Seit mehr als drei Wochen sind die Bewohner der Kanareninsel La Palma dem unberechenbaren Vulkan in der Cumbre Vieja weitgehend ohnmächtig ausgesetzt. Während die Insel immer wieder von leichten bis mittleren Erdbeben erschüttert wird, schob sich die bis zu 1200 Grad heiße Lava auch am Mittwoch Meter für Meter unaufhaltsam durch das Tal von Aridane Richtung Atlantik. Ein Ende des Ausbruchs ist laut Experten nicht in Sicht. Das Fauchen des Vulkans, das immer wieder vom Donner explosionsartiger Entladungen übertönt wird, und Ascheregen begleitet die Menschen auf Schritt und Tritt, zerrt an ihren Nerven. Aber sie geben nicht klein bei. Rund 800 weitere Menschen, die am Vortag wegen der nahenden Lava zur Evakuierung aufgerufen worden waren, konnten den Großteil ihrer Habseligkeiten in Sicherheit bringen, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Bewohner in großer Hast ihre Häuser ausräumten, wichtige Papiere, Erinnerungsstücke, Möbel, Geschirr, Waschmaschinen, Fernseher, Matratzen, Decken, Bettwäsche, Mopeds, Fahrräder, Spielzeug, Kleidung, einfach alles von Wert wurde auf Lastwagen verladen. Einige schraubten sogar die Wasserhähne ab, berichtete die Zeitung «La Vanguardia». Die Menschen würden wie Diebe ihres eigenen Hausrats wirken, wenn sie wieder und wieder Schränke durchwühlten, um auch ja nichts zu vergessen, schrieb «El País». Das Wertvollste aber, die Häuser selbst, ihr Zuhause, mussten die Menschen zurücklassen. Durch offene Türen war ein Durcheinander von Einrichtungsgegenständen zu sehen, die in der Eile nicht mehr mitgenommen werden konnten. Danach blieb den Menschen nur noch, auf das Wunder zu hoffen, dass die Lava ihr Haus verschonen möge. Unterdessen reiste Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez am Mittwoch erneut auf die Insel. Bei seinem schon vierten Besuch seit Beginn des Ausbruchs betonte er, die Regierung habe bereits 10 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt und weitere 214 Millionen seien etwa für den Ankauf von Wohnungen und die Reparatur von Infrastruktur vorgesehen. «Aber ich bitte auch um Geduld, denn wir können praktisch nichts tun, solange der Vulkan nicht inaktiv geworden ist», fügte Sánchez hinzu. Dafür aber gebe es leider keine Anzeichen, hätten ihm Experten gesagt. Mit den neuen Evakuierungen stieg die Zahl der Menschen, die sich seit dem Beginn des ersten Ausbruchs des Vulkans seit 50 Jahren in Sicherheit bringen mussten, auf etwa 7000. Seit dem 19. September wurden bereits 1458 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt und fast 660 Hektar unter Lava und Vulkanasche begraben. Darunter auch immer größere Teile von Bananenplantagen, aus denen das Hauptexportgut der Insel kommt. Die Inselregierung ging schon vor zwei Wochen von Schäden in Höhe von mindestens 400 Millionen Euro aus. Eine neuere Schätzung wurde noch nicht bekannt. Der Flughafen der Insel war nach Angaben des Betreibers Aena betriebsbereit, wurde aber nur von wenigen Fluggesellschaften wie Binter angeflogen. Der Flugverkehr zu den anderen großen Touristeninseln der Kanaren - Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria oder Lanzarote - lief normal.Finanzielle Hilfe
Bildnachweis: © Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Ohnmächtig dem Vulkan ausgeliefert
Glühend heiße Lava frisst sich voran. Weitere rund 800 Bewohner mussten auf La Palma ihre Häuser verlassen. In kürzester Zeit versuchen sie zu retten, was zu retten ist.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 27. August 2026
Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
- 21. August 2026
Auto rast durch Fußgängerzone - Minister spricht von Unfall
Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.
- 21. August 2026
Katze entwischt - Familie verbringt Urlaub an Raststätte
Eigentlich wollen sie in die Berge fahren, doch als bei einer Pause ihre geliebte Katze davonläuft, schmeißt eine Familie ihre Pläne über den Haufen. Nun heißt es Autobahn statt Gipfelkreuz.
Neueste Artikel
- 16. September 2026
Für Kinder tabu: EU-Kommission will Social Media erst ab 13
Schluss damit, dass Kinder am Handy daddeln? In Deutschland und dem Rest der EU könnten soziale Netzwerke künftig erst ab dem Alter von 13 Jahren erlaubt sein. Was plant Brüssel?
- 16. September 2026
Zeuge rettet Kind vor Zug – Mutter muss in Psychiatrie
Eine Mutter bringt ihre vierjährige Tochter an die Gleise, ein Zeuge verhindert im letzten Moment die Katastrophe. Wegen versuchten Mordes stand die Frau vor Gericht. Nun fiel das Urteil.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 16. September 2026
Für Kinder tabu: EU-Kommission will Social Media erst ab 13
Schluss damit, dass Kinder am Handy daddeln? In Deutschland und dem Rest der EU könnten soziale Netzwerke künftig erst ab dem Alter von 13 Jahren erlaubt sein. Was plant Brüssel?
- 16. September 2026
Zeuge rettet Kind vor Zug – Mutter muss in Psychiatrie
Eine Mutter bringt ihre vierjährige Tochter an die Gleise, ein Zeuge verhindert im letzten Moment die Katastrophe. Wegen versuchten Mordes stand die Frau vor Gericht. Nun fiel das Urteil.

