Aminat Naomi Ifekwe aus Nigeria ist ein „Diakonie-Gewächs“: „gecastet“ im „Café Connect“, ausgebildet zur Pflegefachassistentin – unter anderem in der Auszubildenden-Station von DeineDiakonie, und nun im Einsatz als ambulante Kraft der Diakoniestation Isselhorst.
Der neue Beruf bildet einen starken Kontrast zu ihrem alten Job, denn in Afrika arbeitete sie bei der Kriminalpolizei.
Der Einstieg in die Pflege gelang Naomi 2024 bei einem Angebot im „Bewerber:innen-Café“**, das im Begegnungszentrum Café Connect stattfand. Damals stellte Markus Friedrich, Leiter des Bildungsmanagements von DeineDiakonie, Ausbildungsmöglichkeiten bei dem sozialen Dienstgeber vor. „Herr Friedrich hat uns erklärt, dass man flexibel arbeiten kann und dass man einen sicheren Arbeitsplatz hat“, erinnert sich die 34-Jährige. „Mein Deutsch war damals noch nicht so gut, aber alles wurde einfach erklärt. Ich fand die Möglichkeiten sehr interessant.“
Ihre Bewerbungspapiere hatte Naomi schon vorbereitet. Alle Zeugnisse waren anerkannt. Das Einzige, was fehlte, war die Deutschprüfung auf B2-Niveau. Für das Sprachtalent sollte dies später keine Hürde sein; neben Deutsch spricht sie fließend Englisch, ihre Muttersprache Yoruba und Igbo, die Sprache ihres Ehemanns Bruno. Per Whatsapp schickte Naomi alle Unterlagen an DeineDiakonie. Am nächsten Tag hatte sie die Zusage und einen Ausbildungsvertrag zur Pflegefachassistentin in der Tasche. Start war am 1. August 2024. Inzwischen ist Naomi Pflegefachassistentin.
„Mein alter Job war sehr gefährlich“
Ganz anders sah der Alltag in Nigeria aus: Nach dem Studium der Kriminologie arbeitete Naomi als Polizistin in den Straßen der Hauptstadt Abuja. An jene Zeit denkt sie mit gemischten Gefühlen zurück. „Der Job war sehr gefährlich, gerade auch für mich als Frau. Ich war zwar gut trainiert, und es war auch ein gutes Gefühl, Menschen zu retten. Aber jeden Tag habe ich mich gefragt, ob ich heil wieder nach Hause komme.“ Jetzt, in der ambulanten Pflege, sorgt sich Naomi eher darum, dass es den Klient:innen gut geht.
Im Verlauf ihrer Ausbildung und bis zur Abschlussprüfung im September 2025 arbeitete die Mutter von drei kleinen Kindern unter anderem im Wohnbereich 2 für demenziell veränderte Menschen im Ernst-Barlach-Haus (EBH) in Sennestadt. Ihren Einsatz für die praktische Prüfung absolvierte Naomi im selben Haus auf der neuen Auszubildenden-Station. Später entschied sich die Pflegefachassistentin für die ambulante Pflege. „So kann ich Arbeit und Familie gut unter einen Hut bringen“, findet sie. Kommunikation sei dabei der Schlüssel. Das bedeute zum Beispiel, dass Naomi frühzeitig mit ihrem Chef über die Einsatzplanung spricht. „Mein Mann und ich wechseln uns ja zuhause ab, damit die Kinder versorgt sind. Wenn er Frühschicht hat, dann komme ich zur Spätschicht, und umgekehrt.“
Naomis Vorgesetzter ist Alexander Eusterhus, Leiter der Diakoniestation in Isselhorst. Er lobt den Neuzugang: „Naomi hat sich sehr gut bei uns eingearbeitet“, sagt der 32-Jährige. Ihre Einsatzorte sind Isselhorst und Hollen, an den Wochenenden auch Blankenhagen oder andere Gütersloher Stadtteile.
„Die Diakonie ist immer daran interessiert, Potenziale von Menschen zu erkennen und zu nutzen“, betont Alexander Eusterhus. „Eine Hauswirtschaftskraft von uns sattelt zum Beispiel um in die Pflege. Ihre Kinder sind aus dem Haus, und da möchte sie noch einmal etwas Neues wagen.“
„Ich bin eine Torschützin“
Um gut voranzukommen in Deutschland, brauchte es Mut, Ausdauer und Selbstbewusstsein. „Ich bin eine Torschützin“, sagt Naomi mit sichtlichem Stolz. Und: „Ich habe einfach versucht, mich gut zu integrieren.“ Das sei allerdings nicht immer leicht gewesen, auch wegen Rassismus-Erfahrungen in der Pflege: „Manchmal gibt es Klient:innen, die sagen, ich käme aus dem Dschungel, oder andere Dinge. Inzwischen betrachte ich das als Teil des Jobs. Wissen Sie: Viele Leute sind wirklich sehr nett. Andere wollen nichts mit mir zu tun haben. Anfangs habe ich mich dann schlecht gefühlt“, erinnert sie sich. Das sei jetzt vorbei: „Ich akzeptiere es. Nicht jeder kann dich mögen.“
Auf TikTok hat Naomi einen privaten Kanal („officialmummyJs“), in dem sie andere Frauen motivieren möchte. Ihr Motto: „Wir können alles machen, wenn, wann und wo wir wollen.“
**Das Bewerber:innen-Café für Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund wurde gefördert von der Bürgerstiftung Gütersloh. Das Café Connect ist ein Begegnungstreff für geflüchtete Menschen und Ehrenamtliche.

