Erstmals soll ein sogenanntes GLP-1-Medikament zum Abnehmen in Deutschland auch in Form von Tabletten in die Apotheken kommen. Als Abnehmspritze gibt es das Mittel mit dem Wirkstoff Semaglutid (Handelsname Wegovy) schon länger. Wichtige Aspekte im Überblick: Die Markeinführung in Deutschland ist für 1. September geplant, wie eine Sprecherin des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. «Wir haben ausreichend Ware verfügbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.» Novo Nordisk ist auch Hersteller von Abnehmspritzen. Die Europäische Union hatte die Zulassung für die Wegovy-Tabletten im Juli erteilt. «Wir gehen von einer hohen Nachfrage aus, deshalb werden Apotheken ab 1. September auch ausreichend bevorratet sein, sofern der Hersteller rechtzeitig ausreichend Ware zur Verfügung stellt», sagte Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Wichtig sei es dann vor allem, die Patienten zur korrekten Anwendung, zu möglichen Nebenwirkungen sowie zu Besonderheiten der Einnahme zu beraten. Die Abnehmmedikamente seien bei vielen Patientinnen und Patienten ein Thema, sagte Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Das liege auch an der großen medialen Präsenz. «Es ist immer gut, wenn sich die Menschen mit ihren Fragen direkt an uns Hausärztinnen und Hausärzte wenden, denn dann können wir im persönlichen Gespräch darüber aufklären, für wen das Medikament überhaupt infrage kommt, und welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen», rät er. Zugelassen sind die Tabletten für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Betroffene brauchen dafür ein Rezept vom Arzt, einfach so bekommt man das Medikament in der Apotheke nicht. Die Kosten müssen Patientinnen und Patienten in Deutschland bislang selbst tragen. Denn: Abnehmmittel gelten in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind daher keine Leistung der Krankenkasse. Bislang kostet die Behandlung mit den Abnehmspritzen einige Hundert Euro pro Monat. Es gibt allerdings Diskussionen darüber, ob die Behandlung für bestimmte Patientengruppen mit Adipositas doch zur Kassenleistung werden sollte. Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von den Krankenkassen übernommen. Genauso wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Die Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem bleibt die Nahrung länger im Magen, was das Sättigungsgefühl zusätzlich verlängert. Die Patienten essen insgesamt weniger und nehmen dadurch ab. Ja, die Effekte auf das Gewicht seien vergleichbar, sagte Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers (SMC). Der wesentliche Vorteil sei, dass Patientinnen und Patienten nun die Wahl hätten, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugten. Manche hätten zum Beispiel Angst vor Spritzen. Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung und der Dosierung. Die Spritze muss nur einmal pro Woche angewandt werden, die Tablette muss jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dürfen danach 30 Minuten lang kein Essen, Trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) informiert. Außerdem ist die Dosis der Tabletten deutlich höher. Das liegt daran, dass Magen und Dünndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen, wie Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, erklärte. «Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.» Endokrinologin Meyer ergänzte, die Spritzentherapie könne bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, für die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfügbar sein. Studienergebnisse zur Abnehmspritze hatten gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen. Die Gewichtsabnahme liege bei etwa 10 bis 12 Kilo, so Hauner. Experten betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht reiche, um das Gewicht dauerhaft zu halten. «Es ist keine alleinstehende Therapie», erklärte Meyer, die Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinären Adipositaszentrum der Charité ist. Wichtig sei eine ärztliche Begleitung sowie Therapien für Ernährung, Bewegung und Verhalten. Eine britische Studie zur Abnehmspritze, die im März veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass Patienten nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig bewahren. Demnach waren ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf. Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung auftreten, so Meyer. Bisherige Studien zu Abnehmmitteln mit GLP-1-RA hätten gezeigt, dass die Nebenwirkungen meist mild bis moderat und selten schwer sind. Hauner und Meyer sehen Online-Angebote sehr kritisch. Es gebe keine gute ärztliche Betreuung, in der Regel gehe es den Anbietern darum, Geld zu machen, sagte Hauner. Auch die ABDA warnt vor «dubiosen Online-Angeboten».Ab wann sind die Abnehmtabletten in Deutschland verfügbar?
Wie bereiten sich die Apotheken darauf vor?
Was sagen die Hausärzte?
Für wen kommt das Medikament infrage?
Wie wirken die Tabletten?
Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?
Und wo gibt es Unterschiede?
Wie groß ist der Effekt?
Gibt es Nebenwirkungen?
Was sagen die Experten zu Online-Angeboten für die Abnehmpille?
Bildnachweis: © Annette Riedl/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Abnehmtablette kommt in deutsche Apotheken - Ein Überblick
Die Abnehmspritze gibt es in Deutschland schon länger. Ab September soll es ein solches Medikament auch in Form von Tabletten geben. Das gilt es zu beachten.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Rheda-Wiedenbrück App?
Meistgelesene Artikel
- 27. August 2026
Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
- 10. August 2026
Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?
- 30. August 2026
Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen - Acht Tote
Wie konnte es zu dem Fährunglück mit mehreren Toten kommen? Auf Zypern wird der Kapitän des Schiffes festgenommen - viele Menschen werden noch vermisst.
Neueste Artikel
- 4. September 2026
45,7 Grad: Spaniens heißester Tag seit Jahresbeginn
Mit 45,7 Grad meldet Spanien die Einstellung eines Hitzerekords für September. Der Wert wurde in Andalusien gemessen. Auch in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen ungewöhnlich hoch bleiben.
- 4. September 2026
FBI setzt deutschen Betrüger auf «Most Wanted»-Liste
Jahrelang hatte ein Deutscher seine Opfer in den USA zu Investitionen in vermeintliche Technologie überredet. Mit dem gesammelten Geld hatte er allerdings laut FBI andere Ziele im Kopf.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 4. September 2026
45,7 Grad: Spaniens heißester Tag seit Jahresbeginn
Mit 45,7 Grad meldet Spanien die Einstellung eines Hitzerekords für September. Der Wert wurde in Andalusien gemessen. Auch in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen ungewöhnlich hoch bleiben.
- 4. September 2026
FBI setzt deutschen Betrüger auf «Most Wanted»-Liste
Jahrelang hatte ein Deutscher seine Opfer in den USA zu Investitionen in vermeintliche Technologie überredet. Mit dem gesammelten Geld hatte er allerdings laut FBI andere Ziele im Kopf.

