20. Juli 2021 / Für die ganze Familie

„WIR“! Neuer Familientreff wird ein Ort der Begegnung

„Wichtig, ich bin richtig“

Neuer Familientreff wird ein Ort der Begegnung

„Wichtig, ich bin richtig“- so lautet das Motto des neu eröffneten Familientreffs „Wir“ an der Berliner Straße 23. Damit haben die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rheda-Wiedenbrück, Susanne Fischer und die Familienkrankenschwester Susanne Feldgen einen gemeinsamen lang gehegten Wunsch und eine Vision kurzfristig umgesetzt.

Am Donnerstagabend wurde das kleine, gemütliche Familienzentrum offiziell eingeweiht. Die Glückwünsche von Rat und Verwaltung überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Georg Effertz. Er betonte, wie wichtig es sei, so einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo Menschen aus allen Kulturen eine Anlaufstelle haben, Fragen zu Schwangerschaft, Geburt, Kindererziehung, Partnerschaft und vielen anderen Themen unterschwellig aber effektiv beantwortet bekommen. 

Susanne Fischer machte den Gästen bei der Einweihung ihr Konzept deutlich. Das Thema Gleichstellung hätte sich in den letzten Jahren verändert. Sicherlich seien die Themen wie ungleiche Bezahlung bei Männern und Frauen und Gewalt immer noch aktuell. Doch die verschiedenen Familiensysteme seien mehr in den Fokus gerückt. Deshalb sei das „Wir“ kein Zentrum speziell für Frauen, sondern für Mütter und Väter, für Frauen und Männer, für Menschen mit oder ohne Kinder oder auch Alleinstehende eine Anlaufstelle. Gerade Familien mit mehreren Kindern, die zudem nicht so gut situiert sind, würden oftmals in der Gesellschaft „schief“ angesehen. „Hier bei uns soll der Ort mit Platz sein, wo man seine Sorgen loswerden kann, wo geholfen wird“, so Fischer. Ihr war es wichtig, dass es eine Anlaufstelle außerhalb der Verwaltung ist, wo die Hemmschwelle genommen wird, man keinen Termin benötigt, wo man sich mit anderen austauschen kann, Gleichgesinnte findet und dennoch auch professionelle Hilfe bekommt. Deshalb arbeiten die Initiatorinnen mit anderen Institutionen zusammen, um gut vernetzt zu sein und die benötigte Hilfe auch gewährleisten zu können. So unterstützen auch Mitarbeiterinnen aus dem Bereich Frühe Hilfen das „Wir“. 

Selber ist Susanne Fischer vierfache Mutter, inzwischen Oma von 12 Enkelkindern und verfügt somit über reichlich Lebenserfahrung. Susanne Feldgen kommt aus den frühen Hilfen und weiß von vielen Müttern mit wenig Geld, alleinerziehend und mit mehreren Kindern, dass sie sich in anderen Krabbelgruppen oft nicht wohlfühlen. Dafür soll das Familienzentrum auch sein. Die Hebamme Jenny Goblirsch unterstützt das Team und steht den Frauen mit Tipps zu den Themen Schwangerschaft und Stillen zur Seite. Je nach Bedarf soll das Angebot wachsen über die Vermittlung von Hebammen, Beratung bei Erwerbslosigkeit, Familienberatung sowie Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten. Die Gründerinnen wissen, dass es viele Angebote schon gibt wie bei der Caritas, der Diakonie, beim SKFM, bei pro Arbeit und anderen. Sie wünscht sich eine Vernetzung und würde sich auch freuen, wenn die anderen Institutionen im Familientreff Sprechstunden anbieten würden. „Es soll keine Konkurrenz zu den alt eingeführten Beratungsstellen sein, sondern eine Ergänzung verbunden mit einem Treff zum Austausch“, so Fischer. Auch einfach mal nur einen Kaffee oder Tee trinken sei möglich, ohne Sorgen oder Fragen im Gepäck.

Schlagworte wie Ankommen, Miteinander, Integration, Erzählen, Neugierig sein, Rückhalt, Anerkennung, Lachen, Eltern sein, fielen am Donnerstag. Dass alles soll das „Wir“ ermöglichen. Das Kind spielen lassen, ein offenes Ohr für die kleinen und großen Probleme finden, Wege ausprobieren, Hilfe und Unterstützung bekommen, vielleicht auch geben und Vertrauen wagen. Dabei soll alles unabhängig von Bildung, Religion oder Herkunft sein.
Das Zentrum ist von Montag bis Freitag vormittags von 10 bis 12 Uhr sowie nachmittags von 15 bis 17 Uhr außer am Freitag geöffnet. An jedem ersten und dritten Samstag zudem von 10 bis 12 Uhr. Nach den Sommerferien sind auch Aktionen geplant wie Basteln mit den Kindern, Turnen für Mutter und Väter mit Kind und auch Abendveranstaltungen zu verschiedenen Themen. Das Programm dazu wird derzeit ausgearbeitet. Erste Anfragen hätten die beiden schon erreicht wie Hausaufgabenhilfe auf Rumänisch oder auch Senioren mit willkommen zu heißen, berichtet Susanne Feldgen. 

Susanne Fischer erzählt, dass sie sich bei der Entwicklung des Logos bewusst dazu entschieden hätten, das Stadtlogo nicht mit einzuarbeiten. „Es soll optisch losgelöst sein von der Verwaltung um genau diese Hemmschwelle zu nehmen“, erklärt sie. Susanne Feldgen, Susanne Fischer sowie auch Jenny Goblirsch haben sich über den Treff Alleinerziehender kennengelernt und dieses Projekt gemeinsam entwickelt.

Quelle: Stadt Rheda-Wiedenbrück
Fotos: Tobias Wellerdiek

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