11. Dezember 2025 / Lokalnachrichten Rheda-Wiedenbrück

Großbaustelle gefährdet Umsatz der Unternehmen in Rheda-Wiedenbrück

Die Gewerbetreibenden in Rheda-Wiedenbrück blicken mit großer Sorge auf die umfangreiche Großbaustelle zwischen Wiedenbrück und Rheda (Hauptstraße).

Gruppenfoto betroffener Unternehmer und Vertreter an der Großbaustelle Hauptstraße in Rheda-Wiedenbrück, die über Umsatzeinbußen und Verkehrsprobleme sprechen
Veröffentlicht am 11. Dezember 2025 um 13:15 Uhr von Reyna Baum (reba)

Die Gewerbetreibenden in Rheda-Wiedenbrück blicken mit großer Sorge auf die umfangreiche Großbaustelle zwischen Wiedenbrück und Rheda (Hauptstraße). Die Sanierungsmaßnahmen umfassen die vollständige Erneuerung der Straße – inklusive Fahrbahndecke, Gehwegen, Bordsteinen, Entwässerung, Kanal, Stromleitungen und Beleuchtung.

Für viele Betriebe bedeutet dies massive wirtschaftliche Einbußen. Auch das traditionsreiche Gartencenter Setzer an der Feldstraße 1 ist stark betroffen. Uwe Richarz der seit 38 Jahren im Betrieb ist, erläutert: „Seit Oktober 2024 ist die Hauptstraße mit einer Wanderbaustelle gesperrt. Das sorgt hier bei uns seit über einem Jahr für einen massiven Rückgang an Kundschaft und macht dem Betrieb das wirtschaftliche Leben sehr schwer.“

Ein zentrales Problem: Viele Kundinnen und Kunden aus Richtung Wiedenbrück, Rietberg, Langenberg und den umliegenden Orten wissen nicht mehr, wie sie das Gartencenter erreichen können. „Viele sind irritiert. Ich bekomme täglich Anrufe: ‚Wie komme ich heute zu Ihnen?‘“, so Richarz. Die ausgewiesenen Umleitungen – etwa über die Ringstraße – seien verstopft und führten zu Staus. „Für viele ist die Anfahrt zu kompliziert und zeitaufwendig. Und alles, was schwierig und unbequem ist, mögen die Kunden verständlicherweise nicht.“ Besonders bitter: Ein großer Teil der Stammkundschaft kommt traditionell aus Wiedenbrück – genau jenem Bereich, der aktuell am stärksten betroffen ist.

Während die Einnahmen einbrechen, laufen die Kosten weiter: Personal, Energie und laufende Betriebsausgaben müssen gedeckt werden. „Mein Team hält mir in dieser Zeit großartig den Rücken frei. Aber die Kosten bleiben und das Geld fehlt.“ Richarz erklärt, sein Betrieb habe in Jahrzehnten schon einige Herausforderungen gemeistert: „Es gab immer mal wieder schwere Zeiten. Vieles haben wir schnell und gut überstanden. Aber so eine große Barriere für unseren Geschäftsbetrieb hatten wir in 55 Jahren noch nie.

Der Durchgangsverkehr fällt komplett weg.“ Zwar erhalte er über persönliche Kontakte viele Informationen zur Baustelle, doch im Alltag helfe das nicht weiter: „Ich weiß dann, wo aktuell gearbeitet wird und wie lange es dauert. Aber das bringt uns wirtschaftlich nicht weiter.“ Auch andere Betriebe entlang der Hauptstraße, der Mühlenstraße und des Feldhüserwegs sind betroffen – darunter Wohnstore Westermann, der Hit-Markt, Musterring, Westfalen-Rost, Matratzen Otterpohl, die Tank-Technik-Handel Meiwes GmbH und Supperschnäppchen. Sie alle leiden seit Monaten unter eingeschränkter Erreichbarkeit, Umsatzverlusten und Existenzängsten.

Treffen am 28. November: Händler suchen Austausch mit Verantwortlichen

Am 28. November trafen sich die Unternehmen mit Vertreterinnen und Vertretern des Kreises Gütersloh, der Stadt Rheda-Wiedenbrück (Fachbereich Tiefbau) sowie des Eigenbetriebs Abwasser. Grundsätzlich gelten Baumaßnahmen als Investition in die Zukunft und steigern langfristig die Attraktivität der öffentlichen Infrastruktur.

Kurzfristig stellen sie Gewerbetreibende jedoch vor große Herausforderungen: Lärm, Schmutz, fehlende Parkmöglichkeiten und komplizierte Umleitungen wirken sich unmittelbar auf Besucherzahlen und Umsätze aus. Gerade die Dauer einer Baustelle kann zu existenziellen Risiken führen. Für Klaus Westermann vom Wohnstore Westermann geht es zu langsam voran: „Wir sehen dort keinerlei Fortschritte – es wird ganz offensichtlich viel zu wenig Personal eingesetzt.“

Er fordert eine höhere Priorisierung der Baustelle. „Wenn wir einen Auftrag haben, der bis zu einem bestimmten Termin fertig sein muss, setzen wir mehr Mitarbeiter ein oder arbeiten notfalls samstags oder abends.“ „Ich weiß, dass die Baustelle notwendig ist. Aber ich wünsche mir, dass sie schneller vorangeht – und vor allem mehr Kommunikation an die Bürger: Was ist der aktuelle Stand? Wo wird gearbeitet? Wie kommt man wohin?“, fordert Richarz. Die Verantwortlichen beantworteten die Fragen der Unternehmer und machten deutlich, dass auch ihnen durch gesetzliche Vorgaben, Vorschriften und die Koordination mit Versorgern Grenzen gesetzt seien. Ein großes Problem bleibe außerdem der Fachkräftemangel. „Wenn ich an das Weihnachtsgeschäft denke – das ist eine Katastrophe“, ergänzt Gisela Otterpohl.

Silvia Merkentrup, Sachgebietsleiterin Straßenbau beim Kreis Gütersloh, verweist auf den bestehenden Bauzeitenplan. Man arbeite eng mit den beteiligten Firmen zusammen, um die insgesamt acht Millionen Euro teure Sanierung so zügig wie möglich umzusetzen. Die Firmen hielten sich bislang an die vereinbarten Zeitvorgaben, berichtet Michael Duhme. „Wenn sie länger brauchen, verlieren sie Geld“, so der Leiter des Fachbereichs Tiefbau. Zudem sei die Maßnahme unumgänglich gewesen: Marode Abwasser- und Regenkanäle sowie die stark beschädigte Fahrbahn hätten eine umfassende Sanierung notwendig gemacht.


Gemeinsame Lösungsansätze

Im konstruktiven Austausch wurden konkrete Verbesserungsansätze besprochen. Besonders wichtig ist den Unternehmen eine deutlich klarere Kommunikation nach außen, die Bürgerinnen und Bürger transparent informiert: Welche Abschnitte sind befahrbar? Welche Umleitungen gelten aktuell? Was ist möglich – und was nicht?

Zudem sollen nicht mehr benötigte Absperrungen nach Rücksprache mit der Baufirma und der Verkehrsabteilung zeitnah entfernt werden. „Am Ende entscheidet die Geschwindigkeit“, fasst Hit-Markt-Leiter Jürgen Hötte die Stimmung zusammen. „Je schneller der Baustellenbereich verschwindet, desto besser für uns alle.“ Mit Blick auf den dritten Bauabschnitt warnt Hötte: „Wenn dieser beginnt, ist ganz Rheda abgeschnitten – für Wiedenbrück wird es dagegen wieder einfacher.

Bitte berücksichtigen Sie das bei der Planung der Umleitungen. Vielleicht ergibt sich dadurch die Chance, dass dieser Abschnitt schneller umgesetzt wird.“ Die Verantwortlichen sagten zu, weiterhin im engen Austausch zu bleiben. „Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen oder Sorgen haben. Wir wollen Ihnen keine Steine in den Weg legen. Alles, was machbar ist, versuchen wir umzusetzen.“

Was die Bürger tun können: Lokalen Einzelhandel unterstützen
Seit 1970 steht das Gartencenter Setzer für Qualität, Fachkompetenz und persönliche Beratung. Besonders zur Weihnachtszeit lädt das Geschäft mit liebevoll dekorierten Ausstellungen und kreativen Ideen zum Stöbern ein.
Angebote in der Adventszeit:

· Großer Weihnachtsbaumverkauf
· Handgemachtes zu Advent & Weihnachten
· Adventsausstellung

Trotz aller Belastungen möchte das Gartencenter optimistisch bleiben. „Wir werden weitermachen. Wir hoffen, dass die Kundinnen und Kunden uns weiter unterstützen und dass wir diese lange Baumaßnahme überstehen“, sagt Uwe Richarz. Auch Christina Meiwes von Meiwes Tank-Technik betont: „Ein bisschen Optimierung haben wir jetzt schon erreicht, und die Kommunikation klappt – darüber bin ich sehr dankbar. Wir kämpfen um jeden einzelnen Kunden. Wir geben nicht auf!“

Alle Unternehmer sind sich einig: Ihr besonderer Dank gilt der treuen Stammkundschaft, die sie trotz der Baustelle weiterhin unterstützt. Gemeinsam hoffen sie, dass sich auch wieder mehr Kundinnen und Kunden trauen zu kommen, denn damit stärken sie den Einzelhandel und erhalten die wichtige persönliche Beratung vor Ort.

Artikel und Bilder: Reyna Baum (reba)

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