Nach dem Tod eines geliebten Menschen etwas von ihm zu behalten: Das wünschen sich viele Angehörige. Eine Möglichkeit ist, Diamanten aus der Asche des Verstorbenen fertigen zu lassen, die man dann an Ring, Armband oder Kette immer bei sich tragen kann. Die Bestattungskultur ist seit Jahren im Wandel und die Formen werden immer vielfältiger. Auch in Deutschland. Bisher waren Gedenkdiamanten aus der Asche von verstorbenen Menschen hier nicht erlaubt. Vor wenigen Wochen haben zwei Bundesländer diese Bestattungsform in neu gefassten Gesetzen legalisiert: Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Demnach kann ein kleiner Teil der Totenasche zur würdevollen Nutzung oder Weiterverarbeitung in Erinnerungsstücken entnommen und verwendet werden, heißt es. In Sachsen-Anhalt sind maximal fünf Gramm der Asche eines Toten festgelegt, um etwa daraus einen künstlichen Diamanten herzustellen. «Hauptsächlich geht es dabei darum, den Verstorbenen auf diese Weise näher bei sich zu behalten», sagt der Geschäftsführer vom Bestatterverband Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Christian Jäger. Die Nachfrage sei bisher konstant und liege im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Ob sie mit den neuen Gesetzen zunehmen werde, sei schwer zu sagen. Die Herstellung eines Diamanten aus Asche sei mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand verbunden, sagt der Kulturbeauftragte des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Simon J. Walter, in Düsseldorf. Und: je mehr Karat, desto teurer. Die Kosten beliefen sich auf mehrere tausend Euro, wobei der Einstiegspreis in der Regel bei circa 4.000 Euro liege. Und wie geht es? Zunächst wird aus der Asche Kohlenstoff extrahiert, wie der Geschäftsführer der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft in Idar-Oberstein, Tom Stephan, erklärt. Der Kohlenstoff wird zu Graphit umgewandelt und mit einem Keimkristall versetzt. Das wird hohen Temperaturen und hohem Druck ausgesetzt: Es kommt zum Wachstum von synthetischen Diamanten. Je nach gewünschter Größe könne das einige Tage bis mehrere Wochen dauern. Für einen solchen Erinnerungsdiamanten brauche es einiges an Kohlenstoff. «Das Fragliche ist immer, ob aus der Asche genügend extrahiert werden kann», sagt der Experte. Es könne also sein, dass im Prozess noch Kohlenstoff hinzugefügt werden müsse. Die Hersteller wiesen auch darauf hin. «Aber ungeachtet dessen: Wenn es im Trauerprozess hilft und der synthetische Diamant eine tolle Erinnerung an den Verstorbenen ist, ist es schon etwas Besonderes. Ich gehe schon davon aus, dass die Nachfrage da ist», sagt Stephan. Ein Diamant stehe für die Ewigkeit. «Nichts ist härter als der Diamant.» Auch vor der Änderung des Bestattungsgesetzes habe man einen solchen Gedenkdiamanten bekommen können, sagt Nico Schmidt vom Bestattungshaus Martin Loch im rheinland-pfälzischen Trier. Man habe die Aschenkapsel zum Beispiel in die Schweiz geschickt, wo es Unternehmen dafür gebe. Dort sei dann ein Teil der Asche entnommen, zum Schmuckstück gefertigt und zurückgeschickt worden. Mit der Legalisierung dürfe man nun in Rheinland-Pfalz einen Teil der Asche entnehmen und ihn an die Anbieter schicken – und müsse nicht mehr die komplette Urne schicken. Er schätzt die Nachfrage wegen der hohen Kosten gering ein. Und: Der Rest der Asche müsse trotzdem noch beigesetzt werden. Was oft vorkomme, sei Schmuckstücke mit dem Fingerabdruck des Verstorbenen anfertigen zu lassen, sagt Schmidt. Man nehme den Abdruck in Spezialwachs. Es gebe Hersteller, die gravierten die Abdrücke dann entweder in neue Schmuckstücke oder in Schmuck, den man schon habe. «Es ist einfach etwas, was bleibt», sagt Bestatterin Ulrike Grandjean. Auch sie habe oft Anfragen nach Schmuckstücken mit Fingerabdruck. Das sei deutlich günstiger als ein Diamant, den man auch aus Haaren herstellen lassen könnte, sagt sie. Generell wichtig sei es, in Verfügungen beim Bestatter festzuhalten, was nach dem Tod passieren soll. Auch mit der Asche: Es müsse genau geregelt sein, wer einen Teil zur Fertigung eines Schmuckstücks bekomme, sagt Grandjean, die auch stellvertretende Vorsitzende des Bestatterverbands Rheinland-Pfalz ist. Mit dem neuen Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz kann die Asche jetzt auch im Garten verstreut werden. Später könne nicht mehr nachgewiesen werden, ob ein künstlicher Diamant mit der Asche des Verstorbenen hergestellt wurde oder nicht, sagt Edelstein-Experte Stephan. Er habe schon Fälle im Labor gehabt, da hätten Enkel wissen wollen, ob ein Diamant «aus der Asche der Oma» hergestellt worden sei. «Wir können nur nachweisen, dass da Kohlenstoff drin ist wie in jedem synthetischen Diamanten.» Künstlich hergestellte Diamanten seien generell auf dem Vormarsch. «Es gibt sie erst seit wenigen Jahren in Schmuckqualität und günstig», sagt er. Der Händlerpreis für ein Karat liege bei um die 120 Euro. «Die Nachfrage ist sehr hoch, weil quasi jetzt jeder Diamanten tragen kann.»Herstellung ist aufwendig und teuer
Anbieter in der Schweiz und Österreich
Schmuckstücke mit Fingerabdruck des Verstorbenen
Diamant «aus der Asche der Oma»?
Bildnachweis: © Harald Tittel/dpa
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Über den Tod hinaus: Wenn aus Asche ein Gedenkdiamant wird
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