(V.l.) Jörg Eickholz (Bauhofmitarbeiter), Bürgermeister Theo Mettenborg, Ewgenij Kirschner von der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, VHS-Leiter und Redner Dr. Rüdiger Krüger sowie Wolfgang Kern (Bauhofmitarbeiter), legten den Kranz vor der Gedenkstele nieder.
(pbm). »Erinnern tut weh. Es löst Entsetzen aus und lässt uns verstummen und aufschreien zugleich.« Mit diesem Zitat der ehemaligen Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süßmuth eröffnete Bürgermeister Theo Mettenborg am Sonntag auf dem jüdischen Friedhof die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Pogromnacht von 1938. Trotz anhaltenden Regens nahmen über 150 Menschen am Gedenken teil. Mettenborg betonte, dass die Erinnerung um der Opfer willen und um unser selbst willen unverzichtbar sei. Keine Gesellschaft und auch kein Staat könnten ohne Erinnerung leben.
Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister erinnerte Dr. Rüdiger Krüger, Leiter der VHS Reckenberg-Ems, in seiner sehr persönlich gehaltenen Gedenkansprache daran, dass es nicht nur Opfer, sondern auch Täter gab – und dass über sie zu oft geschwiegen wurde. Erst intensive Spurensuche habe ihm vor Augen geführt, dass sein Großonkel kein einfacher Mitläufer des NS-Regimes, sondern in den Reihen der SS keine unbedeutende Rolle spielte. Nach dem Krieg kehrte er schnell entnazifiziert in die normale Gesellschaft zurück und war in seinem Umfeld, etwa seiner Kirchengemeinde, ein angesehener Mann. Das sei zu oft möglich gewesen, so Dr. Krüger, weil der Antisemitismus keine Erfindung der Nazis war und keine Episode von 1933 bis 1945 blieb, sondern weil auch im Christentum oft Antisemitismus propagiert wurde. Gerade im Reformationsjahr erinnerte der Redner an ausdrücklich antijüdische Schriften Luthers, von denen sich die evangelische Kirche aus Sicht Dr. Krügers viel zu schwach distanziert hätte. Krüger forderte dazu auf, die weit überwiegenden Gemeinsamkeiten der Religionen zu sehen und nicht mit teilweise nur geringfügigen Unterschieden die Verfolgung Andersgläubiger, Andersdenkender und Anderslebender zu begründen.
Anschließend folgt ein Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Israel-AG des Einstein-Gymnasiums unter der Leitung von Thorsten Mönning mit dem Thema »Von Rheda nach Auschwitz und Theresienstadt«. Die Jugendlichen schilderten eindrücklich ihre Erlebnisse und Empfindungen bei den Besuchen in den beiden Konzentrationslagern. Erinnerungen an dort getötete Mitglieder der Rhedaer Synagogengemeinde gehörten dazu. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Sängerinnen und Sänger des Jugendchores St. Aegidius unter der Leitung von Jürgen Wüstefeld. Den Abschluss bildeten die Kranzniederlegung und das Kaddisch, das Gebet für die Toten, das Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld sprachen.
Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof
»Erinnern tut weh.«
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