Den Blick starr geradeaus, vorbei an zahlreichen Fotografen und Kameraleuten schiebt sich Bernie Ecclestone ins Gericht. Für den früheren Boss der Formel 1 steht viel auf dem Spiel, die Vorwürfe sind enorm. «Die Krone begründet diese Anklage damit, dass er es versäumt hat, einen Trust in Singapur zu deklarieren, dessen Bankkonto ungefähr 650 Millionen US-Dollar beinhaltet», sagt Staatsanwalt Robert Simpson am Montag in London. Der 91-jährige Ecclestone weist die Vorwürfe zurück und erklärt sich in der ersten Anhörung für nicht schuldig. In Euro ist die Summe in etwa dieselbe. Bisher war von mehr als 400 Millionen Pfund die Rede gewesen, das sind rund 471,5 Millionen Euro. Den Trust - eine Art Sondervermögen - will Ecclestone für seine drei Töchter Deborah (67), Tamara (38) und Petra (33) gegründet haben. Er selbst habe von dem nicht deklarierten Vermögen im Ausland nicht profitieren wollen. Schon nach fünf Minuten schließt Richter Paul Goldspring die Sitzung. Doch dass der Fall noch größer werden dürfte, zeigt sich allein dadurch, dass Goldspring das Verfahren vom London Magistrates' Court an den Londoner Gerichtshof Southwark Crown Court abgibt. «Angesichts des Werts des mutmaßlichen Betrugs hätte dieses Gericht im Falle einer Verurteilung keine ausreichenden Urteilsbefugnisse», erklärt Goldspring. Theoretisch drohen Ecclestone bis zu zehn Jahre Haft. Die Anklage lautet auf Betrug durch Vorspiegelung falscher Tatsachen. Grundlage ist eine Untersuchung von Ecclestones Finanzen durch die britische Finanz- und Steuerbehörde HMRC (Her Majesty's Revenue and Customs). Ziel sei eine strukturierte Offenlegung des Vermögens gewesen, mit dem Ziel, einen Schlussstrich «unter alle früheren steuerlichen Unregelmäßigkeiten» zu ziehen, sagt Ankläger Simpson. Ecclestone verneinte dabei, dass er im Ausland irgendwelche Trusts besitze. Doch mit Blick auf das Konto in Singapur werden die Ermittler hellhörig - und klagen den Briten an, dessen Vermögen die Zeitschrift «Forbes» auf rund drei Milliarden Dollar schätzt. Ecclestone erscheint im weißen Geländewagen. Drei Mal kreuzt der Wagen vor dem Gericht, bis er aussteigt. Im dunklen Dreiteiler, mit weißem Hemd und dunkel gestreifter Krawatte wird dem prominenten Angeklagten von Sicherheitsleuten und Mitgliedern seines Anwaltsteams ein Weg durch die wartenden Reporterinnen und Reporter gebahnt. Im Saal erlaubt Richter Goldspring ihm, außerhalb der Anklagebank zu stehen. Ihr 91 Jahre alter Mandant habe «ein bisschen Schwierigkeiten beim Hören», sagt Ecclestones Anwältin Clare Montgomery QC. Bei dieser ersten Anhörung bestätigt der Beschuldigte ansonsten nur noch Namen, Geburtsdatum und Adresse. Es ist nicht das erste Mal, dass Ecclestone vor Gericht steht. Wegen des Verkaufs der kommerziellen Formel-1-Rechte an das Investmentunternehmen CVC 2006 musste er sich im April 2013 als Angeklagter in München verantworten und dem Vorwurf der Bestechung stellen. Im August desselben Jahres wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Millionen US-Dollar eingestellt. Seit der Übernahme der Werbe- und Fernsehrechte Ende der 1970er Jahre hatte Ecclestone die Formel 1 wie kein Zweiter geprägt. Der nur knapp 1,60 Meter große Brite mit dem charakteristischen weißen Haar machte die Serie als machtvoller Geschäftsführer zu einem weltumspannenden und milliardenschweren Unternehmen. Ecclestone erschloss immer wieder neue Märkte, er schreckte dabei vor politisch umstrittenen Ländern und Machthabern nicht zurück. Mit seiner Meinung zu Diktaturen und anderen brisanten Aussagen sorgte er auch immer wieder für Unverständnis und Skandale. Im Januar 2017 wurde Ecclestone von den neuen Formel-1-Besitzern Liberty Media als Geschäftsführer abgesetzt. Zuletzt musste Ecclestone zurückrudern, nachdem er den russischen Präsidenten Wladimir Putin als «erstklassige Persönlichkeit» gelobt hatte, für die er noch immer «durchs Feuer gehen» würde. Es tue ihm leid. Er habe niemanden mit seinen Aussagen verärgern wollen.Es könnte eng werden für Ecclestone
Brisante Aussagen und Skandale
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Ecclestone vor Gericht: Gingen Millionen am Fiskus vorbei?
Eigentlich sollte die Untersuchung der britischen Steuerbehörde einen Schlussstrich ziehen unter «steuerliche Unregelmäßigkeiten» bei Bernie Ecclestone. Doch was die Ermittlungen zutage förderten, ist für den früheren Chef der Formel 1 äußerst brenzlig.
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