Wenn sich die Ferienruhe über das Land legt, Politikbetrieb und Sport-Ligen sich eine Auszeit gönnen, kriechen sie aus dem Sommerloch: die Tiere! Ihr Schicksal bewegt nicht selten wochenlang die ganze Nation. Welche tierischen Stars in den vergangenen Jahren für Aufregung sorgten: Eine freilaufende Raubkatze soll in Berlin und Brandenburg gesichtet worden sein. Ein nur wenige Sekunden langes Handyvideo zeigt die mutmaßliche Löwin zwischen Büschen und Bäumen. Mehr als 30 Stunden lang suchen Dutzende Polizisten unterstützt von Jägern und Tierärzten die Großkatze. Zunächst fehlt jede Spur. Dann Entwarnung: Die vermeintliche Löwin ist wohl nur ein Wildschwein. Die halbe Welt lacht über die Fotos vom Berliner Teufelssee. Ein nackter Mann rennt einem Wildschwein hinterher, das seine gelbe Tüte geklaut hat. Darin soll sich ein Laptop befunden haben. In einem Treppenhaus im nordrhein-westfälischen Herne entdeckt eine Bewohnerin eine stattliche Giftschlange, eine Monokel-Kobra. Fast eine Augustwoche lang versteckt sich die rund 1,60 Meter lange Kobra im Häuserblock. 30 Bewohner müssen ihre Wohnungen verlassen. Beim mutmaßlichen Besitzer werden 21 weitere Schlangen entdeckt. Die Kobra wird schließlich bei Mäharbeiten hinter dem Haus aufgeschreckt und wieder eingefangen. Ein Beuteltier hüpft kreuz und quer durchs Sauerland, bis es schließlich von einem Weidezaun am Diemelsee in Nordhessen gestoppt wird. Bei einer Züchterfamilie findet Känguru Skippy ein neues Zuhause. Ihre Flucht vor dem Schlachter macht sie 2011 zum internationalen Medienstar. Das Rind türmt in den oberbayerischen Wald und widersetzt sich allen Fangversuchen monatelang. Erst nach einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr kann Yvonne auf einen Tiergnadenhof gebracht werden. Zugewandert aus Österreich, streift er durch die bayerischen Wälder. Als der Braunbär Schafe erbeuten will, kommt er Siedlungen zu nahe - und wird zum Abschuss freigegeben. Seine Bezeichnung als «Problembär» durch den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wird zum geflügelten Wort. Tierschützer laufen Sturm. Vergebens. Jäger erlegen Bruno. Sein Schicksal schafft es bis in die «New York Times». Was für ein schräger Vogel! Auf dem Aasee in Münster erregt eine schwarze Schwanenlady mit einer ganz besonderen Lovestory Aufsehen. Petras Auserwählter: ein Tretboot in Schwanengestalt, dem sie wochenlang nicht von der Seite weicht. Ein Happy End gibt's dann aber doch noch: In einer Pflegestation findet Petra schließlich einen Partner, der besser zu ihr passt. Die Geschichte von «Killer-Wels Kuno» aus Mönchengladbach schreckt Hundefreunde auf. Der riesige Fisch soll angeblich einen Dackelwelpen vom Ufer eines Weihers ins Wasser gezerrt und verschlungen haben. Ob das tatsächlich so passiert ist, bleibt unklar. Dennoch geht die Story um die Welt. Viele Angler versuchen, den Wels zu schnappen. Vergeblich. Als zwei Jahre später ein 1,50 Meter großer Wels im See tot gefunden wird, wird der mutmaßliche Kuno ausgestopft und im Museum ausgestellt. Ein entflohener Brillenkaiman wird zu Deutschlands populärstem Reptil. Sein damaliger Besitzer macht mit Sammy einen Ausflug an einen Baggersee bei Dormagen (nahe Düsseldorf). Das Tier nutzt die Gelegenheit, reißt sich von seiner Leine los und verschwindet. Tagelang hält seine Flucht Polizei, Feuerwehr und Medien in Atem. Aus Angst vor dem 80 Zentimeter langen Alligator bleibt der Badesee tagelang gesperrt. Endlich wird das ausgehungerte Tier gefangen - und landet im Zoo. Im Mai 1966 funkt die Besatzung eines Tankschiffs an die Wasserschutzpolizei in Duisburg schier Unglaubliches: Weißer Wal im Rhein gesichtet. Die Polizei glaubt erst, die Männer an Bord seien betrunken. Dann aber entdecken auch die Beamten den hellen und etwa vier Meter langen Beluga im trüben Rhein. Die Sensation ist perfekt. Beheimatet sind die auch Weißwale genannten Tiere eigentlich in arktischen und subarktischen Gewässern. «Moby Dick», wie der Wal nach dem gleichnamigen Roman genannt wird, elektrisiert die Menschen zwischen Duisburg und Bonn. Nach etwa einem Monat und mehreren Kehrtwendungen schwimmt «Moby Dick» doch noch erfolgreich Richtung Meer. Mitte Juni erreichte er die Nordsee.Berliner Löwin (2023)
Die Laptop-Sau (2020)
Die Monokel-Kobra (2019)
Känguru Skippy (2015)
Kuh Yvonne (2011)
Bär Bruno (2006)
Schwan Petra (2006)
Wels Kuno (2001)
Alligator Sammy (1994)
Der Wal Moby Dick (1966)
Bildnachweis: © Andreas Gebert/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Löwin und Kuh - das Sommerloch und seine tierischen Stars
Sie sind im Wald, im Badesee oder im Treppenhaus: Im Sommer machen regelmäßig Tiere Schlagzeilen. Wer erinnert sich noch an Alligator Sammy, Wels Kuno und Kuh Yvonne?
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