Sechs JVA-Beschäftigte, zehn Häftlinge, insgesamt 23 Verdächtige: Wieder ist es zu einem Bestechungsfall in einem Gefängnis gekommen. Nach jüngsten Fällen in Nordrhein-Westfalen ist nun die Justizvollzugsanstalt Bremen betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 23 Verdächtige, wie die Ermittler mitteilten. Im Zuge der Ermittlungen sind unter anderem zehn Wohnungen in Bremen und Niedersachsen sowie elf Gefängniszellen in der JVA Bremen-Oslebshausen durchsucht worden. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die JVA-Mitarbeiter diverse Gegenstände, darunter Kommunikationsgeräte, Lebensmittel und Drogen in das Gefängnis eingeschleust haben. Gefangene sollen die Gegenstände dort weiter verkauft oder verteilt haben. Die Ermittlungen richten sich den Angaben zufolge auch gegen zehn Häftlinge, die die Gegenstände in dem Gefängnis verteilt haben sollen. Wer die weiteren Verdächtigen sind, war zunächst nicht bekannt. Frank Passade, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, sprach von «Beschuldigten außerhalb dieses Dunstkreises der JVA». Die Beweismittel würden aktuell ausgewertet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zu der Frage, ob bei den Durchsuchungen Betäubungsmittel gefunden worden seien, könne er «aktuell noch gar keine Angaben machen». Die Staatsanwaltschaft wirft den Verdächtigen unter anderem Bestechung und Bestechlichkeit sowie das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Einigen wird Beihilfe zu den Taten vorgeworfen. So werde derzeit auch geprüft, ob möglicherweise Papier mit synthetischen Cannabinoiden getränkt und über eine in der JVA tätige Lehrerin in die JVA gebracht worden sei, erläuterte Passande. «Mit aller Kraft müssen wir uns wehrhaft zeigen, wenn Straftäter unsere Beschäftigten angehen und - wie hier - dazu bringen, verbotene Gegenstände in die Justizvollzugsanstalt zu schaffen», wurde die Bremer Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) in einer Mitteilung ihrer Behörde zitiert. «Korruption ist inakzeptabel und untergräbt die Fundamente der Justiz. Die heutige Aktion hat gezeigt, dass wir dagegen gemeinsam entschlossen vorgehen.» Für die Bediensteten, gegen die sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten, haben die Vorfälle bereits dienstrechtliche Folgen. Dazu zählen laut Mitteilung Hausverbote bis zur Klärung der Vorfälle und Freistellungen vom Dienst. «Wir brauchen jetzt eine rückhaltlose Aufklärung. Diese ist auch wichtig für die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt, die ihren Dienst einwandfrei und pflichtbewusst verrichten», sagte Schilling. Jüngst gab es vergleichbare Fälle in Nordrhein-Westfalen. Anfang Mai gab es eine Razzia in der Anstalt Euskirchen, wo mehrere Bedienstete gegen regelrechte «Bestechungs-Abos» - also monatsweise Bezahlung - Häftlinge unter anderem vor Kontrollen gewarnt haben sollen. Wenig später wurde ein Fall in der JVA Rheinbach bekannt. Dort wird laut Staatsanwaltschaft gegen fünf männliche und drei weibliche Justizbedienstete sowie aktuelle und ehemalige Inhaftierte ermittelt. Auch in zwei weiteren NRW-Gefängnissen, Siegburg und Willich, kam es zu Durchsuchungen. Die Opposition in Bremen forderte Aufklärung. «Die Vorwürfe wiegen schwer. Eine Justizvollzugsanstalt darf kein Umschlagplatz für Drogen, Mobiltelefone und andere verbotene Gegenstände sein - schon gar nicht unter möglicher Mitwirkung eigener Beschäftigter», sagte Simon Zeimke, justizpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, einer Mitteilung zufolge. «Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssen konsequente straf-, dienst- und disziplinarrechtliche Folgen gezogen werden. Das gilt auch für die weitere Zusammenarbeit mit einem möglicherweise beteiligten und öffentlich finanzierten freien Träger.» Marcel Schröder, Sprecher für Inneres der FDP-Fraktion Bremen und Vorsitzender des Rechtsausschusses, nannte die Vorwürfe «äußerst schwerwiegend» und forderte bei der Aufklärung «weder Vorverurteilungen noch falsche Rücksichtnahme».Ermittlungen auch gegen zehn Häftlinge
«Wir brauchen jetzt eine rückhaltlose Aufklärung»
Ähnliche Fälle in NRW
CDU: Bei Korruption im Justizvollzug keine Nachsicht
Bildnachweis: © Sina Schuldt/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Mehr als 20 Verdächtige - Bestechungsfall in Bremer JVA
In einem Bremer Gefängnis sollen Bedienstete Drogen und Lebensmittel für Inhaftierte geschmuggelt haben. In einem anderen Bundesland gibt es ähnliche Fälle.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 27. August 2026
Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
- 10. August 2026
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?
- 30. August 2026
Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen - Acht Tote
Wie konnte es zu dem Fährunglück mit mehreren Toten kommen? Auf Zypern wird der Kapitän des Schiffes festgenommen - viele Menschen werden noch vermisst.
Neueste Artikel
- 5. September 2026
Alphaville-Sänger kritisiert «Beschneidung» und warnt
Nach dem Hin und Her um einen Alphaville-Auftritt auf dem Glücksgefühle-Festival findet Sänger Marian Gold klare Worte: Er warnt vor rechtsradikalen Tendenzen und kritisiert die Veranstalter scharf.
- 5. September 2026
Forscher: Wasserdefizit in Deutschland verschlimmert sich
In Deutschland nehmen die Wasserreserven immer weiter ab. Nun machen Forscher deutlich, dass nicht fehlender Regen, sondern die steigenden Temperaturen dafür maßgeblich sind.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 5. September 2026
Alphaville-Sänger kritisiert «Beschneidung» und warnt
Nach dem Hin und Her um einen Alphaville-Auftritt auf dem Glücksgefühle-Festival findet Sänger Marian Gold klare Worte: Er warnt vor rechtsradikalen Tendenzen und kritisiert die Veranstalter scharf.
- 5. September 2026
Forscher: Wasserdefizit in Deutschland verschlimmert sich
In Deutschland nehmen die Wasserreserven immer weiter ab. Nun machen Forscher deutlich, dass nicht fehlender Regen, sondern die steigenden Temperaturen dafür maßgeblich sind.

