Rheda-Wiedenbrück. Für eine bis auf den letzten Platz gefüllte Cafeteria „EssBares“ im Haus der Ausbildung Am Sandberg sorgte das aktuelle Forum des gemeinnützigen Vereins Pro Arbeit. Mit einem Einstiegsvortrag von Dr. Markus Miele und ergänzenden Kurz-Statements aus Sicht von Kreiswirtschaftsförderung und Gewerkschaften standen die vielfältigen Herausforderungen an Arbeit und Wirtschaft im Raum Gütersloh im Fokus der Veranstaltung.
Pro Arbeit-Vorstandsvorsitzender Klaus Brandner hob in seiner Begrüßung die besondere Bedeutung von Arbeit und das darauf beruhende Engagement des heimischen Vereins hervor: „Arbeit bedeutet für die Menschen nicht nur Broterwerb, sondern auch Sinnstiftung, Wertschätzung und Teilhabe.“ Die Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote bei Pro Arbeit seien darauf ausgerichtet, unterschiedlichsten Personenkreisen, etwa jungen Menschen, Langzeitarbeitslosen oder geflüchteten Menschen, diese Teilhabe zu ermöglichen.
„Wir müssen handeln!“, fasste Carsten Schoßmeier, Chefredakteur von Radio Gütersloh und Moderator der Veranstaltung, angesichts der schwierigen Entwicklungen von Arbeit und Wirtschaft auch in unserer industriestarken Region zusammen.
Dr. Markus Miele, Geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe, bestätigte in seinem Vortrag die Notwendigkeit, den längst stattfindenden Wandel aktiv mitzugestalten und definierte mit der Digitalisierung, dem demografischen Wandel und Fachkräftemangel sowie ökologischen Anforderungen vier große Herausforderungen unserer Zeit.
Als Facetten einer veränderten Arbeitswelt und neuer Wettbewerbsbedingungen ging der Referent neben der zunehmenden „Regulatorik“ durch den Gesetzgeber vor allem auf die Auswirkungen der Digitalisierung und speziell der Künstlichen Intelligenz ein. „Die Art der Arbeit, des Lernens und des Führens verändert sich durch KI“, betonte Miele. „Lebenslanges Lernen wird noch wichtiger als bisher.
Das führt zu einem hohen Anpassungsdruck für Unternehmen, aber auch für die Beschäftigten.“ Wichtig sei, dass der Mensch im Zentrum bleibe und niemand zurückgelassen werde. KI könne helfen, den Wandel zu gestalten und sei damit Chance und Herausforderung zugleich. „Zukunft passiert nicht einfach!“, schloss Miele seinen Einstiegsvortrag. „Wir gestalten sie mit dem, was wir heute und morgen tun.“
Nikola Weber, Geschäftsführerin der pro Wirtschaft GT GmbH, bestätigte in ihrem Kurz-Statement aus Sicht der Kreiswirtschaftsförderung die Wichtigkeit der von Dr. Markus Miele hervorgehobenen aktuellen Herausforderungen und insbesondere seine Aussage zur aktiven Gestaltung der Zukunft: „Wir sind bereits mittendrin im Wandel und müssen da mitmachen, wo wir selber die Stellschrauben in der Hand haben.“ Die Digitalisierung sei dabei als „Beschleuniger des Fortschritts“, den man dringend brauche, von großer Bedeutung.
Um die Entwicklungen in Zeiten eines Fach- und Arbeitskräftemangels erfolgreich zu bewältigen, brauche es etwa die intensivere Einbindung der großen Anzahl an Teilzeitbeschäftigten, Zuwanderung, mehr Engagement für die Ausbildung sowie eine gezielte Qualifizierung von Beschäftigten zur Anpassung der Fähigkeiten an die veränderten Anforderungen der Arbeitswelt. Dabei sah sie Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen in der Pflicht.
Aus Sicht von Pro Arbeit wies Vorstandsvorsitzender Klaus Brandner darauf hin, dass für diese notwendige Qualifizierung, die außerhalb der Unternehmen insbesondere auch die stetig wachsende Gruppe der langzeitarbeitslosen Menschen betreffe, kaum finanzielle Fördermittel zur Verfügung stünden, mit denen die Bedarfe abgedeckt werden könnten.
Meldungen von abgebauten Arbeitsstellen aufgrund der Einführung von KI verunsichere die Menschen darüber hinaus, wenngleich die Zahl der zeitgleich neu entstehenden Jobs deutlich höher sei: „Das zeigt, wie wichtig es ist, die Menschen rechtzeitig gezielt zu qualifizieren und wenn möglich über funktionierende Netzwerke passgenau in die Arbeitswelt zu vermitteln. Zudem müssen wir Integrations- und arbeitspolitische Erfolge auch sichtbar machen, um das Vertrauen in den gelingenden Wandel zu stärken.“
Hans-Werner Heißmann-Gladow, ehemaliger Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, gab die Bedeutung einer sozialverträglichen Umsetzung der notwendigen Veränderungen in den Unternehmen zu bedenken: „Dort, wo Mitbestimmung und ein gutes Miteinander gelebt werden, herrscht bei den Beschäftigten weniger Verunsicherung und mehr Bereitschaft, den Wandel aktiv mitzutragen.“
Auch sah er die rund 80 Prozent der Unternehmen in der Pflicht, die keine eigenen Fachkräfte ausbilden, sich mehr für die Ausbildung zu engagieren und allgemein Azubis bessere Perspektiven zu bieten: „3,5 Millionen Menschen ohne Ausbildung sind ein wertvolles Potenzial! Auch diese Menschen begleitet und fördert Pro Arbeit mit verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen, überbetrieblichen Ausbildungsangeboten und mehr.“
Um das Vertrauen der Menschen in den Veränderungsprozess zu stärken, müsse man diesen Prozess erlebbar machen, forderte Klaus Brandner abschließend. Dr. Markus Miele wies auf die Notwendigkeit hin, Beschäftigten den Wandel von Arbeit und Wirtschaft auch „schmackhaft“ zu machen: „Man muss den Menschen einen Sinn geben und die eigenen Vorteile aufzeigen, dann brennen sie auch!“
BU: (v. l.) Wolfgang Draeger (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bielefeld und Gütersloh), Dr. Markus Miele (Geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe), Carsten Schoßmeier (Chefredakteur Radio Gütersloh), Klaus Brandner (Vorstandsvorsitzender Pro Arbeit e. V.), Nikola Weber (Geschäftsführerin pro Wirtschaft GT GmbH) und Hans-Werner Heißmann-Gladow (ehemaliger Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes) im Gespräch über den Wandel von Arbeit und Wirtschaft im Raum Gütersloh.

