgeflogenen Transport, in dem 320 Tiere zusammengepfercht waren. Von Weißwedelhirschen über russische Kampfgänse bis hin zu einem vier Wochen alten Lisztaffenbaby - einer Art, die vom Aussterben bedroht ist.

«In Tschechien kann man Tiere aller Couleur kaufen, von der Ameise bis zum Zebra, das ist ganz legal, auch wenn die Zuchtbedingungen fragwürdig sind», schildert Brucker. In den Beneluxstaaten hingegen sei der Handel mit Tieren stark eingeschränkt. «In Belgien etwa gibt es eine Positivliste mit erlaubten Tieren. Das weckt die Begierden von Leuten, die was anderes haben wollen als das, was auf der Liste steht. Entsprechend hoch sind die Preise, denn was illegal ist, ist teuer.»

Es lockt das Geld

Und wo Geld zu verdienen ist, sind Kriminelle nicht weit. Wie groß die Gewinnspannen sind, lässt sich an diesem Beispiel erahnen: Ein Hundewelpe hat im vergangenen Jahr laut Brucker in Osteuropa zwischen 50 und 80 Euro gekostet. Verkauft wurde er in Westeuropa für bis zu 4000 Euro - natürlich am Staat und seinen Finanzämtern vorbei.

«Das ist wie ein schwarzes Loch, wo Tausende Tiere von Osteuropa in die Beneluxländer gepumpt werden, und das unter unhaltbaren Zuständen immer durch Deutschland hindurch», sagt auch Markus Baur. Er ist Leiter der Auffangstation für Reptilien in München, in der der Puma aus dem Kofferraum eine vorübergehende Heimat gefunden hat.

Zwar gibt es in Deutschland durchaus Vorschriften zu Zucht, Handel und Transport von Tieren, doch oft fallen die Lieferungen gar nicht erst auf. Und wenn jemand auffliegt, sind die Strafen vergleichsweise mild: Es handelt sich laut Brucker fast immer nur um Ordnungswidrigkeiten, nur sehr selten ließen sich Straftaten nachweisen.

Wohin mit den Tieren?

Viele sichergestellte Tiere werden auch gar nicht erst wieder abgeholt. Das könnte nun auch dem Puma passieren. Das Problem: Wohin dann mit dem Weibchen? «Wir können ihr nicht das bieten, was sie für ein dauerhaftes Leben bräuchte», betont Baur. Außerdem blockiert Penelope gleich mehrere Räume und zwei Freigehege.

Das Team hat sich deshalb vorsorglich schon auf die Suche gemacht. Ein Zoo käme zwar grundsätzlich in Frage, allerdings: «Wir haben den Eindruck, dass sie schon die eine oder andere Verhaltensauffälligkeit hat, was für Zoos natürlich ein Problem ist», schildert Baur. So sei Penelope nach ihrer Ankunft «auf eineinhalb Meter Wandlänge wie angestochen hin- und hergerannt, und das über Stunden». Sie müsse sich nun erst einmal beruhigen. Doch Baur ist zuversichtlich: «Wir haben sehr gute Karten, dass eine andere Tierschutzeinrichtung, die solchen Tieren das Gnadenbrot gibt, die Katze übernehmen könnte.»


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App? 

Meistgelesene Artikel

Herbstkirmes 2026 in Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk und Krammarkt
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Vom 2. bis 5. Oktober lockt die Herbstkirmes nach Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk, verkaufsoffener Sonntag und Krammarkt.

weiterlesen...
Klingelbrink wird zur Partymeile: Soleil Society bringt Wiedenbrück zum Pulsieren
Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Summer Closing am Klingelbrink: volle Straße, mehr als 250.000 Videoaufrufe und eine Debatte über Innenstadtleben. Unser Rückblick mit Bildergalerie.

weiterlesen...
70 Jahre Uhrmeister: Jubiläumsabend am 9. Oktober in Wiedenbrück
Veranstaltungstipp

Discokugeln am Klingelbrink: Unser Video zeigt den Aufbau für 70 Jahre Uhrmeister. Am 9. Oktober ab 17:00 Uhr wird in Wiedenbrück gefeiert.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Linienbus brennt - Schüler retten sich vor den Flammen
News aus der Welt

In einem Bus in Oberfranken bricht ein Feuer aus. Mehr als 30 Schüler können sich vor den Flammen retten. Die Polizei spricht von einem «Vollbrand».

weiterlesen...
Fünf Tote bei Gewalttat an Grundschule in Oregon
News aus der Welt

An einer Grundschule im Westen der USA tötet mutmaßlich ein Teenager drei Kinder und eine Lehrkraft. Auch der Tatverdächtige selbst wird erschossen – noch bevor die Polizei eintrifft.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Linienbus brennt - Schüler retten sich vor den Flammen
News aus der Welt

In einem Bus in Oberfranken bricht ein Feuer aus. Mehr als 30 Schüler können sich vor den Flammen retten. Die Polizei spricht von einem «Vollbrand».

weiterlesen...
Fünf Tote bei Gewalttat an Grundschule in Oregon
News aus der Welt

An einer Grundschule im Westen der USA tötet mutmaßlich ein Teenager drei Kinder und eine Lehrkraft. Auch der Tatverdächtige selbst wird erschossen – noch bevor die Polizei eintrifft.

weiterlesen...