14. Oktober 2021 / News aus der Welt

Fluchtwege versperrt: 46 Tote bei Hochhausbrand in Taiwan

Es wurde «Geisterhaus» genannt: Die unteren Geschäfts-Etagen standen leer. Notausgänge waren versperrt. In den oberen Stockwerken wohnten vor allem Senioren - viele starben an Rauchvergiftung.

Flammen schlagen aus dem brennenden 13-stöckigen Geschäfts- und Wohngebäude in der Innenstadt.
von Andreas Landwehr, dpa

Bei einem Brand in einem Hochhaus in der südtaiwanischen Hafenstadt Kaohsiung sind mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen.

Mehr als 40 Menschen wurden verletzt, wie die Feuerwehr am Donnerstag berichtete. Viele der meist älteren Bewohner seien durch die Flammen und den Rauch in den oberen Stockwerken eingeschlossen gewesen. Auch seien Fluchtwege versperrt gewesen - unter anderem durch Müll und Gerümpel, hieß es.

Bewohner mit Handicaps

Das 13-stöckige Wohn- und Geschäftshaus, das wegen leerstehender gewerblicher Räume in den unteren Stockwerken auch «Geisterhaus» genannt wurde, brannte über mehr als fünf Stunden. Mehr als 100 Menschen, die meisten von ihnen Senioren mit körperlichen Behinderungen oder Demenz, hätten in den oberen Stockwerke des herabgewirtschafteten Gebäudes gelebt, sagte der städtische Feuerwehrchef Lee Ching-hsiu der Nachrichtenagentur CNA.

Viele hätten es nicht schaffen können, das brennende Haus zu verlassen, sagte ein lokaler Beamter. Er berichtete, dass er mitten in der Nacht durch eine laute Explosion aufgewacht sei. Da habe er die Flammen in dem Gebäude gesehen. In dem bewohnten Teil des Hochhauses zwischen dem siebten und elften Stock soll es rund 120 Haushalte gegeben haben. In den unteren sechs Stockwerken waren leerstehende Restaurants, Karaoke-Clubs und ein Kino.

Der Brand war aus bislang unbekannter Ursache im ersten Stock des 40 Jahre alten Hauses ausgebrochen. Bis zum Morgen hatten rund 150 Feuerwehrleute das Feuer unter Kontrolle gebracht. Danach begann die Suche nach den Opfern. Die Zahl der bestätigten Toten kletterte stündlich. Die meisten seien Rauchvergiftungen erlegen, berichtete die Feuerwehr.

Ein Koch, der im neunten Stock lebte, berichtete der Zeitung «Apple Daily», er habe geschlafen, als gegen drei Uhr jemand laut «Feuer, Feuer, rennt!» gerufen habe. Rauch sei in seine Wohnung eingedrungen. Er sei mit einem anderen Bewohner noch mit dem Aufzug nach unten gefahren. Aber als die Fahrstuhltür im Erdgeschoss aufgegangen sei, sei ihnen dichter Rauch entgegengeschlagen.

Ruf nach mehr Sicherheit

«Es hat mir den Atem geraubt», sagte der Koch. «Furchterregend. Ich konnte nicht meine fünf Finger vor den Augen sehen.» Sie hätten sich nicht aus dem Aufzug getraut, seien wieder hochgefahren und hätten dann eine Nottreppe nach unten genommen, sagte er dem Blatt.

Städtische Beamte sprachen von einem schlechten Zustand des Gebäudes. Die Blockade der Fluchtwege werfe Fragen nach der Hausverwaltung und der Instandhaltung auf. Das Gebäude hatte nach Berichten auch kein Hauverwaltungskomitee. Der Parlamentsabgeordnete Chao Tien-lin von der regierenden Fortschrittspartei DPP sagte Journalisten vor Ort, dass als Konsequenz aus dem Unglück die Vorschriften für Hausverwaltungen überarbeitet werden müssten, um die Sicherheit älterer Häuser in Taiwan künftig besser zu gewährleisten.


Bildnachweis: © Fire Bureau Of Kaohsiun/ZUMA/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Stressfrei zum Christkindlmarkt
Aktueller Hinweis

Einfach mit dem Bus hin und auch wieder zurück

weiterlesen...
Neueröffnung bei unserem Partner Küchen Schmidt
Partner News

Frischer Wind in Haus und Ausstellung

weiterlesen...
Andreasmarkt Rheda
Veranstaltung

Vom 11. November 2022 bis 13. November 2022

weiterlesen...

Neueste Artikel

Raser und Rowdys machen Städte zu «Blitzer-Millionären»
News aus der Welt

Wer zu schnell fährt oder auf andere Weise auffällt, muss seit rund einem Jahr höhere Bußgelder bezahlen. Für viele Städte bedeutet dies zusätzliche Einnahmen - eine Großstadt tut sich besonders hervor.

weiterlesen...
Klinikalltag trotz Krieg: Ukrainische Ärzte lernen in Berlin
News aus der Welt

Verbrennungen gehören zum Alltag ukrainischer Ärztinnen und Ärzte. Zwei von ihnen lernen in Berlin, wie sie Schwerverletzte am besten versorgen. Zu Hause warten noch ganz andere Herausforderungen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Raser und Rowdys machen Städte zu «Blitzer-Millionären»
News aus der Welt

Wer zu schnell fährt oder auf andere Weise auffällt, muss seit rund einem Jahr höhere Bußgelder bezahlen. Für viele Städte bedeutet dies zusätzliche Einnahmen - eine Großstadt tut sich besonders hervor.

weiterlesen...
Klinikalltag trotz Krieg: Ukrainische Ärzte lernen in Berlin
News aus der Welt

Verbrennungen gehören zum Alltag ukrainischer Ärztinnen und Ärzte. Zwei von ihnen lernen in Berlin, wie sie Schwerverletzte am besten versorgen. Zu Hause warten noch ganz andere Herausforderungen.

weiterlesen...