Das Museum Peter August Böckstiegel hat zum wiederholten Male eine besondere Schenkung von Prof. Dr. Hermann-Josef und Renate Bunte erhalten. Es handelt es sich um eine am 28.11.2025 im Berliner Auktionshaus Grisebach versteigerte Tuschezeichnung des deutschen Expressionisten Conrad Felixmüller (1897–1977). Das Blatt wurde zu einem Preis von rund 4.500 Euro (inklusive Aufgeld) zugeschlagen.
David Riedel, künstlerischer Leiter des Museums, berichtet: „Erneut war ich mir mit dem Ehepaar Bunte schnell einig: Diese Zeichnung gehört ins Museum nach Werther und sie bereichert unseren schönen Felixmüller-Bestand um ein sehr persönliches Zeugnis der Freundschaft zwischen den Künstlern. Die Großzügigkeit und die anhaltende Verbindung des Ehepaares Bunte zu unserem Museum sind ein großer Glücksfall.“
Bei dem Werk handelt es sich um eine 33,7 × 25,2 cm große Tuschzeichnung auf Papier, die signiert, genau datiert und betitelt ist: „Felix Müller 28.8.15. – der Maler P.A. Böckstiegel“. Auf der Rückseite befindet sich eine farbige Skizze von Christbaumschmuck sowie der Entwurf von Felixmüllers frühem, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gemälde „Das Atelierbild“ von 1915, das bis 1944 dem von-der-Heydt-Museum in Wuppertal gehörte.
Es sind insgesamt drei Zeichnungen aus den Jahren des Ersten Weltkrieges bekannt, auf denen Conrad Felixmüller seinen späteren Schwager Peter August Böckstiegel porträtiert – beide Männer hatten sich im Herbst 1914 an der Dresdner Kunstakademie kennengelernt. Die beiden anderen Blätter, Bleistiftzeichnungen aus dem Jahr 1916, befinden sich in den Sammlungen der Nationalgalerie in Berlin und im Museum Albstadt. Das nun dem Wertheraner Museum geschenkte Blatt gehörte seit seiner Entstehung in den Besitz der Familie Felixmüller und kam nun aus dem Nachlass des Künstlers auf den Markt. Ausgestellt war es auf der großen Retrospektive „Conrad Felixmüller. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphik, Skulpturen“, die 1990/91 durch mehrere Museen in Deutschland tourte.
Die Zeichnung fokussiert ganz auf Böckstiegels Kopf mit seinem markanten Bart und dem vollen Haar, fast wirkt es, als hätte Felixmüller in großer Eile den lebendigen und aufmerksamen, 26-jährigen Freund festhalten wollen. Das Blatt ist in Görlitz entstanden. Böckstiegel, als Soldat in Breslau stationiert, hatte einen Tag frei und konnte hier seine Freundin Hanna Müller und ihren Bruder Conrad treffen. Die Zeichnung ist also an einem glücklichen, aber von den dramatischen Ereignissen der Zeit überschatteten Tag entstanden und eines der wenigen Werke von der Hand anderer Künstler, die Peter August Böckstiegel zeigen.
Die Zeichnung wird in der kommenden Böckstiegel-Ausstellung ab dem Februar 2026 einen besonderen Platz neben dem bereits geschenkten Aquarell „Alter Westfalen-Bauer“ erhalten und steht für 2027, wenn der 130. Geburtstag und 50. Todestag von Conrad Felixmüller mit Ausstellungen gefeiert werden, als Leihgabe zur Verfügung.

