Der Anteil von Erwachsenen mit großem Interesse an Nachrichten ist einer Studie zufolge in Deutschland rückläufig. Zugleich bleibt der Nachrichtenkonsum an sich konstant hoch in der Bevölkerung. Das geht aus dem «Reuters Institute Digital News Report» hervor, der am Mittwoch erschien und der seit 2012 Trends in der Nachrichtennutzung in vielen Ländern aufzeigt. Die Befragungen für die Studie erfolgten zu Jahresbeginn - also vor Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Der Report gilt als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren mit einem Internetzugang im Jahr 2022. 57 Prozent gaben demnach hierzulande an, äußerst oder sehr interessiert an Nachrichten zu sein. Im vergangenen Report 2021 waren es noch 67 Prozent. Auch in den Vorjahren war der Anteil höher als jetzt. Rückgänge seien in allen Altersgruppen zu verzeichnen. Zugleich nutzen 92 Prozent mindestens mehrmals in der Woche Nachrichteninhalte via Fernsehen, Radio, Zeitung oder Internet - das ist derselbe Wert wie im Vorjahr. Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut ist seit 2013 als Kooperationspartner für die deutsche Teilstudie verantwortlich. Der Medienforscher Sascha Hölig vom Leibniz-Institut sagte der Deutschen Presse-Agentur zu den Ergebnissen: «Wir sehen schon über längere Zeit, dass der Anteil der Bevölkerung, der sehr stark an Nachrichten interessiert ist, abgenommen hat - aber dieses Jahr ist das besonders deutlich. Das zeigt sich in mehreren Ländern, nicht nur in Deutschland.» Der Medienforscher ergänzte: «Wir unterscheiden zwischen Interesse und Nutzung. In der Nutzung sehen wir diese Rückgänge nicht.» Aber man sehe, dass das Interesse an Nachrichten zurückgegangen sei. Man nutze vielleicht nicht mehr ganz so häufig Nachrichten, halte sich aber zugleich auf dem Laufenden. «Wir sehen, dass eine gewisse Themenmüdigkeit eingetreten ist.» Zum Beispiel bei Corona. «Viele Menschen fühlen sich von der schieren Menge der Nachrichten erschöpft», sagte Hölig. Zu jungen Zielgruppen erläuterte der Medienforscher: «Bei jungen Menschen sieht man noch mal klarer, dass das Interesse an Nachrichten zurückgegangen ist. Sie haben nicht die Art von gefühlter Verpflichtung, sich über das Weltgeschehen zu informieren, bei Älteren ist das anders.» Hölig appellierte an Medienhäuser, «Nachrichten so zu gestalten, dass sie in den Lebensalltag der jungen Menschen anschlussfähig sind». Zugleich sieht das Leibniz-Institut mit dem Report, dass klassische Medien weiterhin bei der Bevölkerung ankommen. «Das Besondere in Deutschland ist, dass die traditionellen Nachrichtenangebote immer noch stark nachgefragt werden.» Gerade das Fernsehen sei eine sehr wichtige Gattung, um sich über Nachrichten zu informieren. «In Afrika, Südamerika oder auch in Asien zum Beispiel spielen die Sozialen Medien eine deutlich wichtigere Rolle als hier», sagte Hölig. Die Online-Befragung erfolgte im Januar und Februar 2022. Insgesamt wurden in den 46 Ländern, die in der Studie berücksichtigt wurden, mehr als 93.000 Teilnehmer befragt.Erschöpfung durch Menge an Nachrichten
Junge haben weniger Interesse an Weltgeschehen
Bildnachweis: © Lino Mirgeler/dpa
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Großes Interesse an Nachrichten lässt in Deutschland nach
Erwachsene zeigen immer weniger Interesse an Nachrichten, wie eine aktuelle Studie zeigt. Vor allem bei jüngeren Zielgruppen wird dieser Trend deutlich.
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