10. Dezember 2025 / Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Ein Leben in Farbe

Beim Betreten des Firmensitzes des Malerfachbetriebs Füllkrug am Eckernkamp fällt der Blick sofort auf eine Vitrine...

Veröffentlicht am 10. Dezember 2025 um 10:39 Uhr von Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Wer den Firmensitz des Malerfachbetriebs Füllkrug am Eckernkamp betritt, wird von einer Vitrine empfangen, die die Geschichte des Traditionsunternehmens auf bemerkenswerte Weise sichtbar macht. Mechanische Rechenmaschinen, Struktur- und Musterwalzen aus verschiedenen Epochen, sorgfältig gepflegte historische Pinsel und ein altes Kassenbuch stehen dort nebeneinander. Sie zeigen, wie Handwerk sich verändert – und wie beständig es doch bleibt. Gesammelt wurden diese Gegenstände von einem Mann, der diese Entwicklung über Jahrzehnte mitgestaltet hat: Wolfgang Füllkrug wird in diesem Jahr mit dem Eisernen Ehrenmeisterbrief für sein 65-jähriges Meisterjubiläum ausgezeichnet.

Schon früh wurde deutlich, dass er nicht nur ein Handwerker, sondern ein Gestalter ist. Als er im zweiten Lehrjahr war, wurde gerade die Farbrolle erfunden. Er erinnert sich lebhaft daran, wie die Auszubildenden die neue Technik sofort annahmen und plötzlich „sogar schneller waren als die älteren Kollegen“. Diese Mischung aus Neugier und Pragmatismus wurde zu einer seiner stärksten Eigenschaften.

Ein Blick über den Tellerrand

Mit 20 Jahren zog es ihn ins Ausland. Ein Jahr in der Schweiz prägte ihn nachhaltig. Dort erlebte er ein Handwerk, das vielerorts noch stärker an traditionellen Arbeitsweisen festhielt. Tapezierarbeiten waren kaum verbreitet, während sie in Deutschland längst zum gängigen Leistungsbild gehörten. „Handwerk war dort noch traditioneller“, sagt er rückblickend und fügt hinzu, dass er seinen Kollegen das Tapezieren zeigen konnte. Dieses Weitergeben von Wissen, dieses Miteinander im Handwerk, hat ihn immer begleitet.

Als sein Vater Oskar Anfang der 1970er Jahre plötzlich verstarb, übernahm Wolfgang Füllkrug den Betrieb. Die wirtschaftliche Lage war zwar angespannt, Aufträge reichten zeitweise nur für zwei bis drei Wochen im Voraus, aber die Existenz des Unternehmens stand nie infrage. Er führte den Betrieb mit ruhiger Hand sicher durch diese Phase, ohne Dramatik, aber mit entschlossener Verantwortung. Dass es wieder aufwärtsging, führt er bis heute auf eine Mischung aus Qualität, Beständigkeit und Vertrauen der Kunden zurück.

Mehr als vier Jahrzehnte lang leitete er das Unternehmen und begleitete 1980 auch den Umzug an den heutigen Standort am Eckernkamp. Bis zu seinem 78. Lebensjahr arbeitete er aktiv im Betrieb mit, bevor er 2015 an seine Tochter Dorothea Füllkrug-Seliger übergab. Die Übergabe verlief harmonisch, getragen von gegenseitigem Respekt und einem tiefen Bewusstsein für die Verantwortung, die mit einem Familienbetrieb einhergeht.

Innungsarbeit aus Überzeugung

Neben seiner Rolle als Unternehmer war Wolfgang Füllkrug über viele Jahre hinweg auch ein prägender Gestalter der Innungsarbeit. Mehr als 30 Jahre lang engagierte er sich als Lehrlingswart und zehn Jahre als stellvertretender Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung. In dieser Zeit setzte er sich mit besonderer Fürsorge für junge Menschen ein. „Wenn Lehrlinge Probleme hatten, habe ich immer versucht, eine Lösung zu finden“, sagt er. Und wenn es zwischen Betrieb und Auszubildendem einmal nicht passte, scheute er sich nicht, beim Wechsel in einen anderen Betrieb zu unterstützen. Sein Ziel war immer, jungen Menschen einen qualifizierten Abschluss zu ermöglichen – egal, wo sie ihn am Ende erwarben.

Dass er selbst im Laufe der Jahrzehnte mehr als 100 Auszubildende im eigenen Unternehmen betreute und rund 13 von ihnen später selbst Meister wurden, ist ein bemerkenswertes Vermächtnis. Und es passt zu seinem Selbstverständnis: Handwerk ist für ihn Begegnung, Weitergabe und das Arbeiten mit Menschen. „Wenn ich heute nochmal wählen müsste“, sagt er, „würde ich den Beruf immer wieder wählen. Es ist toll, wenn man bei seiner Arbeit Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen bekommt. Das hat mir immer besonders gefallen.“

Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)

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