16. Oktober 2024 / News aus der Welt

Neue Anklage gegen Star-Koch Alfons Schuhbeck

Alfons Schuhbeck verlor sein Gastro-Imperium und landete im Gefängnis. Jetzt gibt es eine neue Anklage - und die hat es in sich.

Es gibt eine neue Anklage gegen Alfons Schuhbeck. (Archivfoto)
Veröffentlicht am 16. Oktober 2024 um 17:10 Uhr von Britta Schultejans, dpa

Neue Anklage gegen Alfons Schuhbeck: Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem Star-Koch, der bereits wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis sitzt, zahlreiche weitere Straftaten vor. Es geht um Insolvenzverschleppung in neun Fällen, Betrug in vier Fällen, versuchten Betrug in fünf Fällen, Subventionsbetrug in 19 Fällen sowie das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 479 Fällen, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. 45 Bände umfassen die Ermittlungsakten den Angaben zufolge, die Anklageschrift hat 124 Seiten.

«Herr Schuhbeck wird sich gegen die Anklagevorwürfe verteidigen. Zur Sache hat er sich bislang nicht geäußert», teilten seine Anwälte Norbert Scharf und Joachim Eckert mit. «Voreilige Festlegungen oder Profilierungen verbieten sich angesichts von Stand und 
Umfang des Verfahrens.»

Laut Staatsanwaltschaft soll Schuhbeck unter anderem zu Unrecht Corona-Soforthilfen und Überbrückungshilfen beantragt haben. «Er machte dabei wissentlich falsche Angaben, um für die von ihm vertretenen Gesellschaften nicht gerechtfertigte Subventionen großen Ausmaßes zu erlangen sowie um eine Einnahmequelle von einigem Gewicht und einiger Dauer zu schaffen», heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. 

Die Behörde wirft Schuhbeck vor, Coronahilfen und andere Subventionen in Höhe von 460.000 Euro erschlichen zu haben. Hunderttausende Euro Krankenkassenbeiträge für seine Mitarbeiter soll er außerdem nicht oder nicht fristgerecht gezahlt haben. 

Ein Vorwurf: Insolvenzverschleppung

Für neun seiner Unternehmen soll Schuhbeck außerdem die erforderlichen Insolvenzanträge nicht oder nicht rechtzeitig gestellt haben, obwohl das jeweilige Unternehmen bereits zahlungsunfähig war. Dadurch seien «zahlreiche Geschäftspartner und 
Gläubiger massiv geschädigt» worden, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Mindestens ein Unternehmen habe in der Folge selbst einen Insolvenzantrag stellen müssen. 

«Das Verfahren befindet sich mit Anklageerhebung nun im Zwischenverfahren. Die Herrschaft darüber liegt damit bei Gericht, das über die Zulassung der Anklage zu entscheiden hat», heißt es in der Stellungnahme der Anwälte. «Die mit der Anklage 
aufgeworfenen Fragen betreffen die wirtschaftliche Seite der jüngeren Lebensgeschichte von Herrn Schuhbeck, die es zu klären gilt. Äußerungen zu den Anklagevorwürfen werden gegenüber dem Gericht erfolgen, nicht in oder über die Öffentlichkeit.»

Urteil wegen Steuerhinterziehung von 2,3 Millionen Euro

Im vergangenen Jahr hatte Schuhbeck seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung angetreten. Das Landgericht München I hatte ihn zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Es war überzeugt, dass er 2,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen und mehr als 1000 Mal in die Kasse von zwei seiner Restaurants gegriffen hat, um Geld verschwinden zu lassen. Er gab zu, dazu ein Computerprogramm genutzt zu haben, das ein Angestellter in seinem Auftrag erstellt hatte. 

Zunächst saß Schuhbeck in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech ein und inzwischen in einer Außenstelle der JVA im Andechser Ortsteil Rothenfeld. Dass er dorthin verlegt wurde, ist die letzte offiziell bestätigte Nachricht über seine Situation nach Haftantritt.

Wie sich die erneute Anklage auf seine Haftbedingungen auswirken könnte, war zunächst unklar. «Dazu heute eine Aussage zu treffen, wäre im Moment zu früh und daher spekulativ», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I, Anne Leiding. «Jetzt warten wir erstmal das weitere Vorgehen der 12. Strafkammer ab.»

Die 12. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I muss nun darüber entscheiden, ob es die Anklage gegen Schuhbeck zulässt und ob es dann erneut zu einem Prozess gegen den inzwischen 75-Jährigen kommt. 

Er bekochte die Queen und die Beatles 

Schuhbeck war jahrelang fester Bestandteil der Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft. Er bewirtete Promis und wurde dabei selbst einer. Er hat die Queen bekocht, die Beatles, Charlie Chaplin, immer wieder auch den FC Bayern München und wurde einer der bekanntesten Köche und Gastronomen der Republik.

Sein Name war jahrelang eine Marke. Schuhbeck baute ein Firmengeflecht auf mit drei Restaurants, einem Catering-Service, einem Eissalon und Gewürzläden. Er arbeite 19 Stunden am Tag, sagte er noch zu seinem 70. Geburtstag vor fünf Jahren. Doch Schuhbeck fiel tief. Er meldete Insolvenz für seine Münchner Restaurants an, im vergangenen Jahr wurde auch ein Insolvenzverfahren gegen ihn persönlich eröffnet. 

Schuhbeck 2022: «Ich habe einiges falsch gemacht»

«Ich habe einiges falsch gemacht», sagte Schuhbeck 2022 vor Gericht, bevor er sich dann doch zu einem umfangreicheren Geständnis durchringen konnte. «Ich habe mir, meinen Freunden und Bekannten und auch meinen Verteidigern bis zuletzt etwas vorgemacht, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich unternehmerisch gescheitert bin.» Im Prozess sagte er auch: «Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es sofort tun.» Und: «Ich stehe vor den Trümmern meines Lebenswerkes.»


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
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