2. Juli 2021 / News aus der Welt

Nach Ausrottung: Ausgewilderte Bartgeier kurz vor Erstflug

Vor mehr als 140 Jahren wurden Bartgeier in Deutschland ausgerottet. Nun sollen sie wieder angesiedelt werden. Zwei ausgewilderte Exemplare stehen nun kurz vor einem wichtigen Schritt.

Die Bartgeierweibchen "Wally" (l) und "Bavaria" (r) werden vor ihrem Transport gezeigt, bevor sie zum Knittelhorn transportiert werden.
Veröffentlicht am 2. Juli 2021 um 11:45 Uhr von dpa

In wenigen Tagen dürften erstmals seit mehr als 140 Jahren wieder Bartgeier durch die deutschen Alpen fliegen. Zwei kürzlich im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderte Bartgeier stehen kurz vor ihrem Erstflug.

«Sie flattern echt richtig viel - ich schätze, Mitte nächster Woche geht es los», sagte Projektleiter Toni Wegscheider vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die wesentlich kräftigere Bavaria schaffe inzwischen mehr als 370 Flügelschläge am Tag, die zierlichere Wally an guten Tagen deutlich über 200 - es können aber auch mal nur 80 sein. «Wenn junge Bartgeier stabil 200 Schläge pro Tag schaffen, ist die Ausdauer groß genug, dass sie den Erstflug packen», erläuterte Wegscheider.

«Wally ist aktuell deutlich hinterher. Die war anfangs sehr engagiert, hat aber etwas nachgelassen. Sie frisst jetzt mehr und verlegt sich eher auf die Gewichtszunahme», schilderte Wegscheider die Ergebnisse der durchgängigen Beobachtungen von Vogelschützern vor Ort. «Bavaria aber hopst tollpatschig durch die Gegend, da könnte es sogar sein, dass sie als «Unfall» erstmals fliegt, wenn sie über die Kante purzelt bei ihren Ausflügen.» Schon jetzt hebe Bavaria bei ihren Hopsern deutlich höher ab.

Auf jeden Fall liegt schon jetzt - für die scharfsichtigen Geier deutlich sichtbar - Futter außerhalb der abgezäunten Auswilderungsnische bereit. «Wenn sie nicht sofort wieder im Steigflug hochfliegen können, können sie zur Not sogar zu Fuß rübergehen und sich das holen.»

Die beiden Jungvögel aus spanischer Zucht waren Anfang Juni im Rahmen eines europäischen Wiederansiedlungsprogrammes in die Felsnische im Nationalpark gebracht worden. Seit 1986 wird der vom Menschen vor mehr als über 140 Jahren ausgerottete, mit einer Spannweite von bis zu 2,90 Metern größte Brutvogel der Alpen wieder aufwendig angesiedelt. Allein das auf zehn Jahre angelegte Projekt im Nationalpark Berchtesgaden verschlingt rund eine Dreiviertelmillion Euro. Das Interesse der Bevölkerung ist enorm, der LBV verzeichnet bei den Zugriffszahlen der Live-Webcam (www.lbv.de/bartgeier-webcam) Rekordzahlen.


Bildnachweis: © Peter Kneffel/dpa
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