Der Klimawandel wird unsere Friedhöfe verändern. Manche typischen und womöglich liebgewonnenen Blumen, Stauden und Gehölze könnten seltener werden - dafür kommen neue Sorten hinzu. Die Spuren von Hitze und Dürre der zurückliegenden Monate werden auch dieses Wochenende zum «Tag des Friedhofs» bei einem Besuch an den Grabstätten vielerorts sichtbar sein. Für Friedhofsgärtner bedeuten Sommer wie 2022 eine große Herausforderung. Welche Pflanzen mit Trockenheit gut klar kommen - das testen die Wiesbadener Friedhofsgärtner Matthew Lynch und Stefan Grob seit diesem Jahr: In Reih' und Glied stehen 72 mit Holz eingefasste kleine Versuchsbeete auf dem Friedhof in Biebrich. Jede vierte Reihe wiederholt sich die Bepflanzung, mal wachsen rot blühende Blumen in den Kästen, mal Stauden oder Bodendecker. Manche bekommen pro Gießgang zehn Liter Wasser, manche fünf Liter und einige nichts. Die Kernfrage ist, wie ein Grab auch ohne viel Gießen gut aussehen kann. In den Kästen wachsen unter anderem Begonien, Zauberschnee, Hainsimsen und eine besonders hitzeresistente Christusdorn-Variante, die mit wenig Wasser auskommt. Insgesamt ist das Projekt auf drei Jahre angelegt. Parallel wird auch die Temperatur und die Niederschlagsmenge an den Versuchsfeldern gemessen. Nach dem ersten, heißen Sommer haben Lynch und Grob unter anderem herausgefunden, dass es kaum einen Unterschied ergab, ob die Pflanzen zehn Liter pro Gießdurchgang bekamen oder nur fünf. «Es hat sich herausgestellt, das geringe, häufigere Wassergaben dem Gedeihen der Pflanzen zuträglicher sind als einmal wöchentlich größere», halten die beiden fest. Eine weitere Erkenntnis: Sorgfältiges Angießen und danach zwei Wochen lang eine großzügige Wasserversorgung ist entscheidend für den Wuchserfolg. Dadurch kämen die Pflanzen mit Trockenheit und Hitze besser zurecht. Auch der Zeitpunkt der Bewässerung habe eine große Bedeutung. «Unabhängig von der Wassermenge ist es sehr erstaunlich, wie Gießen in den frühen Morgenstunden und in den Abendstunden der Blattgesundheit und der Blütenausprägung zuträglich ist», resümieren Lynch und Grob. Durch Gießen in diesen Zeitfenstern lasse sich die Wassermenge um etwa ein Viertel reduzieren. Zukünftig würden auf den Friedhöfen Pflanzen verschwinden, die auf längere Trockenperioden empfindlich reagieren, erklärt Peter Houska von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wasserknappheit oder mögliche Gießverbote könnten beispielsweise für Hortensien, Rhododendren oder Forsythien zum Problem werden. «Auch flachwurzelnde Nadelgehölze wie beispielsweise Thuja haben Schwierigkeiten, längere Trockenphasen auf Friedhöfen zu überstehen», erklärt Houska. Auf den Gräbern werde man mehr Pflanzen sehen, die mit trockenen bis mäßig feuchten Böden gut zurechtkommen, beispielsweise Fette Henne, Teppich-Thymian, Kugelblume, Stachelnüsschen, Lavendel oder Steppensalbei, prognostiziert Houska und plädiert dafür, Friedhöfe künftig noch gezielter zu bewässern. «Es sollte seltener, dafür tiefgründiger gegossen werden.» Michael Albrecht vom Verband der Friedhofsverwalter betont: «Der Klimawandel macht vor den Friedhöfen nicht Halt.» Sattgrüne Rasenflächen den ganzen Sommer über gehörten wohl eher der Vergangenheit an. «Ich glaube, dass der Trend bei Grabbepflanzungen deutlich zu standortangepassten Stauden gehen wird», sagt Albrecht. In Anbetracht von Wasserpreis und der Preissteigerung für Treibstoffe hätten sich nach seiner Einschätzung viele Friedhöfe diesen Sommer eine Reduktion der Bewässerung auferlegt. Friedhöfe hätten sich - neben ihrer Funktion als Trauerorte - vielerorts zu wichtigen grünen Oasen entwickelt, erklärt der Kunsthistoriker Dirk Pörschmann, Leiter des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Oft seien sie mehrere Hektar groß und böten damit einen Rückzugsraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Dies sei vielen Friedhofsverwaltungen bewusst, es werde intensiv über eine naturnahe Bepflanzung nachgedacht. Außerdem gebe es beispielsweise Insektenhotels und Rasen würden seltener gemäht, um Blühflächen zu schaffen.Was Pflanzen mögen
Fette Henne kommt mit Trockenheit gut zurecht
Trauerorte und grüne Oasen
Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Klimawandel macht vor Friedhöfen nicht Halt
Wie können Gräber in Zeiten des Klimawandels schön bepflanzt werden? Diese Frage hat zwei Friedhofsgärtner in Wiesbaden umgetrieben, sie starteten einen Versuch.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 27. August 2026
Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
- 21. August 2026
Auto rast durch Fußgängerzone - Minister spricht von Unfall
Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.
- 21. August 2026
Katze entwischt - Familie verbringt Urlaub an Raststätte
Eigentlich wollen sie in die Berge fahren, doch als bei einer Pause ihre geliebte Katze davonläuft, schmeißt eine Familie ihre Pläne über den Haufen. Nun heißt es Autobahn statt Gipfelkreuz.
Neueste Artikel
- 12. September 2026
Céline Dion feiert emotionales Konzert-Comeback
Jahrelang kämpfte Superstar Céline Dion mit einer seltenen Erkrankung. Nun gibt sie erstmals wieder ein Konzert - und ist zu Tränen gerührt.
- 12. September 2026
Niedriger Pegelstand setzt Bodensee zu
Am Bodensee zeigt sich das Niedrigwasser besonders in Häfen und flachen Uferbereichen. Was das für Urlauber und Schiffsverkehr bedeutet.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 12. September 2026
Céline Dion feiert emotionales Konzert-Comeback
Jahrelang kämpfte Superstar Céline Dion mit einer seltenen Erkrankung. Nun gibt sie erstmals wieder ein Konzert - und ist zu Tränen gerührt.
- 12. September 2026
Niedriger Pegelstand setzt Bodensee zu
Am Bodensee zeigt sich das Niedrigwasser besonders in Häfen und flachen Uferbereichen. Was das für Urlauber und Schiffsverkehr bedeutet.

