Auf Dutzenden Monitoren flimmern Zahlenreihen und Tabellen. Aus dem Keller werden Fehler- und Gefahrenmeldungen an die Spezialisten geschickt. Weltraumschrott oder Sandstürme, im Notfall muss schnell reagiert werden. Seit Wochen trainieren Mitarbeiter der europäischen Raumfahrtbehörde Esa im Kontrollzentrum in Darmstadt für den geplanten Start des neuen Erdbeobachtungssatelliten «Earthcare». Mit der Mission sollen global die Wechselwirkung von Wolken, Aerosolen und Sonneneinstrahlung auf die Atmosphäre und so bessere Klimamodelle und Wettervorhersagen ermöglicht werden. «Das hat sonst keiner», sagt Nicolaus Hanowski von der Esa-Direktion für Erd- und Umweltbeobachtung in Frascati bei Rom. Der Start ist nach Angaben des Esa nun für den 29. Mai um 00.20 Uhr (MESZ) geplant. «'Earthcare' ist einer der aufwändigsten Earth-Explorer, die wir haben», sagt Hanowski. Erstmals solle damit ein 3D-Modell der Atmosphäre im gesamten Höhenprofil erstellt werden können. «Die europäisch-japanische Erdbeobachtungsmission 'Earthcare' wird unser Verständnis zu Klima- und Wetterphänomenen maßgeblich vorantreiben», heißt es beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das in die Mission eingebunden ist. Ziel der Mission und der Messungen sei, zu verstehen, wie sich die Atmosphäre im gesamten Höhenprofil verhalte, so Hanowski. Dabei gehe es um die dynamischen Bewegungen, um physikalische und chemische Eigenschaften und wie sich die Atmosphäre global zeitlich verändere. Das könne man auch mit einem Wetterballon machen, aber dann bekäme man nur ein punktuelles Bild, quasi eine Säule. «Wir machen die Säule dreidimensional, indem wir die komplette Erdoberfläche untersuchen», sagt der Esa-Spezialist über die bislang gut 500 Millionen Euro teure Mission mit ihren vier Instrumenten an Bord. «Die Daten, die da gesammelt werden, werden von verschiedenen Organisationen genutzt, um Wettervorhersagen konkret zu optimieren», sagt Hanowski. So könnten voraussichtlich auch Unwetter wie die tödliche Flutkatastrophe 2021 im Kreis Ahrweiler besser vorhergesagt werden. Kurzfristige Warnungen vor derartigen Ereignissen seien indes auch mit den neuen Daten nicht möglich. Es gehe darum, die Vorhersagen zu verbessern, und dazu sei ein Verständnis für die Dynamik von Wolken, Tiefdruckgebieten und der Atmosphäre nötig. «Wir wissen zu wenig über die Wechselwirkung zwischen Sonneneinstrahlung und den verschiedenen Schichten der Atmosphäre.» Mit aus den Daten gewonnenen Klimamodellen könnten vielleicht auch drohende Dürren prognostiziert werden. Die Instrumente an Bord von «Earthcare» (Earth Cloud Aeorosol and Radiation Explorer) sollen Dichteprofile, Wassergehalt von Wolken, chemische Zusammensetzung oder auch Art der Moleküle messen und erfassen, um so Wechselwirkungen zwischen Wolken, Aerosolen und Sonnenstrahlung zu untersuchen. Wenn seine Solarpanele ausgeklappt sind, ist der Orbiter dem DLR zufolge rund 17 Meter lang, 2,5 Meter breit und 3,5 Meter hoch. Die Instrumente an Bord sendeten Lichtimpulse und analysierten die reflektierten Signale. Die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa habe ein Radar beigesteuert, mit dem das Innenleben von Wolken untersucht werden könne. Zudem gebe es ein Instrument, das hochauflösende Bilder im sichtbaren und infraroten Lichtspektrum mache. Das vierte Instrument messe die reflektierte Sonnenstrahlung und die von der Erde ausgehende Wärmestrahlung. Bis zum Start mit einer Falcon-9-Rakete des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX im kalifornischen Vandenberg bereitet sich der Leiter des Kontrollzentrums in Darmstadt, Simon Plum, mit seinen Teams vor: «Wir trainieren auch den Ausfall des Kontrollzentrums.» Im Notfall müssten schnell Entscheidungen getroffen werden. Für den rund zwei Tonnen schweren Satelliten ist ein reibungsloser Beginn der Mission erwünscht. Plum zufolge gibt es drei Schritte, die auf dem Weg dorthin klappen müssen: zum einen der Start selbst, dann die Ausrichtung der Solarpanele zur Sonne zur Energiegewinnung und schließlich das Herstellen der Kommunikation mit dem Orbiter. Geht hier etwas schief, wird es im Kontrollzentrum am Starttag nicht heißen «We have a mission»(«Wir haben eine Mission»).Neue Dimension der Erdbeobachtung
Möglichkeiten für Wettervorhersagen
Hochkomplexe Instrumente
Drei Schritte zum Erfolg
Bildnachweis: © Boris Roessler/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Klimasatellit «Earthcare» scannt Atmosphäre
Das Wissen über die Erdatmosphäre ist lückenhaft. Ein neuer Esa-Satellit soll diese Lücken schließen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 25. September 2026
Herbstkirmes 2026 in Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk und Krammarkt
Vom 2. bis 5. Oktober lockt die Herbstkirmes nach Wiedenbrück: Fahrgeschäfte, Feuerwerk, verkaufsoffener Sonntag und Krammarkt.
- 20. September 2026
Klingelbrink wird zur Partymeile: Soleil Society bringt Wiedenbrück zum Pulsieren
Summer Closing am Klingelbrink: volle Straße, mehr als 250.000 Videoaufrufe und eine Debatte über Innenstadtleben. Unser Rückblick mit Bildergalerie.
- 1. Oktober 2026
70 Jahre Uhrmeister: Jubiläumsabend am 9. Oktober in Wiedenbrück
Discokugeln am Klingelbrink: Unser Video zeigt den Aufbau für 70 Jahre Uhrmeister. Am 9. Oktober ab 17:00 Uhr wird in Wiedenbrück gefeiert.
Neueste Artikel
- 11. Oktober 2026
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.
- 11. Oktober 2026
Elf Tote und viele Verletzte bei Busunfall in der Türkei
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Reisebus und einem Abschleppwagen in der Türkei sind elf Menschen gestorben, 27 weitere wurden verletzt. Die Unfallursache ist unklar.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 11. Oktober 2026
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.
- 11. Oktober 2026
Elf Tote und viele Verletzte bei Busunfall in der Türkei
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Reisebus und einem Abschleppwagen in der Türkei sind elf Menschen gestorben, 27 weitere wurden verletzt. Die Unfallursache ist unklar.

