Die Inzidenz steigt, die Impfnachfrage sinkt: Kanzlerin Angela Merkel hat die Bevölkerung angesichts steigender Infektionszahlen auf eine weiterhin schwierige Zeit in der Corona-Pandemie eingestimmt. Gleichzeitig rief die CDU-Politikerin heute bei ihrer voraussichtlich letzten Sommerpressekonferenz in Berlin zu stärkeren Impfbemühungen auf. Die Länder setzen zunehmend auf flexible Lösungen, um mehr Menschen zu erreichen. Das Robert Koch-Institut (RKI) dringt mit Blick auf Herbst und Winter darauf, jetzt vorbeugende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zu ergreifen. Merkel sagte vor den Hauptstadtjournalisten, Deutschland habe es «mit einer deutlichen, und wie ich finde auch besorgniserregenden Dynamik» zu tun. Sie mahnte zudem: «Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein.» Die Pandemie könne nur gemeinsam überwunden werden. Deswegen sollten Menschen auch im privaten Umfeld und der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben. Weiterhin gehe es darum, die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die für Ende August geplante Ministerpräsidentenkonferenz zur Pandemie könnte vorgezogen werden: Sie werde sich Bitten von Regierungschefs der Länder nicht verschließen, sagte Merkel. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von heute Morgen lag sie bei 12,2 – am Vortag betrug der Wert 11,4 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Das geht aus Zahlen vom Morgen hervor (Stand Dashboard 4.11 Uhr). Das RKI fordert wegen eines als wahrscheinlich eingeschätzten Anstiegs der Corona-Fälle im Herbst und Winter in einem am Donnerstag veröffentlichten Strategiepapier vorbeugende Maßnahmen. So sollen schwere Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten «und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können», heißt es darin. Die Länder bieten laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur nun flexibel Lösungen beim Impfen, um wieder mehr Menschen für den schützenden Piks zu gewinnen. Das Interesse an einer Impfung lässt vielerorts nach, teilweise werden Impfzentren geschlossen. Außerdem gibt es immer mehr mobile Impfteams, und Menschen können sich vielerorts auch ohne Termin eine Spritze holen. «Wenn die Menschen nicht zu den Impfungen kommen, dann müssen die Impfungen eben zu den Menschen kommen», betonte etwa Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). «Ob eine Impfung im Fußballstadion, mobile Impfteams auf Markt- und Supermarktplätzen oder Impfungen ohne Termin in den Zentren - alle Initiativen sind willkommen», erklärte Baden-Württembergs Ressortchef Manne Lucha (Grüne). Bereits Geimpfte können sich derzeit keine Corona-Impfzertifikate in Apotheken mehr ausstellen lassen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) teilte heute mit, dass die Ausstellung von Zertifikaten in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt worden sei. Dem «Handelsblatt» war es demnach gelungen, «mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten» auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen, mit dem dann zwei Impfzertifikate ausgestellt worden seien. Aktuell würden deshalb die angemeldeten Betriebsstätten einer Überprüfung unterzogen. Doch gebe es bislang keine Hinweise auf andere unberechtigte Zugänge. Das «Handelsblatt» teilte auf Anfrage mit, es sei richtig, dass das Blatt eine gravierende Sicherheitslücke bei der Erstellung digitaler Impfnachweise aufgedeckt habe. «Jedoch hat nicht das "Handelsblatt" selbst sich einen Zugang zum System verschafft; zwei IT-Sicherheitsspezialisten haben die Schwachstelle offengelegt und damit demonstriert, dass es bei dem Portal deutliche Mängel gibt», erklärte eine Verlagssprecherin. Unterdessen sollen nun in die Hochwassergebiete Zehntausende Corona-Impfdosen geliefert werden. Das Bundesgesundheitsministerium habe den betroffenen Ländern zusätzlichen Impfstoff angeboten, teilte eine Sprecherin heute mit. Damit könnten niedrigschwellige Impfangebote vor Ort gemacht werden.Flexible Lösungen beim Impfen in den Ländern
Ausstellung von Impfzertifikaten in Apotheken gestoppt
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Weniger Impfungen, steigende Inzidenz
Die Corona-Inzidenz in Deutschland steigt wieder an - und das seit mehr als zwei Wochen. Zugleich lässt das Impftempo nach. Mit Blick auf die Delta-Variante sowie Herbst und Winter ist die Sorge groß.
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