29. März 2019 / Im Interview

5 Fragen an Stephanie Höhner, Pfarrerin in der Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück

Pfarrerin Stephanie Höhner

Infoblock:

Ich bin 32 Jahre alt und seit September 2017 Pfarrerin in Rheda-Wiedenbrück. Geboren und aufgewachsen bin ich im Ruhrgebiet. Wenn ich frei habe, gehe ich gerne joggen, lese (gerade Elfriede Jelinek) und an freien Wochenenden fahre zu meinem Freund, der in München wohnt.

Manchmal finde ich am Schreibtisch keine Inspirationen mehr. Dann setzte ich mich am liebsten mit meinem Laptop ins „Kaffeekontor“ in Wiedenbrück – hier gibt es alles, was ich brauche: richtig guten Kaffee und eine tolle Atmosphäre.

 

1. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Pfarrerin zu werden?

Gott gehörte von Anfang an zu meinem Leben: Seit ich 3 Jahre alt bin, gehe ich in die Kirche. Erst noch an der Hand meiner Mutter und dann meistens in den Kindergottesdienst. Dort habe ich viele Geschichten aus der Bibel kennen gelernt, die mich fasziniert haben. Zu Hause und in der Kirche habe ich gebetet und das fühlte sich gut an. Zu wissen, dass Gott auf mich aufpasst und immer da ist – das ist ein Gefühl, das mich mein ganzes Leben schon begleitet.

Als Jugendliche habe ich als Teamerin Kinder- und Jugendgruppen geleitet und durch das Projekt „Schüleruni“ der Ruhruniversität Bochum konnte ich schon vor dem Abitur an Vorlesungen der Theologie teilnehmen. Im Beruf als Pfarrerin kann ich die Wissenschaft der Theologie, die praktische Arbeit in der Gemeinde und die Begegnung mit vielen interessanten Menschen vereinen.


2. Warum sollte ich in deinen Gottesdienst kommen?

Weil man in meinen Gottesdiensten das Leben von einer neuen Seite angestrahlt sieht. Ich schaue in die Welt, in der ich lebe, höre Geschichten von Menschen, die mich bewegen und entdecke dabei die großen und kleinen Themen des Lebens. Ich leuchte sie mit dem Licht Gottes an, entdecke die gleichen großen und kleinen Themen in der Bibel, die ein Buch voller Geschichten vom Leben ist. Ich entdecke Gott in der Bibel, in den Geschichten und in unserer Welt und erzähle davon. Ich sehe das Leben und die Welt dann in einer neuen Facette und das hoffe ich, sehen auch meine Zuhörer*innen im Gottesdienst. Dahinter steht mein Glaube, dass es mehr gibt als diese Welt als einfache Erklärungen und dass immer etwas unverfügbar bleibt in meinem Leben. Das lege ich in Gottes Hand.

 

3. Wie sieht die Woche einer Pfarrerin aus?

Das ist ganz verschieden und das ist auch das Schöne an dem Beruf. Wenn ich Sonntags Gottesdienst habe, lese ich am Anfang der Woche den Predigttext (das ist ein kurzer Text aus der Bibel), der vorgegeben ist. Dann lese ich dazu theologische Literatur. Wenn ich einen Menschen beerdige, besuche ich ein paar Tage vorher die Familie und sie erzählen mir von der*dem Verstorbene*n. Dann schreibe ich dazu die Trauerrede und Gebete für die Trauerfeier. Manchmal taufe ich Kinder im Gottesdienst. Auch diese Familien besuche ich vorher. Mit meinen Kolleg*innen treffe ich mich alle 2 Wochen zu einer Dienstbesprechung, die mehrere Stunden dauert. Abends sind oft Sitzungen von Arbeitskreisen und Ausschüssen, an denen ich teilnehme. Aber vor Allem sitze ich viel am Schreibtisch, schreibe an der Predigt oder der Trauerrede, bereite Sitzungen vor und schreibe Protokolle. Im Moment arbeite ich viel für den Deutschen Ev. Kirchentag, der vom 19.-23.06.2019 in Dortmund stattfindet. Das ist ein großes Glaubensfestival, zu dem gut 100.000 Christ*innen aus ganz Deutschland zusammen kommen. Ich bin in dem Team, das die Eröffnungsgottesdienste am 19.06. vorbereitet. Das wird das Highlight in diesem Jahr :)

 

4. Was macht für dich eine Pfarrerin aus?

Dass ich mir Zeit nehme für die Menschen, die gerade etwas Besonderes erleben und dafür Beistand brauchen, für Menschen, die mir begegnen und die mich für einen Moment in ihr Leben blicken lassen. Zeit, die Entwicklungen in der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, etc. zu beobachten und dazu eine Haltung zu entwickeln. Zeit, gute Texte zu schreiben, die Menschen berühren und vielleicht einen neuen Blick eröffnen. Zeit, am Leben hier in unserer Welt teilzunehmen.

 

5. Wie machst du das mit der Wochenendbeziehung?

Es erfordert einiges an Planung, aber mein Freund und ich versuchen, uns jedes zweite Wochenende zu sehen. Mal fahre ich zu ihm nach München, mal kommt er zu mir nach Wiedenbrück. Und immer wieder nehmen wir uns Urlaub und verbringen mehrere Tage am Stück miteinander. Und Dank Smartphone teilen wir auch unseren Alltag miteinander. Alles eine Frage des Wollens :)

 

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