Digitale Stimmungsabfrage: Für viele ist die Innenstadt wegen der Baustelle kaum noch erreichbar. Über 400 Menschen aus Rheda-Wiedenbrück nehmen an Umfrage teil – 70 Prozent meiden derzeit die Innenstadt.
Die aktuelle Großbaustelle rund um den Innenstadtbereich von Rheda-Wiedenbrück sorgt offenbar für spürbare Veränderungen im Alltagsverhalten der Bürgerinnen und Bürger. Das zeigt eine digitale Stimmungsabfrage, die wir als Lokalpioniere Anfang Juli über unsere Instagram-Story gestartet haben. Innerhalb kurzer Zeit beteiligten sich über 400 Menschen aus der Stadt. Das Ergebnis ist deutlich: 70 Prozent gaben an, dass sie die Wiedenbrücker Innenstadt aktuell nicht mehr oder nur stark eingeschränkt aufsuchen.
Obwohl es sich bei der Umfrage nicht um eine repräsentative Erhebung im statistischen Sinne handelt, liefert sie ein aussagekräftiges Meinungsbild aus der aktiven, lokal verbundenen Community. In Zeiten, in denen klassische Beteiligungsformate oft nur wenige Rückmeldungen erhalten, sind 400 Stimmen aus der Stadtbevölkerung ein ernstzunehmender Impuls.
Auswirkungen auf den Handel sind spürbar
Dass die Baustelle Unmut verursacht, war bereits in Gesprächen mit Einzelhändlern, Gastronomiebetrieben und Besucherinnen der Stadt zu hören. Die nun öffentlich gewordenen Zahlen bestätigen diesen Eindruck und werfen die Frage auf, wie groß der wirtschaftliche Schaden für die Unternehmen tatsächlich ist. Denn wer die Innenstadt meidet, kauft auch seltener spontan ein oder nimmt lokale Dienstleistungen in Anspruch.
Besonders betroffen sind dabei kleine Läden, inhabergeführte Betriebe und gastronomische Angebote, die auf Laufkundschaft und Sichtbarkeit angewiesen sind. Wenn Kundinnen und Kunden die Innenstadt als schwer erreichbar wahrnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie alternative Einkaufsorte oder Online-Angebote nutzen. Das führt zu Umsatzeinbußen oder langfristigen Standortnachteilen, wie es auch bei der Baustelle an der Hauptstraße der Fall ist.
Die aktuelle Situation ist dabei nicht nur für die Einheimischen problematisch, sondern stellt auch eine echte Gratwanderung für Besucherinnen, Besucher und Touristinnen dar, die sich in der Stadt nicht auskennen. Wer zum ersten Mal in Rheda-Wiedenbrück unterwegs ist, findet aktuell kaum eine Orientierung oder klare Wegeführung. Das kann den Eindruck von Gastfreundlichkeit und Offenheit deutlich beeinträchtigen.
Situation hat sich durch Ausweitung der Baustelle zugespitzt
Die Wahrnehmung der Einschränkungen hat sich in den letzten Tagen deutlich verschärft, insbesondere durch die Weiterwanderung der Baustelle bis in die Wasserstraße und Marienstraße. Diese zentralen Verbindungsachsen sind für viele Besucherinnen und Besucher essenziell, um Geschäfte, Cafés und Dienstleister in der Innenstadt zu erreichen. Mit der Sperrung dieser Bereiche ist für viele Menschen die praktische Erreichbarkeit der Innenstadt stark eingeschränkt, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto.
Keine ausreichende Information oder Beschilderung
Hinzu kommt, dass keine ausreichende Beschilderung zur alternativen Erreichbarkeit der Innenstadt erkennbar ist. Vereinzelte Hinweise oder Schilder gibt es bislang nicht, weder an den Zufahrten noch im Innenstadtbereich selbst. Viele Menschen berichten von Verwirrung über Umleitungen, nicht nachvollziehbaren Absperrungen und fehlenden Orientierungshilfen.
Eine erste Rückmeldung aus dem lokalen Handel kommt von Dan vom Oak Conceptstore. Er beschreibt die Lage differenziert: "Es gab im Vorfeld mehrere Infoabende, auf denen der Ablauf und die Verkehrsführung vorgestellt wurden. Die Erreichbarkeit der Marienstraße ist aus unserer Sicht aktuell gut gelöst. Auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen haben wir bisher nicht bemerkt."
"Ich war im Vorfeld auch etwas nervös, aber bisher können wir im Geschäft keinen spürbaren Rückgang feststellen. Zwar wurden auf den Infoabenden keine konkreten Hilfen angeboten, aber die Stadt wirkt offen für Vorschläge zur Unterstützung – so habe ich es zumindest wahrgenommen."
Dans Einschätzung zeigt: Nicht alle Betriebe sind im selben Maße betroffen. Es gibt auch konstruktive Erfahrungen mit der Kommunikation durch die Stadt. Dennoch bleibt die Lage für viele Unternehmen herausfordernd, wie weitere Stimmen aus der Händlerschaft in den nächsten Tagen zeigen werden.
Ein Appell an die Stadtgemeinschaft
Auch wenn die Einschränkungen real sind, eines bleibt: Die lokalen Geschäfte, Cafés und Dienstleister sind weiterhin für die Menschen da. Umso wichtiger ist es, dass sich die Stadtgemeinschaft solidarisch zeigt. Wer bewusst vor Ort einkauft, stärkt nicht nur die Innenstadt, sondern trägt auch dazu bei, dass sie lebendig bleibt - trotz Baustelle.
Vielleicht ist gerade jetzt ein kleiner Umweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad der entscheidende Beitrag, um die Akteure in der Innenstadt zu unterstützen. Auch wenn der gewohnte Weg aktuell erschwert ist. Es sind genau diese alltäglichen Besuche, die in solchen Phasen den Unterschied machen. Für den Fortbestand der Geschäfte, die Lebensqualität im Stadtzentrum und das Miteinander in Rheda-Wiedenbrück.

