Rheda-Wiedenbrück. Mehr als 1.000 Menschen im Kreis Gütersloh gelten als langzeitarbeitslos – rund ein Viertel von ihnen seit über fünf Jahren. Wie kann gesellschaftliche Teilhabe dennoch gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines hochrangig besetzten Dialogs beim gemeinnützigen Verein Pro Arbeit.
Zu Gast waren unter anderem Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling sowie Wolfgang Draeger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bielefeld. Auch die Leitungen der Fachbereiche Soziales mehrerer Kommunen nahmen teil.
„Wir müssen Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren“
Bei einem Rundgang durch den Standort in der Ringstraße stellte Vorstandsvorsitzender Klaus Brandner die sogenannten „Zweckbetriebe“ vor: Recyclinghof, Fahrradwerkstatt und Secondhand-Kaufhäuser. Dort werden erwerbslose und geflüchtete Menschen praxisnah qualifiziert und schrittweise an den Arbeitsmarkt herangeführt.
Gleichzeitig leisten die Projekte einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz – durch fachgerechtes Recycling, Wiederverwendung und Müllvermeidung.
Doch die Herausforderungen wachsen. „In den vergangenen Jahren beobachten wir einen kontinuierlichen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit“, betonte Brandner. Sinkende Fördermittel erschwerten die Arbeit zunehmend. Ohne dauerhafte Unterstützung hätten viele Betroffene kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Breites Netzwerk gefordert
Regierungspräsidentin Bölling würdigte das Engagement als wichtigen Baustein für den sozialen Arbeitsmarkt in Ostwestfalen. Sie zeigte sich beeindruckt von der Angebotsvielfalt und den messbaren Erfolgen. Auch Wolfgang Draeger unterstrich die Bedeutung der Arbeit und verwies auf verbesserte Fördermöglichkeiten bei betrieblichen Weiterbildungen.
Einigkeit herrschte darüber, dass erfolgreiche Beispiele stärker öffentlich sichtbar gemacht werden müssten. „Viele Vermittlungen zeigen, dass unser Angebot wirkt“, so Brandner. Arbeit bedeute mehr als Einkommen – sie sei Grundlage für Selbstwert, Struktur und gesellschaftliche Teilhabe. Um Menschen langfristig Perspektiven zu eröffnen, braucht es stabile Förderstrukturen, politische Unterstützung und ein starkes regionales Netzwerk.
Fotocredits: Pro Arbeit
