Paarungszeit der Rehe erhöht die Unfallgefahr – Autofahrer sollten umsichtig fahren

Paarungszeit der Rehe erhöht die Unfallgefahr – Autofahrer sollten umsichtig fahren

Bild: Ein Mini-Cabrio nach einem Wildunfall im April dieses Jahres. Das Reh war auf dem Tecklenburger Weg (Herzebrock-Clarholz) von einem Fiat auf der Gegenfahrbahn erfasst worden, durch die Luft gewirbelt und dann mittig in der Frontscheibe des Minis eingeschlagen. Zum Glück entstand kein Personenschaden. Der Sachschaden am Mini belief sich jedoch auf 13.000 Euro.

Alle Jahre wieder mehren sich ab Ende Juli die Unfälle mit Rehwild. Bis zirka Mitte August dauert die Paarungszeit, die sogenannte »Blattzeit«. In dieser Zeit überqueren Ricke und Bock im »blinden Liebeswahn« die Straßen oder mehrere Böcke im Revierkampf für Autofahrer oft unerwartet die Straße, und das nicht nur abends oder nachts, sondern auch tagsüber. Autofahrer sollten insbesondere auf Straßen, die entlang von  Feldern und Wäldern führen unbedingt die Geschwindigkeit reduzieren und auf plötzliches Kreuzen von Rehen gefasst sein.

Ralf Reckmeyer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft im Kreis Gütersloh, weiß: »In Ihrer Liebestollheit nehmen die Rehe den Verkehr nicht mehr wahr. Und es besteht kein Anlass zur Entwarnung, wenn ein Reh die Straße überquert hat. Häufig folgt noch ein zweites oder noch weitere. Daher ist Vorsicht geboten«.

Weil die Folgen für die Tiere, aber auch für die Autofahrer und die Fahrzeuge erheblich sein können, haben es sich der Kreis und die Kreisjägerschaft bereits vor Jahren zum Ziel gesetzt, die Zahl der Wildunfälle so gering wie möglich zu halten. Jährlich ereignen sich kreisweit rund 1.100 Wildunfälle. Im Jagdjahr 2017/2018 fielen knapp der 30 Prozent der Jahresstrecke Rehwild dem Straßenverkehr zum Opfer: 750 von 2.540 Stück. Beim Schwarzwild waren es vergleichsweise wenig: 10 von 214 Stück. 80 Prozent der Wildunfälle passieren in den Nachtstunden.

Deutschlandweit ereignet sich alle 2,5 Minuten ein Wildunfall. Im Jagdjahr 2016/2017 gab es 228.500 Wildunfälle. Das sind 5 Prozent mehr als der Schnitt der vorangegangenen fünf Jahre. Die Unfälle enden für die Tiere in der Regel tödlich und gehen zumeist auch mit hohen Personen- oder Sachschäden einher.

Im Frühjahr/Sommer 2012 startete der Kreis Gütersloh das Projekt »Blaue Wildwarnreflektoren«. An ausgewählten, besonders unfallträchtigen Strecken wurden blaue Reflektoren an den Leitpfosten befestigt, die das Scheinwerferlicht der herannahenden Fahrzeuge in einem 90 Grad Winkel in Richtung des Waldes beziehungsweise Feldes zurückwerfen. Das Wild nimmt die blaue Farbe als Warnfarbe wahr und meidet so die Überquerung der Straße.

68 von 241 Revieren im Kreis Gütersloh nahmen an dem Projekt teil. Knapp 1.030 Wildwarnreflektoren wurden an zirka 180 Straßenkilometern angebracht. Die Kosten von drei Euro je Reflektor übernahmen der Kreis Gütersloh, verschiedene Versicherungen und die Kreisjägerschaft. Die Maßnahmen haben sich bewährt. Nach Einschätzung einiger Reviere ist Anteil des Verkehrsunfallwildes an der Gesamtstrecke nach der Anbringung zum Teil deutlich gesunken. Der Hegering Herzebrock-Rheda verzeichnete zum Beispiel vor der Anbringung der Wildwarnreflektoren einen Anteil von 59,3 Prozent des durch den Straßenverkehr zu Tode gekommenen Rehwildes an der Gesamt-Rehwildstrecke. Nach der Anbringung der Reflektoren reduzierte sich diese Zahl auf 29,3 Prozent. In anderen Revieren war der Rückgang allerdings nicht so deutlich. Dort waren die sogenannten Einstandsgebiete und die Bereiche zur Nahrungsaufnahme weniger stark durch viel befahrene Straßen getrennt.

Die Wirkung zeigt sich naturgemäß nachts sehr effektiv, wobei besonders positiv festzustellen ist, dass auch nach längerer Zeit offenbar kein Gewöhnungseffekt eingetreten ist. »Wenn man bedenkt, dass statistisch die Wildunfallzahlen im Kreis Gütersloh nahezu gleich geblieben sind, während sie bundesweit jährlich deutlich steigen, ist das Projekt ein Erfolg«, so Dr. Wolfgang Schwentker, Leiter der Abteilung Ordnung des Kreises Gütersloh. »Unsere Erkenntnisse decken sich mit denen anderer im Bundesgebiet stattgefundener Beobachtungen solcher Anbringungsprojekte«. Reckmeyer und Dr. Schwentker danken allen Beteiligten, insbesondere auch den Straßenbaulastträgern von Land, Kreis und Kommunen für ihre Mitwirkung und Unterstützung, etwa durch den Austausch beschädigter Leitposten.

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